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Kulturticket für alle Studenten?

Uni Kiel Kulturticket für alle Studenten?

In anderen Hochschulstädten wie Göttingen und Kassel gibt es bereits Kultur satt zum Nulltarif. Jetzt will auch Kiel prüfen, ob sich ein Kulturticket für die etwa 32000 Studierenden umsetzen lässt. Es soll mehr Nachwuchs-Akademiker als bisher in acht städtische Einrichtungen wie Museen locken.

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Sophia Schiebe (Asta), Ratsherr Benjamin Raschke und Asta-Referentin Anna-Sophie Flügge-Munstermann (rechts) machen einen Vorstoß, um in Kiel ein Kulturticket an den Hochschulen einzuführen.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Den Kultur-Bonus sollen die Studierenden allerdings selbst finanzieren – indem sie künftig einen höheren Semesterbeitrag zahlen.

SPD, Grüne und SSW haben für die heutige Ratsversammlung einen entsprechenden Prüfantrag an die Verwaltung auf die Tagesordnung gesetzt. Sie soll die möglichen finanziellen Folgen eines solchen Modells skizzieren. „Die Einrichtungen dürfen natürlich nicht unter der Einführung eines Kulturtickets leiden“, sagt Benjamin Raschke, Student und SPD-Fraktionsvize. Mit Blick auf die positiven Erfahrungen in anderen Hochschulstädten sieht er auch ein identitätsstiftendes Element in einem solchen Ticket. Nach wie vor seien viele Studierende nicht so eng mit der Stadt verbunden, sagt er und hofft darauf, dass der günstige Kulturgenuss zumindest ein kleiner Baustein sein könne, um die Studierenden besser zu integrieren: „Kiel würde als Hochschulstadt erlebbarer werden.“

 Angesichts vieler offener Fragen räumen Sophia Schiebe, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Kieler Universität, und die Asta-Kulturreferentin Anna-Sophie Flügge-Munstermann ein, mit der „charmanten Idee“ ganz am Anfang zu stehen. „Wir haben das Gefühl, dass Studierende das gute kulturelle Angebot der Stadt nicht so wahrnehmen. Ein Kulturticket könnte vieles bündeln und die Hürden senken, Einrichtungen zu besuchen“, begründet Schiebe den Vorstoß. Wie bei Verhandlungen mit Verkehrsbetrieben für das Semesterticket müssten die Studierendenvertreter mit der Stadt beziehungsweise den Kulturverantwortlichen eine vertragliche Regelung über den Umfang des Angebots festzurren.

 An der Kieler Universität liegt der von jedem eingeschriebenen Hochschüler zu leistende Semesterbeitrag schon heute bei 118,50 Euro. 53 Euro davon bekommt das Studentenwerk für Beratung, Betreuung und Mensen, zehn Euro gehen an den Asta. 55,50 Euro kostet das Semesterticket, das die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Kiel und im Umland umfasst. Wie stark das künftige Kulturticket zu Buche schlagen wird, hängt von dem verhandelten Angebot ab. Doch Schiebe versichert, dass die Erhöhung deutlich unter zehn Euro pro Semester liegen müsste, um die Chance auf Akzeptanz zu haben.

 Es ist ein Versuchsballon, den der Asta der Kieler Universität zusammen mit der Fachhochschule und Muthesius Hochschule starten will – in der festen Überzeugung, dass sich ein solcher Test lohnen könnte, auch wenn Proteste unter dem Motto „Kultur auf Kosten der Studierenden“ programmiert sind. Schon heute lädt die Kunsthalle Studierende kostenlos zu sich ein, etliche Institutionen geben Studierenden deutliche Preisnachlässe. Anders dagegen Theater und Oper: Dort gibt es zwar auch Ermäßigungen, aber trotzdem sind die Preise vielen Studierenden noch zu hoch. Ob Museen, Stadtbücherei, Musikschule, Stadtarchiv, Sammlungen oder Stadtgalerie – für die Einrichtungen wäre es eine zusätzliche Werbung, glaubt auch Kulturdezernent Wolfgang Röttgers: „Wir werden überprüfen, ob ein solches Modell für Kiel machbar und sinnvoll ist.“

 Nach Vorstellung der Ratsmehrheit könnte die Ratsversammlung nach Ende der Verhandlungen im Januar 2016 grünes Licht für ein solches Kulturticket geben. Danach plant der Asta eine Urabstimmung: „Wir brauchen ein konkretes Angebot. Dann sollen die Studierenden signalisieren, ob sie das wollen oder nicht“, so Schiebe.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Noch höhere Pflichtbeiträge zahlen im Semester? Keine Frage, die Idee, ein Kulturticket für Studierende einzuführen, wird auch in Kiel spalten. Dazu genügt schon ein Blick auf ähnliche Erfahrungen in anderen Hochschulstädten. Nach anfänglichen Protesten kam das Modell jedoch meist gut an.

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