Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Uni Kiel Sportstudent fühlt sich ausgebremst
Uni Kiel Sportstudent fühlt sich ausgebremst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:33 24.05.2014
Von Martin Geist
Moritz Felske (23) möchte schneller studieren, als es seinem Professor lieb ist. Quelle: M. Geist

Moritz Felske startete seine Uni-Karriere etwas holperig. Außer für Sport schrieb sich er zunächst im Lehramts-Studiengang für Mathe ein, stieg dann aber auf WiPo um und brauchte somit acht und nicht die üblichen sechs Semester bis zum Bachelor.

 Wenigstens einen Teil dieser Verzögerung will er nun durch ein entsprechend fixes Masterstudium ausgleichen. „Das ist zwar viel Arbeit und erfordert einige Organisationskunst, aber es funktioniert“, betont der 23-Jährige. Seine Rechnung hat er allerdings ohne die Sportpädagogik gemacht. Die steht nur fürs vierte Semester im Studienplan, nicht aber fürs zweite Semester, das Felske gerade absolviert.

 Ärgerlich aus Sicht des Studenten: Das dritte Semester hat er sich bereits so zurechtgebastelt, dass er pro Woche zwei volle Tage für die Masterarbeit zur Verfügung hätte. Im Effekt müsste er also das vierte Semester nur für die Sportpädagogik absitzen, die zudem noch nicht einmal auf einem anderen Seminar aufbaut.

 Prof. Wolf-Dietrich Miethling, der das betreffende Seminar anbietet, will für Felske dennoch keine Ausnahme machen. Und formal gibt ihm der Betroffene auch Recht. Der Masterstudiengang sei auf vier Semester angelegt, die Sportpädagogik stehe eben zum Abschluss auf dem Programm. Dennoch sagt Felske, der bereits einen Arbeitsplatz in einer Schule seiner Heimatstadt Rostock hätte: „Man führt sich der Willkür des Professors ausgesetzt.“

 Miethling betrachtet es freilich eher als Fürsorge. Das Unbehagen seines Studenten hält er für „individuell nachvollziehbar“, andererseits betont er, dass der Masterstudiengang nicht zufällig so aussieht, wie er aussieht. Das letzte Semester solle der Idee nach überwiegend der „sehr anspruchsvollen“ Masterarbeit und als einzigem Pflichtstoff der Sportpädagogik vorbehalten sein. Davon abzurücken, das wäre nach Miethlings Überzeugung „nicht im Sinne des Erfinders“. Auch werde der Stundenplan durch ein solches Studium „extrem eng“, und es drohe mithin die fachliche Tiefe auf der Strecke bleiben. Allein ums Motto „Hauptsache durchkommen“ kann es aus Miethlings Sicht jedenfalls nicht gehen.

 Hinzu kommt nach Angaben des Hochschullehrers das Problem, dass ungefähr 20 weitere Studierende ebenso wie Moritz Felske nach dem Drei-Semester-Master streben. Würde er in diesem Fall eine Ausnahme machen, wäre das den anderen Betroffenen gegenüber nicht zu begründen, argumentiert Miethling. Zudem sei sein Seminar mit 30 Plätzen schon jetzt „grenzwertig voll“, ein weiteres Seminar sei mangels personeller Kapazitäten ebenfalls nicht drin. Grundsätzlich beschleicht Wolf-Dietrich Miethling angesichts des Tempodrangs vieler Studenten das Gefühl, dass bei der Einführung von Bachelor und Master „die Mentalität nicht beachtet worden ist, die da entsteht“. Vielfach werde das Ziel eines zügigen Studiums offenbar so verinnerlicht, dass es nahezu als Selbstzweck erscheint, fürchtet Miethling.

 Für Moritz Felske ist unterdessen der Fall gelaufen. In der Studienberatung und beim Allgemeinen Studierendenausschuss erntete er viel Verständnis, man konnte ihm jedoch nicht helfen. Und der Studienausschuss, den er um eine Ausnahmegenehmigung bat, stellte sich auf die Seite des Professors.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige