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Kurs auf mehr Studenten-Wohnheime

Versorgungsquote in Kiel Kurs auf mehr Studenten-Wohnheime

Kurz vor Semesterbeginn ertönt seit Jahren dasselbe Klagelied. Die Neulinge, die sich an den Hochschulen eingeschrieben haben, müssen oft wochenlang verzweifelt nach einer Bleibe suchen. Das soll sich ändern.

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Das Haus in der Feldstraße 16 soll abgerissen und durch ein Studentenwohnheim ersetzt werden.

Quelle: Oliver Stenzel

Kiel. Die Lage wird nicht nur dadurch verschärft, dass der doppelte Abitur-Jahrgang die Studierendenzahlen anschwellen lässt, sondern auch dadurch, dass Schleswig-Holstein mit einer Wohnheimquote von 6,36 Prozent gegenüber dem Bundesdurchschnitt von 9,69 Prozent zu den Schlusslichtern gehört. Das Wissenschaftsministerium legt dem Landtag jetzt einen Bericht über geplante Baumaßnahmen vor, die das Problem mildern sollen. Manches habe sich schon verbessert, sagt dessen Staatssekretär Rolf Fischer (SPD). Doch nach wie vor bestehe Handlungsbedarf.

 In Kiel, wo die Not am größten ist, entstehen zwei neue Wohnheime. So hat die Hermann-Ehlers-Stiftung, wie berichtet, den Zuschlag bekommen, auf dem ehemalige„Professorenparkplatz“ zwischen der Ludewig-Meyn-Straße auf dem Uni-Campus und der Wohnsiedlung Groß Kielstein ein neues Gebäude mit 155 möblierten Wohnungen zu errichten. Dafür erhält sie eine Baukonzession in Form eines Erbbaurechts für das landeseigene Grundstück. Die Stiftung hatte sich in einem europaweiten Verhandlungsverfahren durchgesetzt, das die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) im Auftrag des Landes organisiert hatte. Die Gesamtbaukosten belaufen sich auf etwa elf Millionen Euro. Der Baubeginn für das nach dem Stiftungsgründer Kai-Uwe-von Hassel benannte Haus in Holzbauweise soll noch 2017 sein, die Fertigstellung ist für den Sommer 2018 geplant. Fischer: „Die ‚Bude‘ muss bezahlbar bleiben. Deshalb setzen wir auf eine gemeinsame Strategie von Hochschulen, Studentenwerk und privaten Trägern, die sich um im besten Sinne sozialen Wohnungsbau für Studierende kümmern. Dazu ist der Neubau ein wichtiger weiterer Beitrag.“

 Der Neubau eines weiteren Studentenwohnheims in Kiel setzt den Abriss einen von außen noch schmuck aussehenden Altbaus in der Feldstraße 16 dem Jahr 1912 voraus: Das Gebäudemanagement musste es vor zwei Jahren wegen mangelnden Brandschutzes zwangsräumen. Nun soll hier ein neues Studentenheim mit 46 Ein-Personen-Wohnungen errichtet werden. Der Weg dazu sei frei, berichtet Fischer.

Millionen für Sanierung und Neubau

 Neben Neubauten zählt er das Projekt „Wohnen gegen Hilfe“, Runde Tische an den jeweiligen Studienorten und regelmäßige Gespräche mit dem Studentenwerk, den Hochschulpräsidien und den Städten zu dem Konzept, mit dem das Land „Schritt für Schritt“ gegensteuern will. Seit 2012 hat sich die Zahl der Plätze in öffentlich geförderten Wohnheimen um acht Prozent auf jetzt 3500 landesweit erhöht. Das Land zahlte in diesem Zeitraum fünf Millionen Euro für Sanierung und Neubau.

 Nach Fischers Schätzung wird es aber noch zwei bis vier Jahre dauern, bis Schleswig-Holstein den Anschluss an den Bundesdurchschnitt findet. Das Land nehme dafür gern private Investoren ins Boot, wenn sie nicht zu hohe Mieten verlangten: „Wir sind in der komischen Situation, einerseits die große Nachfrage nach studentischem Wohnraum nicht befriedigen zu können, andererseits aber auch Leerstand in privaten Wohnheimen zu haben“, erklärt Fischer.

 Auch die Christian-Alöbrechts-Universität (26000 Studierende) und das Studentenwerk, das in Kiel neun Wohnheime betreibt, mahnen dringend neuen Wohnraum an. Prof. Anja Pistor-Hatam, Uni-Vizepräsidentin, sagte bei der Vertragsunterzeichnung für den Bau auf dem „Professorenparkplatz“: Solche Projekte seien ein wichtiger Bestandteil der Campusentwicklung. „Hier wachsen Universität und Stadt enger zusammen. Verbunden durch eine Veloroute wird städtisches Wohnen mitten auf den Campus geholt.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kommentar

Man sollte nicht voreilig das Schreckgespenst großer studentischer Wohnungsnot an die Wand malen. Doch eins ist Fakt: Kaum naht der Vorlesungsbeginn im Sommer- und schlimmer noch zum Wintersemester, muss so mancher wochenlang nach einer halbwegs bezahlbaren Bude suchen.

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