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Sanfter Kampf gegen Schnecken

Forscher der Uni Kiel suchen Hobbygärtner Sanfter Kampf gegen Schnecken

Niemand mag sie, dabei sind sie überall: Schnecken. Um sie loszuwerden, verwenden viele Hobbygärtner Streugifte, wenn auch oft mit schlechtem Gewissen. Hoffnung auf eine ökologische Alternative zu Schneckenkorn macht eine prämierte Idee einer Kieler Biologin und eines Materialforschers. Für den Einsatz ihres Antihaft-Anstrichs suchen beide bis zu 500 Tester.

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Biologin Nadine Sydow und Materialforscher Sandro Böhm haben einen ungiftigen Schneckenschutzanstrich entwickelt. Am 1. Mai startet ihre Studie, die ihnen Erkenntnisse liefern soll, damit sie ihr Produkt auf den Markt bringen können.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Die Saison für die schleimigen Kriecher, allen voran die braune Nacktschnecke, hat bereits begonnen: Besonders groß ist ihr Appetit auf heimische Gemüsesorten, vor allem, wenn die weiche Blätter haben. Erst ihr Forschungsgebiet innerhalb der Arbeitsgruppe für Funktionelle Morphologie und Biomechanik an der Kieler Uni hat die Biologin Nadine Sydow zur Hobbygärtnerin und damit zur Schneckenschützerin gemacht: Vorher habe sie die Beetpflege immer gern ihrer Mutter überlassen. Doch nicht nur die, sondern auch etliche Bekannte stöhnten 2012 über die Weichtiere, die sich in Massen über liebevoll gehegtes Grün hermachten. Gemeinsam mit dem Materialwissenschaftler Sandro Böhm (30) entwickelte die Biologin ein Material, das Flächen so versiegelt, dass Schnecken dort keinen Halt finden. So werden Pflanzen in Beeten oder Gefäßen geschützt, ohne Bierfallen oder Giftstoffe wie Schneckenkorn einzusetzen, die zum Tod der Tiere führen. Für „Schnexagon“, so der Name des Projekts, erhoffen sich die von der Uni unterstützten Start-up-Unternehmer nicht nur die Anerkennung im laufenden Patentierungsverfahren, sondern auch als Pflanzenschutzmittel mit besonders geringem Risiko bei der Bundesanstalt des Verbraucherschutzes und Lebensmittelsicherheit. Der Anstrich auf Kalkbasis, versichert Sydow, enthält keine Giftstoffe, ist kostengünstig in der Herstellung und langlebig, sodass die behandelten Flächen monatelang vor der Schneckenplage schützen.

„Der 2013 entwickelte Prototyp funktioniert heute noch“, erzählt die 28-Jährige stolz. Mit ihm gewannen sie den ersten mit 5000 Euro dotierten Platz im Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein 2014. Selbst besonders hartnäckige Arten rutschen auf bestrichenen Flächen ab, wenn eine wichtige Voraussetzung erfüllt ist: Die Abgrenzungen müssen mindestens etwa zehn Zentimeter hoch sein. Im Alten Botanischen Garten haben Sydow und Böhm ihre dreimonatige Marktforschungsstudie mit 500 Testsets vorbereitet, um ihren Traum zu erfüllen: ein Forschungsprodukt anbieten zu können, das konkret vielen Menschen bei einem Problem auf ökologische Weise hilft. „Wir wollen den Schritt in die Realität, auch wenn es schon wegen der Finanzierung hart ist“, so Sydow. In einem Glaskasten demonstriert sie die Wirkweise: Eine Schnecke heftet sie an den Rand eines mit dem Mittel bestrichenen Erdbeer-Pflanztopfes. Das Tier hält sich zwar länger als gedacht, kommt aber keinen Millimeter weiter und plumpst herunter. Warum nannten sie ihre Erfindung eigentlich „Schnexagon?“. Die junge Forscherin verweist auf die sechseckige, wabenförmige Struktur des Werkstatt-Gebäudes, vor dessen Tür sie Versuchsbeete angelegt haben: Aus Schnecken im Hexagon wurde „Schnexagon“. Dass sie keinen spinnerten Ideen nachhängen, belegen schon die Anrufe und Angebote interessierter Pflanzengift-Hersteller. Um aber genau zu wissen, wie ihr Antihaftmittel funktioniert, setzen sie auf Fragebögen und Erfahrungsberichte der Tester.

Hobbygärtner gesucht: Bewerbungen für ein kostenloses „Schnexagon“-Testerset bis zum 31. April online unter www.solvoluta.de/tga oder Solvoluta-Projekt: Testgärtner, Am Botanischen Garten 9, 24118 Kiel. Wer das Projekt betriebswirtschaftlich unterstützen will, melde sich bitte bei s.boehm@solvoluta.de

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH