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Uni Kiel Vom Leben mit der inneren Uhr
Uni Kiel Vom Leben mit der inneren Uhr
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07:00 18.11.2015
Von Martina Drexler
Jugendliche sind oft ausgeprägte Spättypen. Erst ab dem 20. Lebensjahr schaffen sie es, wieder früher aus den Federn zu kommen. Das belegen internationale Studien. Quelle: Andrey Popov
Kiel

Dafür aber blühen sie am späten Abend auf, wenn die Frühaufsteher schon längst wieder im Bett liegen. Wie wirkt sich die innere Uhr aufs Studieren aus? Laut einem Bericht des Wissenschaftsministerium spielt sie – im Gegensatz zur Schulzeit – nur eine geringe Rolle.

 „Lerche“ oder „Eule“? Die Schlaftypen sind von der Verteilung her weltweit identisch. Vor dem Hintergrund wollte die Piraten-Fraktion wissen, welche Auswirkungen dies auf Schule, Studium und Arbeit hat und forderte einen Bericht der Landesregierung über wissenschaftliche und praxisbezogene Erkenntnisse dazu an. In der Antwort zog das Wissenschaftsministerium die Metaanalyse der italienischen Universität Bologona und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg vom Juli 2015 zu Rate: Nach 31 internationalen Studien gibt es einen Zusammenhang zwischen akademischer Leistung und dem Chronotyp: Auf allen Kontinenten erbrachten die Abendtypen unter den Schülern schlechtere Leistungen als die Morgenmenschen. Für „Eulen“ ist die Welt um sieben Uhr morgens eben noch nicht in Ordnung. Ein Trost mag sein, dass sie als kreativer gelten.

 Die Bedeutung, ob man zum Morgen- oder Abendtyp zählt, fällt bei Zwölf- bis 20-Jährigen stark ins Gewicht. Während der Pubertät schlafen die meisten Jugendlichen infolge biologischer Veränderungen später ein, leiden unter Schlafmangel und brauchen auch viel länger, um morgens aufzuwachen. Als Konsequenz forderte das internationale Forscherteam, am besten erst um neun Uhr mit dem Unterrichten zu beginnen, um die Abendtypen nicht weiter zu benachteiligen. Denn sich von der „Eule“ komplett in eine „Lerche“ verwandeln zu wollen, ist genetisch nicht möglich. Allerdings ändert sich im Laufe des Lebens der Biorhythmus. Nach der Pubertät gelingt das frühere Aufstehen wieder reibungsloser.

 Auch wenn man die Forschungserkenntnisse berücksichtigt, geht aus dem Bericht eindeutig hervor, dass sich politisch ein späterer Schulbeginn, wie in anderen EU-Ländern bereits praktiziert, in Deutschland mit Blick auf die Eltern wohl derzeit nicht durchsetzen kann: Die Gesellschaft müsse die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit ihrem hohen Stellenwert anerkennen, heißt es. Und: Etliche Schüler bräuchten „elterliche Hilfe bei der Organisation“ des Schulalltags: Bedeutet, ohne Druck der bereits arbeitenden Eltern schaffen es Jugendliche nicht, pünktlich aufzustehen.

 Im Studium klappt es – zumindest für die über 20-Jährigen – mit einem Leben nach der inneren Uhr dagegen offenbar besser. Den Grund vermuten die Forscher darin, dass die Nachwuchs-Akademiker freier wählen können, wann sie Vorlesungen und Seminare besuchen. Dafür aber zeigen Studien, wie sich ihre Gesundheit im Vergleich zu Altersgenossen verschlechtert: Leistungsdruck, Konkurrenz und Finanzprobleme – der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse enthüllte, dass sich 44 Prozent der Studierenden durch Stress erschöpft fühlen. Hinweise darauf, ob „Lerchen“ oder „Eulen“ besondere Probleme beim Studieren haben, gibt es bisher zwar nicht. Aber „Eulen“ könnten auch an den Hochschulen eher ins Hintertreffen, geraten, da viele Termine für Pflichtveranstaltungen morgens liegen.

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