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Szenen einer Groß-Gemeinschaft

Serie Studentisches Wohnen Szenen einer Groß-Gemeinschaft

Das Abitur geschafft, der Studienplatz nach langer Qual der Wahl gefunden. Schon stehen viele junge Menschen vor dem nächsten Problem: Allein wohnen, bei den Eltern bleiben oder in eine WG übersiedeln? Welche Wohnmöglichkeiten Studierende in Kiel haben, beleuchtet die Serie „Studentisches Wohnen“. Heute: Wohnen in einer Groß-WG.

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Auch in einer großen WG ist die kleine Küche Treffpunkt, Wohnzimmer und Bar: Ihr Zusammenleben genießen beim Frühstück (v. li.): Jonas Hansen, David Schenk, Fabian Schrader und Levke Mahrt, die zu Besuch ist.

Quelle: pae

Kiel. Ein wenig gequetscht sitzen sie schon da, auf ihren zusammengewürfelten Stühlen. „Hausgemeinschaft“ prangt auf einem Kunstplakat über dem Tisch. Dass in dieser bunten Küche sonst gar sechs Leute zum Frühstück zusammenkommen, ist kaum vorstellbar. Das passiert auch eher selten, versichern Jonas Hansen, David Schenk und Fabian Schrader – drei von sechs Bewohnern dieser Groß-WG in der Wörthstraße. Wie lang die schon existiert, vermag niemand zu sagen. Wie auch? Bei einer so großen Besetzung herrscht nicht nur im Alltag ein Kommen und Gehen. Fabian hat den jüngsten Zuzug im Oktober 2014 miterlebt und organisiert. „25 Leute waren wohl so hier“, erinnert sich der 23-jährige FH-Student der Multimediaproduktion, „wir haben aber einfach die genommen, die wir cool fanden.“ Das Resultat: Zwei Mädchen und vier Jungs teilen sich die 146 Quadratmeter, die ursprünglich gar keinen engen Kontakt ermöglichten. Eigentlich waren die nämlich verteilt auf zwei Drei-Zimmer-Wohnungen, bis sich der Besitzer einst entschied, die Trennwand durchbrechen zu lassen. Das freut die WG, ist einmalig im gesamten Haus und zieht Skurriles nach sich: Klingelt es beispielsweise in einer der ehemaligen Wohnungen, kann auch nur dort der Türöffner betätigt werden. Das führe zu einem regelrechten „Buzzer“-Rennen.

 Aber nicht nur die Begegnung im Flur ist gewollt: „Ich habe es alleine nie lange ausgehalten“, berichtet Jonas (24), der aus dem dänischen Apenrade kommt und Quality Finance an der CAU büffelt. Er genießt alle Vorzüge der vielgestaltigen Studenten-Gemeinschaft. „Hier machen alle alles“, erklärt der 25-jährige Jura-Student David. „Wenn es um den Mietvertrag geht, komme ich mit, werfe eben den Begriff ,Bundesgerichtshof’ in die Runde und schon ist die Bürgschaft vom Tisch“, sagt er und Fabian lacht. Als Multimediaproduzent kann der sich gut mit Karo austauschen, die Kommunikationsdesign an der Muthesius Kunsthochschule studiert.

 Doch nicht nur für das Pauken bietet die große WG Erleichterung; trotz mehrmaligen Nachfragens bestätigt niemand, sich je bedrängt oder aber verloren gefühlt zu haben. Ein wenig Organisation ist allerdings nötig: „Wir sind zwar keine Putz-WG, aber haben ein Putzrad“, erläutert David, wie der unangenehme Teil des Alltags geregelt wird. Beim Rundgang zeigt er, dass freie Zimmer selbstverständlich zum Wäschetrocknen genutzt werden, „außerdem haben beide Wohnungen Küche und Bad. Und die werden auch genutzt. Sonst würde hier morgens Krieg herrschen.“

 Paradiesisch ist dagegen der Mietpreis: 1255 Euro warm bedeuten rund 209 Euro pro Nase. „Ich zahle hier weniger als vorher im Studentenwohnheim“, führt David aus, „und das war wie eine Gefängniszelle.“ Hier dagegen genießen sie ihre Freiheiten miteinander. Eine gigantische Party feiern sie jedes Jahr gemeinsam, sich gegenseitig stören sie kaum – schließlich ist es ein Leichtes, für abendliche Treffen in ein weit entferntes Zimmer auszuweichen. Am nächsten Morgen treffen sie sich in der Küche.

 Nur vor einem graut es allen: „Irgendwann die WG aufzulösen, wird eine Mordsarbeit“, ahnt David angesichts ungeklärter Einrichtungsgegenstände. Der Besitzer hat schon lange ein Herz für Wohngemeinschaften. Deutlich wird das an einer „Ahnengalerie“ mit WG-Szenen an der Küchenwand, auf denen viele Mitglieder heute nicht mehr bekannt sind. Das Bild der aktuellen WG hängt unten links.

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