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Algen dämmen Treibhauseffekt ein

Neue Erkenntnisse Algen dämmen Treibhauseffekt ein

Als sie losfuhren, hatten die internationalen Meeresforscher eigentlich ein anderes Ziel. Sie wollten nachweisen, dass sich die Erderwärmung an natürlichen Methanquellen vor Spitzbergen erkennen lässt. Doch dann haben sie etwas anderes entdeckt.

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Jens Greinert hat mit einer Forschergruppe vor Spitzbergen (Grafik) die Auswirkungen des Klimawandels untersucht.

Quelle: Frank Peter

Kiel/Spitzbergen. Das erzählt Prof. Jens Greinert, Mitarbeiter am Forschungsbereich Marine Biogeochemie des Kieler Helmholtz-Zentrums für Meeresforschung Geomar. „Wir haben hier im Meer stattdessen eine negative Wirkung auf den Treibhauseffekt feststellen können“, sagt Greinert.

Vor Spitzbergen steigt Methan in unzähligen Bläschen aus dem Meeresboden an die Wasseroberfläche. „Es blubbert da wie in einem Jacuzzi“, erzählt Greinert. Das sei aber erst mal nichts Ungewöhnliches. „An vielen Stellen des Meeres und in vielen Seen blubbert es.“ Der Grund dafür ist, dass organisches Material ohne Sauerstoff zersetzt wird. In Seen ist das etwa Laub oder andere abgestorbene Pflanzen.

 Vor Spitzbergen wird angenommen, dass Methan auch als Gashydrat vorkommt. Das heißt,dass das Methanmolekül in einem Käfig aus Wassermolekülen eingeschlossen ist. Die Forscher um Greinert wollten in ihrer Forschungsfahrt nun prüfen, ob die Folgen der Erderwärmung an den Methanquellen vor Spitzbergen abzulesen sind, etwa dadurch, dass sich das Gashydrat durch die steigende Wassertemperaturen auflöst und die Methanquellen nun stärker sprudeln. Denn Druck und Temperatur sind entscheidend für die Stabilität von Gashydraten. „Die Sorge vieler Forscher war, dass die erhöhte Freisetzung von Methan durch die Quellen im Meer den Klimawandel weiter beschleunigen könnte“, erklärt Greinert. Gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Norwegen haben die Geomar-Forscher deshalb die Methankonzentration in der Wasseroberfläche gemessen. „Ganz vereinfacht ausgedrückt, sind wir mit einem Boot über die Methanquellen gefahren und haben Wasser an Bord gepumpt und dies kontinuierlich analysiert“, sagt der Geomar-Forscher.

Niedrigere Kohlendioxidwerte

 Drei Tage hat das Ganze gedauert. Doch zusätzlich zur erhöhten Methankonzentration haben die Meeresforscher auch festgestellt, dass die Kohlendioxidwerte an der Wasseroberfläche niedriger waren als erwartet. „Zwischen Wasser und Luft gibt es eigentlich ein Gasgleichgewicht“, sagt Greinert. Das heißt, die CO2-Werte hätten im Wasser einer von Temperatur und Salzgehalt abhängenden Konzentration entsprechend genauso hoch sein müssen wie in der Luft. Stattdessen war deutlich weniger Kohlendioxid im Wasser. „Wir wussten also: Irgendjemand verbraucht CO2. Wir wussten nur nicht wer“, sagt Greinert.

 Algen – sogenanntes Phytoplankton – sind dafür verantwortlich, dass sich der Kohlendioxidgehalt an der Wasseroberfläche reduziert. Die Algen betreiben Photosynthese und verbrauchen dabei CO2. Das Algenwachstum wird durch aufsteigendes kaltes und nährstoffreiches Bodenwasser begünstigt. Mit diesem aufsteigenden Bodenwasser wird auch Methan an die Meeresoberfläche transportiert. Durch die hohe CO2-Aufnahme des Phytoplanktons kam es so zu einem negativen Klimagas-Effekt.

 „Generell das Algenwachstum im Meer voranzutreiben, wäre also eine Möglichkeit, um den Treibhauseffekt einzudämmen“, erläutert Greinert. Das sei ein Weg, der in Fachkreisen schon seit längerem rege diskutiert werde. „Man könnte das Meer quasi düngen, damit die Algen besser wachsen.“ Aber so weit sei man noch nicht. „Die Natur ist in jedem Fall ziemlich komplex. Man muss deshalb mit einer gesunden Offenheit an solche Forschungen herangehen“, stellt Greinert fest. Für ihn und sein Team sei es wichtig gewesen, dass sie sich nicht nur auf das Methan konzentriert haben, sondern auch die anderen Klimagase gemessen haben. „So kann am Ende etwas anderes herauskommen, als man am Anfang dachte.“

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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