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Medizin wirft viele ethische Fragen auf

Kieler Uni Medizin wirft viele ethische Fragen auf

Ist es gerecht, wenn ein todkranker Krebspatient ein Medikament erhält, das 100000 Euro kostet und sein Leben fünf oder sechs Wochen verlängern kann? Und was bedeutet eigentlich Solidarität im Gesundheitswesen? Zu diesen Fragen forscht Prof. Alena Buyx. Mit ihr gibt die Kieler Uni der Medizinethik mehr Gewicht.

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Von London an die Förde: Alena Buyx hat die neu geschaffene Professur für Medizinethik an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität übernommen.

Quelle: fpr: Frank Peter

Kiel. Ihr Büro auf dem Gelände des Universitätsklinikums (UKSH) in Kiel ist noch ein Provisorium. Schließlich ist die Professur für Medizinethik an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität gerade erst neu eingerichtet worden und Alena Buyx frisch nach Norddeutschland gekommen. Neu in ihrem Fach ist die Mutter zweier kleiner Söhne allerdings nicht.

 Alena Buyx studierte Medizin, Philosophie, Soziologie und Gesundheitswissenschaften in Münster, London und York. Nach Approbation, Promotion und Magisterabschluss in Philosophie (alles im Jahr 2005), arbeitete sie zunächst am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin in Münster. Nach einem Forschungsjahr im „Harvard Program in Ethics and Health“ in Boston wechselte sie nach England, forschte am University College in London, war von 2009 bis 2012 stellvertretende Direktorin des englischen Ethikrates (Nuffield Council on Bioethics).

 Anschließend pendelte sie zwischen Münster und London, leitete in Deutschland die Emmy-Noether-Gruppe „Bioethik und Politische Philosophie“ an der Universität Münster. Was sie an dem Wechsel nach Kiel gereizt hat? Natürlich ist es die Möglichkeit, in einem neuen Arbeitsumfeld selbst Maßstäbe setzen und Neuland betreten zu können.

 Neben der guten Angliederung an die klinische Medizin und Forschung sei auch die enge Verbindung zwischen Medizin auf der einen Seite und den anderen Fakultäten der CAU, wo beispielsweise mit Prof. Konrad Ott ein renommierter Umweltethiker lehrt. Medizinethik habe viele Facetten, die immer auch eine Brücke zu Philosophie, zu Theologie oder auch zur Betriebswirtschaft schlagen – die Offenheit für interdisziplinäre Arbeit sei eine der Stärken der Kieler Uni.

 Medizinethik hat nicht nur etwas mit medizinischer Praxis und Forschung zu tun, sondern auch mit Gesellschaft und Politik. In der Gesundheitsversorgung ist immer mehr machbar, aber ist auch alles bezahlbar? Und ethisch vertretbar? Buyx arbeitet zu Gerechtigkeitsfragen. Sie stellt die Frage nach der Solidarität angesichts knapper Ressourcen – beispielsweise bei Spenderorganen. Sie hinterfragt Prioritäten in der Patientenversorgung. So sei die abnehmende Wirkung von Antibiotika aufgrund von Resistenzen eine echte Bedrohung. Es stelle sich die Frage, ob sie nur noch eingeschränkt verschrieben werden sollen. Buyx untersucht auch ethische Aspekte von gesundheitlichen Ungleichheiten zwischen Bevölkerungsschichten, denn schon jetzt belegen Studien, dass arme Menschen früher sterben. Ebenso arbeitet sie zu ethischen Fragen in Folge des biomedizinischen Fortschritts, etwa beim Umgang mit Stammzellen, oder mit Material von Biobanken, die Daten und Befunde speichern.

 Einfache Rezepte, einfache Antworten kann es dabei nicht geben. Doch genauso wenig gehe es darum, nur ethisches Wissen und Theorie zu erarbeiten. Alena Buyx will genauso das Gespräch mit Verbänden, Politikern, die Brücke in die Praxis suchen. Und die sei vor allem auch in Europa gefragt. So ist bei den Nachbarn etwa in Kinderwunschfragen manches machbar, was hier in Deutschland als Tabu gilt – auch das eine Frage der Ethik.

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