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Ein "Tatort", der den IS beim Namen nennt
Tatort Kiel

Borowski Ein "Tatort", der den IS beim Namen nennt

Der Kieler Tatort "Borowski und das verlorene Mädchen" (Sonntag, 20.15 Uhr) ist brandaktuell und bedrückend zugleich: Eine 17-jährige Schülerin gerät in die Fänge des radikalen Islamismus. Die eigentliche Jagd nach dem Mörder wird dabei schnell zur Nebensache.

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Kann er sie vor dem IS bewahren? Kommissar Borowski (Axel Milberg) bringt Julia (Mala Emde) nach Hause.

Quelle: NDR/Christine Schroeder

Kiel. Fast ein ganzes Jahr lang warteten "Tatort"-Fans auf einen neuen Fall der TV-Fahnder aus Kiel: Zuletzt mussten sich die Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) im November 2015 mit dem zurückgekehrten "stillen Gast" herumschlagen. Der frische Fall führt das TV-Duo in die radikale Islamistenszene. "Borowski und das verlorene Mädchen" wird am Sonntag ab 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

Schon mehrfach haben sich die Autoren des "Tatort" an die Materie des radikalen Islamismus herangetraut und die Handlung ihrer TV-Krimis aus Bremen, Hamburg oder München im Umfeld des "Islamischen Staats" spielen lassen. Nur hatten die Senderverantwortlichen bislang offenkundig nicht den Mut, die Terrororganisation auch als diese zu titulieren und es stattdessen bei Andeutungen belassen. Das ist beim neuen Tatort aus Kiel anders: Der IS wird in dem dunklen, düsteren und beklemmenden Krimi nicht nur benannt, immer wieder greift Regisseur Raymond Ley in dem fiktiven Krimi auf reale Sequenzen aus Propaganda-Filmen der Terrormiliz zurück und stellt sogar Zusammenhänge zu tatsächlichen Ereignissen her wie der Messerattacke einer jungen Salafistin auf einen Bundespolizisten in Hannover.

Ermittlungen im Konflikt mit dem Staatsschutz

Im Mittelpunkt des Krimis steht die 17-jährige Schülerin Julia (dargestellt von Mala Emde), das "verlorene Mädchen". Alles beginnt mit einem Anruf bei der Polizei: Sie bezichtigt ihren gewalttätigen Bruder, eine Mitschülerin getötet zu haben. Als tags darauf tatsächlich der Leichnam der jungen Frau angespült am Ufer der Förde entdeckt wird, übernehmen Borowski und Brandt die Ermittlungen. Die eigentliche Jagd nach dem Mörder wird aber schnell zur Nebensache, als die TV-Ermittler bemerken, dass Julia mehr und mehr Kontakt zur salafistischen Szene sucht.

Das Mädchen hat mit ihrer Familie gebrochen, ist isoliert von ihren Freundinnen. In einer Hinterhof-Moschee und bei ihrer neuen Freundin Amina (Sithembile Menck) findet sie Halt und gleitet immer tiefer in eine islamistische Parallelwelt ab. Sie konvertiert, trägt Kopftuch, chattet mit einem IS-Kämpfer und will schließlich sogar nach Syrien ausreisen, um dort den fremden Mann zu heiraten. Borowski und Brandt durchschauen die Pläne schnell, wollen Julia vor ihrem Schicksal bewahren, durchkreuzen aber die Pläne des Staatsschutzes, dessen Chef Kesting (Jürgen Prochnow) die junge Konvertitin als Köder missbrauchen will, um die IS-Zelle im türkisch-syrischen Grenzgebiet ausfindig machen zu können.

So bedrückend die Handlung auch ist, so können sich Zuschauer auf so viel Kiel wie nie freuen: Am Ostseekai befragen Borowski und Brandt Julias Mutter, in der Andreas-Gayk-Straße versucht eine Mitschülerin mit der jungen Konvertitin zu sprechen, im Bahnhof und am Sophienhof sieht man das "verlorene Mädchen" umherirren, an der Hörnbrücke sinnieren die TV-Kommissare vor der Kulisse aus Stena-Fähre und Schlepper "Bülk".

Bis zum nächsten Borowski-"Tatort" müssen Fans übrigens nicht lange warten: Bereits am kommenden Sonntag gibt es ein Wiedersehen in der 1000. Episode der ARD-Serie. Im "Taxi nach Leipzig" ist dann allerdings nicht Sarah Brandt, sondern die Hannoveraner Ermittlern Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) an seiner Seite.

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