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Papa unterschrieb den Mietvertrag

Serie: Studentisches Wohnen Papa unterschrieb den Mietvertrag

Das Abitur geschafft, der Studienplatz nach langer Qual der Wahl gefunden. Schon stehen viele junge Menschen vor dem nächsten Problem: Allein wohnen, bei den Eltern bleiben oder in eine WG übersiedeln? Welche Wohnmöglichkeiten Studierende in Kiel haben, beleuchtet die Serie „Studentisches Wohnen“. Heute: Minderjährige als Mieter.

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Er war auf die Zustimmung der Eltern angewiesen: Tim Föhl zog als 17-Jähriger in die Wohnung in Gaarden ein.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Kaum ein Jugendlicher, der von seinen Eltern nicht einmal sinngemäß gehört hat: Wenn du volljährig bist, kannst du machen, was du willst. Ausziehen, in eine andere Stadt umziehen, dich abnabeln. Manchmal stehen junge Leute aber auch schon früher an diesem Punkt. Für Tim Föhl war das so. Als der gebürtige Bremerhavener zum Studium nach Kiel kam, war er noch keine 18. Das stellte ihn und seine Familie vor einige Herausforderungen.

Dabei war es keineswegs überraschend, dass Föhl so früh mit der Schule fertig sein würde: „Eingeschult wurde ich mit fünf, von daher war klar, dass ich mit 17 Abi mache“, sagt der Student. „Zuerst habe ich überlegt, ob ich direkt studieren will oder ob ich nicht vielleicht ein freiwilliges Jahr im Ausland mache.“ Schließlich entschied er sich für das Studium, bekam seine Zusage aber erst im Nachrückverfahren. Und das war es auch, was seinen Umzug an die Förde vor gut zwei Jahren so kurzfristig – und damit ziemlich aufregend – gemacht hat.

Gerade einmal drei Wochen blieben ihm für die Wohnungssuche bis zum Semesterstart an der Fachhochschule Kiel, wo er Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation studiert. Fündig wurde Föhl schließlich im Internet auf Ebay-Kleinanzeigen – was den meisten als eine eher ungewöhnliche Art der Wohnungssuche erscheinen dürfte, wie er selbst zugibt. Bis vor kurzem teilte er sich die 42 Quadratmeter große Wohnung im Stadtteil Gaarden mit seiner damaligen Freundin. Die Miete ist mit 300 Euro kalt recht günstig. Als der entsprechende Mietvertrag unterschrieben werden sollte, war der damals 17-Jährige noch nicht geschäftsfähig – sein Vater nahm sich kurzfristig Urlaub und unterzeichnete das Dokument als Erziehungsberechtigter. Auch die Verträge mit den Stadtwerken und der Telefongesellschaft tragen die Signatur des Vaters.

„Interessant waren immer die Vorstellungsrunden im ersten Semester“, erinnert sich der inzwischen 19-Jährige. „Die anderen waren 23 oder sogar schon 30 und haben natürlich schon viel mehr erlebt.“ Ungewohnt oder gar unangenehm war die Situation für Föhl trotzdem nicht. Denn die Küken-Rolle ist ihm überhaupt nicht neu: „In der Schule war ich immer der Jüngste, ich kenne das.“ Er hat zwei ältere Geschwister, auch zu Hause war er also das Nesthäkchen.

Dennoch war das Ausziehen aus dem Elternhaus kein Problem. „Auch meine Mutter hat mir immer gesagt: ,Mach dein Ding’!“ Das hat Föhl auch für die Zeit nach dem Studium vor. Konkrete Pläne hat er zwar noch nicht – wohl aber einen Traum: „Ich möchte gerne für eine gewisse Zeit in Kanada leben“, sagt er. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht. Föhls Mutter ist Kanadierin. „Ich bemühe mich gerade darum, die kanadische Staatsangehörigkeit anzunehmen.“

Minderjährige an Kieler Hochschulen

Aktuell sind zwei Studierende der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) noch nicht volljährig. Jeweils zu Beginn des Wintersemesters steigt die Zahl auf um die 15. Die meisten werden im Laufe ihres ersten Studienjahrs noch 18. Damit sich minderjährige Bewerber überhaupt an einer deutschen Hochschulen einschreiben können, brauchen sie eine sogenannte Generaleinwilligung ihrer Eltern. Das Prozedere ist eingespielt, da die Zahl der U18-Studienbewerber bereits vor einigen Jahren auf das heutige Niveau angestiegen ist, vor allem wegen des G8-Abiturs. An der FH in Kiel war Tim Föhl bisher der einzige Studierende, der sich als Minderjähriger eingeschrieben hat.

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