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Uni Kiel Kieler Universität erwartet 6000 Erstsemester
Uni Kiel Kieler Universität erwartet 6000 Erstsemester
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21:29 23.08.2016
Von Martina Drexler
In der Kieler Universität stehen junge Frauen und Männer Schlange, um sich fürs kommende Semester einzuschreiben. Quelle: Frank Peter

Frage: Wie bereiten Sie sich auf eine mögliche Rekordzahl von Studierenden vor?

 Wir werden wohl in den nächsten drei Jahren jedes Mal zum Start des Wintersemesters eine neue Rekordzahl vermelden können: Denn wir erwarten bereits in diesem Jahr 6000 neue Studierende statt wie bisher etwa 5000 Neue. Die Gesamtzahl würde dann auf etwa 26000 ansteigen. Das wird in den beiden kommenden Jahren ähnlich sein, sodass wir 2018 erwarten, dass sich dann 28000 junge Männer und Frauen an der Universität eingeschrieben haben.

 Wie sieht sich die Kieler Universität auf den Ansturm vorbereitet?

 Wir sehen uns gut gerüstet. Das Land gab uns ja zusätzliche Mittel, um etwa 100 Stellen aufstocken zu können. In diesem Jahr richten wir bereits 30 Dauerstellen ein. Auch einige neue Professuren sind schon bewilligt. Dazu ist es uns gelungen, Bundes- und Ländermittel für die nächsten Jahre einzuwerben: 10,5 Millionen Euro kommen aus dem Qualitätspakt Lehre für unser „Projekt erfolgreiches Lernen und Lehren (PerLe)“, und 3,5 Millionen Euro kommen aus der Qualitätsoffensive Lehrerbildung. So können wir auch die Qualität der Lehre weiter verbessern.

 Der personelle Ausbau ist das eine, was aber machen Sie mit dem zu erwartenden Platzmangel?

 Wir freuen uns auf die Studierenden, wissen aber, es wird eng. Die Logistik an der Universität, die eigentlich nur für 14000 Studierende ausgelegt ist, wird eine riesige Herausforderung darstellen. Doch wir sind optimistisch, weil wir den Lehrbetrieb von den Kernzeiten her ausweiten können. Statt bisher 10 bis 18 Uhr sollen alle Hörsäle von 8 Uhr morgens bis 20 Uhr genutzt werden. Lehrveranstaltungen können dann auch mal an den Randzeiten am Freitagabend und Montagmorgen stattfinden.

 Denken Sie daran, Lehrveranstaltungen auch in die Semesterferien zu legen?

 Nein. Schon jetzt absolvieren die Studierenden in der vorlesungsfreien Zeit Praktika und Exkursionen und legen Prüfungen ab. Auch Studierende brauchen ihre Ruhepausen, vor allem seit das Bachelorstudium ein enges zeitliches Korsett schnürte.

 Der Abriss des ersten Angerbaus Anfang September markiert den Start des umfassenden Bauplans für das gesamte Universitätsgelände. Wie soll das gehen – Lärm und Staub auf der Großbaustelle bei laufendem Wissenschaftsbetrieb?

 Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich alle maroden Gebäude abgerissen und auf einer freien Wiese neu gebaut. Aber das war nicht möglich. Zum Glück geht es endlich mit dem Abbau des Sanierungsstaus los. Die Landeshilfe kommt aus verschiedenen Töpfen und könnte sich auf bis zu 215 Millionen Euro belaufen. Wir haben die GMSH (Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR) extra darum gebeten, den Abriss in die Semesterferien zu legen. Während des Wintersemesters werden Baufelder freigemacht und Vorbereitungen getroffen, was zu eher kurzfristigen Sperrungen führt.

 Für die Studierenden selbst beginnt wieder die schwierige Suche nach einer Bleibe. Was kann die Uni tun, um die Wohnraumversorgung zu erleichtern?

 Wir können selbst keine Studierendenwohnheime bauen. Wir haben aber den sogenannten Professoren-Parkplatz (am Ende der Ludewig-Meyn-Straße) für einen Neubau zur Verfügung gestellt. Über die GMSH läuft derzeit ein Vergabeverfahren, damit sich ein Investor für ein Wohnheim mit 150 Plätzen findet. Das wird aber das Problem nicht lösen. Schleswig-Holstein gehört mit lediglich 6,7 Prozent Unterbringungsquote in studentischen Wohnplätzen deutschlandweit nach wie vor zu den Schlusslichtern. Der Bundesdurchschnitt liegt bei knapp zehn Prozent. Wir müssen gewaltig aufrüsten, aber werden nie allen Studierenden universitätsnahe Unterkünfte anbieten können. Ich halte es für wichtig, das Wohnraum-Problem zu mildern, indem wir den Geltungsbereich des Semestertickets ausweiten.

 Was meinen Sie konkret damit?

 In Kiel ist der Wohnungsraum knapp, aber nicht in der Region. Städte und Gemeinden wie Eckernförde, Rendsburg, Preetz oder Bordesholm würden von Studierenden profitieren, die bei ihnen wohnten. Da aber das Semesterticket noch an den Grenzen Kiels und des direkten Umlands aufhört, ziehen das die allerwenigsten in Betracht. Wir brauchen kreative Lösungen und sollten dafür alle Akteure an einen Tisch holen: die Studierendenvertretungen, das Land, die Stadt und die Hochschulen. Wir sind bereits in Gesprächen mit Entscheidungsträgern auch aus der Region.

 Schleswig-Holstein ist gerade 70 Jahre alt geworden. Wie bewerten Sie den Stellenwert der Wissenschaft im Bundesland?

 Schleswig-Holstein hat mit seinen Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen sehr viel zu bieten. Insgesamt ist die Wissenschaft in Schleswig-Holstein auch in der Gesellschaft schon deutlich sichtbarer geworden. Ich denke aber auch, dass das Land dieses Potenzial besser nutzen und für den Wissenschaftsstandort bundesweit noch mehr werben könnte. Nur im Schulterschluss zwischen Land und Wissenschaftseinrichtungen kann diese Stärke Schleswig-Holsteins effizient genutzt werden.

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