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Eine rundum gelungene Jubiläums-Episode
Tatort Kiel

1000. Tatort Eine rundum gelungene Jubiläums-Episode

"Ich werde ruhig bleiben", sagt eine Stimme aus dem Off zu Beginn des 1000. Tatorts "Taxi nach Leipzig" - und der Zuschauer kann sich da schon ausmalen, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Den Zuschauern erwarten spannende 90 Minuten und Ende, das allerlei Fragen aufwirft.

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Drei Polizisten und ein Taxi - das garantiert einen unterhaltsamen Abend.

Quelle: NDR

Kiel/Leipzig. Während die Komissare Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) aus Hannover und Klaus Borowski (Axel Milberg) aus Kiel in Braunschweig in einem Seminar über Deeskalationstechniken sitzen, ist rundherum alles andere als Konfliktlösung angesagt. Lindholm schnappt Borowski beim Buffet das letzte Brötchen weg, außerdem wird er von dem Kollegen Sören Affeld (Hans Uwe Bauer) bedrängt, warum er denn damals nicht in Borowskis Team aufgenommen worden ist. Kurze Zeit später sitzen zufällig alle drei Polizisten - Borowski, Affeld und Lindholm - in einem Taxi, und zwar in dem von Rainald Klapproth (Florian Bartholomäi), der Off-Stimme vom Anfang. Seine persönlichen Konflikte sind dem Publikum zu dem Zeitpunkt schon bekannt: Seine große Liebe Nicki hat sich von ihm getrennt, er hat sie an ihrem Geburtstag angerufen und erfahren, dass sie am nächsten Tag einen Bekannten heiratet wird.

Das hat in Klapproth eine Menge in Bewegung gesetzt. Von dem zitierten Ruhigbleiben ist nicht viel zu spüren, als er Affeld erst einmal das Genick bricht, nachdem dieser den Taxifahrer mehrmals gebeten hat, dass er sich doch anschnallen möge. Nun merken auch Borowski und Lindholm, dass es bei dieser Taxifahrt um ihr Leben geht. In Antwort-und-Fragespielchen führt Klapproth die beiden Kommissare gnadenlos vor. Denn Klapproth scheint alle Kommunikationstheorien genau studiert zu haben - wie Drehbuchautor Alexander Adolph offenbar auch. Die beiden Polizisten wissen schon bald: Sie haben es hier mit einem Profi zu tun. Während Lindholm und Borowski krampfhaft nach Fluchtmöglichkeiten suchen, schaut das Publikum gespannt, aber zum Teil auch amüsiert zu.

Im Laufe des Gesprächs auf dem Weg nach Leipzig zu Nicki entlocken die Kommissare dem wildgewordenen Taxifahrer, dass er in einer militärischen Spezial-Einheit in Afghanistan tätig gewesen ist. Dass er dort aufgrund eines Befehls seines schlecht informierten Majors unschuldige Zivilisten getötet hat und darüber nie mit seiner Freundin sprechen durfte. Daran ist er zerbrochen, die Beziehung auch - und Nicki will jetzt eben jenen Major heiraten. Doch nicht nur Klapproth schüttet nach und nach sein Herz aus. Auch die Kommissare beteiligen sich am Seelenstriptease, was geschickt über Perspektivverschiebung mit Flashbacks intensiviert wird: Borowski wird von seiner Ex-Frau gehasst, die zum ersten Mal einen Namen ("Gaby") bekommt; Lindholm hat extreme Angst vor dem Alleinsein. Das ist stark!

Nachdem Borowski Klapproth abgelenkt hat, gelingt den Kommissaren die Flucht aus dem Auto, doch schon bald finden sie sich zusammen - wieder unter Klapproths Führung - in einem neuen Auto wieder. Dieses Mal ist es ein Volvo, was Borowski, Liebhaber der schwedischen Automarke, eigentlich freuen dürfte. Doch dazu ist die Lage viel zu angespannt. Klapproth will Nicki immer noch zu einem Gespräch drängen, und dazu muss Lindholm sie aus dem Haus locken. Bei dem wirklich tragischen Ende wird Nicki aus Versehen erschossen - von einem der Freunde ihres zukünftigen Gemahls, der eigentlich Klapproth treffen wollte.

So nimmt der rundum gelungene 1000. Tatort, der mehr ein gewitzter Thriller als ein Krimi ist, langsam sein Ende. Lindholm und Borowski halten sich schließlich die Hände - das wirft neue Fragen auf: Werden die Kripo in Kiel und die Kripo in Hannover in den folgenden Tatorten vielleicht enger zusammenarbeiten? Haben die Drehbuchautoren hier vielleicht schon eine Vorlage geschaffen für den Fall, dass Sibel Kekilli tatsächlich aus dem Kieler Tatort aussteigt? Fragen über Fragen, die Lust auf mehr Tatort aus dem Norden machen! Und für die treuen Tatort-Fans, die die Serie seit ihrem Beginn verfolgen, gibt es auch noch eine kleine Beigabe: Zum Schluss spricht Günter Lamprecht als Kommissar a.D. Franz Markowitz , der schon in der ersten Tatort-Folge mit eben dem gleichen Titel "Taxi nach Leipzig" einen DDR-Grenzer gespielt hat. Unterm Strich: eine rundum gelungene Jubiläums-Episode und die wohl beste Borowski-Folge überhaupt. 

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Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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