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Uni Kiel In Verantwortung für Luthers Erbe
Uni Kiel In Verantwortung für Luthers Erbe
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21:29 12.07.2016
Von Thomas Paterjey
Der Spruch auf dem Siegel der Theologischen Fakultät hat für Kirchenhistoriker Johannes Schilling besondere Bedeutung. Quelle: Sven Janssen

Mit seinen 95 Thesen hat Martin Luther im Oktober 1517 nicht bloß ein neues Kapitel in der Geschichte aufgeschlagen. Es sind vielmehr Regalmeter an Literatur, die die Reformation der Wissenschaft bis auf den heutigen Tag beschert hat. Mit Johannes Schilling, Professor für Kirchengeschichte an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel, geht am Ende dieses Sommersemesters zwar einer der vornehmsten Kenner Luthers und der Entwicklung der evangelischen Kirchen in den Ruhestand. In die bevorstehenden Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum ist der 65-Jährige dennoch eingebunden wie kein zweiter Wissenschaftler.

 1993 wurde Schilling an die Kieler Uni berufen. „Als ich hier ankam, war ich der Jüngste in der Fakultät“, erinnert er sich, „irgendwann wurde ich der Älteste.“ Früh stieg er im wissenschaftlichen Betrieb auf: Schon im zweiten Jahr wurde er Dekan der Theologischen Fakultät. 1999 wählte ihn die CAU zu ihrem Prorektor – ein Amt, das er drei Jahre lang ausübte. Enge Kontakte zwischen der Universität und der Stadt zu pflegen, sei damals eines der wichtigsten Ziele gewesen, sagt Schilling im Rückblick.

 Ein anderes Herzensanliegen war ihm stets die Schriftenreihe „Christiana Albertina“. Zehn Jahre lang lag die Redaktion maßgeblich in seinen Händen. „Die ,Christiana Albertina’ soll die Uni in ihrer Vielfalt repräsentieren.“ Außerdem sei sie auch das Gedächtnis der Hochschule, etwa indem sie Personalien verzeichne. In der nächsten Ausgabe der Publikation dürfte Schilling in dieser Rubrik selbst gewürdigt werden. Außerdem hielten akademische Wegbegleiter zu seinen Ehren bereits im Juni ein zweitägiges Kolloquium ab. Ein Buch mit den Vorträgen soll noch erscheinen.

 Schillings eigenes Abschiedsgeschenk an die CAU wird ein Katalog zur großen Luther-Ausstellung sein, die die Unibibliothek für den Herbst 2017 plant. Dann sollen Erstausgaben und Frühdrucke aus der Reformationszeit gezeigt werden, die bis jetzt unbeachtet in den Magazinen der Bibliothek schlummerten. Darüber hinaus ist Schilling in die Reihe „Nationale Sonderausstellungen“ anlässlich der 500-Jahr-Feier eingebunden, die auf der Wartburg bei Eisenach, im Deutschen Historischen Museum in Berlin sowie in den Luther-Gedenkstätten in Wittenberg geplant sind. In der Lutherstadt wird der Kieler Emeritus im kommenden Jahr auch einen internationalen Forscherkongress leiten. Bis 2018 ist er als Präsident der Luther-Gesellschaft gewählt. Überdies ist Schilling Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für das Reformationsjubiläum. Kurzum, mehr Verantwortung für das Erbe des großen Reformators geht kaum. Schilling darf getrost als Luthers gegenwärtiger Nachlassverwalter gelten.

 „Ich will nur noch Dinge machen, die ich machen will – und die niemand anders machen will“, fasst er seine Zielvorgabe für den Ruhestand zusammen. Befreit vom Lehrbetrieb soll es ein wenig musischer zugehen, als es ihm der bisherige Berufsalltag erlaubt hat. Schilling möchte wieder mehr Cello spielen. Die Musikalität liegt durchaus in der Familie: Mit seiner Frau Ulrike, die Seelsorgerin am Städtischen Krankenhaus in Kiel ist, hat er vier Söhne. Die beiden ältesten sind aus dem Haus – und Musiker.

 Um Musik geht es übrigens auch bei einem seiner aktuellen Forschungsprojekte – und freilich um Luther: Zusammen mit seinem Münsteraner Kollegen Jürgen Heidrich will Schilling die geistlichen Lieder Martin Luthers in Faksimiledrucken mit ihrer jeweiligen Überlieferungsgeschichte als Buch herausgeben. „Luthers Lieder sind Weltliteratur“, heißt es dazu auf der Internetseite der Fakultät.

Bibelwort zum Abschied

In seiner Abschiedsvorlesung beschäftigte sich Prof. Johannes Schilling mit einer Stelle im Johannes-Evangelium. In der lateinischen Fassung von Kapitel 5, Vers 39, stehen die Worte „Scrutamini scripturas“. Diese Wendung führt die Theologische Fakultät auf ihrem Siegel aus dem Jahr 1665 als Leitspruch. „Die Worte sind jedoch doppeldeutig“, unterstrich Schilling. Während sie im biblischen Kontext eine Feststellung Jesu’ wiedergeben („Ihr durchforscht die Schrift...“), werden sie auf dem Siegel wie ein Imperativ benutzt („Durchforschet die Schrift!“). Schilling zeigte in seinem Vortrag auf, wie etwa Augustinus und Luther diese Passage ausgelegt haben.

Auch den Gottesdienst zum Semesterschluss wird Schilling noch einmal halten. In diesem Semester ging es in den Predigten um die Seligpreisungen. Schilling wird seine Gedanken über den Halbsatz „...und reden allerlei Übles wider euch“ (Matthäus 5:11) darlegen. Der Gottesdienst beginnt am kommenden Sonntag, 17. Juli (8. Sonntag nach Trinitatis), um 10.30 Uhr in der Universitätskirche am Westring.

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