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Wegwerfen war gestern

„Werkstatt Konsum“ Wegwerfen war gestern

Stapelweise alte Holzstühle, wackelnde Tische und jede Menge Europaletten: Was auf den ersten Blick wie Sperrmüll aussieht, wird in der von Studenten gegründeten Holzwerkstatt „Werkstatt Konsum“ repariert und aufgewertet. „Upcycling nennt man das“, erklärt Anne-Sophie Neuber.

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Stolz präsentieren Mona Rybicki (hinten) und Anne-Sophie Neuber ihren selbstgebauten Holzanhänger: „Damit holen wir Holzspenden aus ganz Kiel ab“, so Neuber.

Quelle: Thomas Eisenkätzer

Kiel. Konzentriert schraubt Anne-Sophie Neuber an einem Holzgestell mit vier Tischbeinen: „Das soll später einmal eine unserer Werkbänke werden“, erklärt die 25-Jährige stolz. Zusammen mit Mona Rybicki, Thomas Delacroix, Theresa Dorn, Irina Bartmann und Florian Goletz betreibt die Studentin seit Anfang Mai eine kostenlose, offene Holzwerkstatt in den Räumlichkeiten der alten Muthesius-Kunsthochschule. „Wir bieten hier Raum, unter Anleitung alte Möbel zu reparieren, neue zu bauen und seine eigenen Vorstellungen zu verwirklichen“, so Neuber. Die Idee zu diesem Projekt ist während eines Uni-Kurses entstanden: „Wir sollten damals ein Unternehmenskonzept mit einem sozialen und ökologischen Mehrwert entwickeln“, erzählt Neuber. „Obwohl offene Werkstätten ja nichts Neues sind, gibt es in Kiel bislang nur wenige, in denen ausschließlich mit Holz gearbeitet wird.“

 Bevor allerdings geschraubt, gehämmert und gebohrt werden konnte, mussten zunächst ein Raum und Startkapital organisiert werden. „Wir haben uns dazu beim Yooweedoo-Ideenwettbewerb beworben und 1000 Euro Preisgeld gewonnen“, berichtet Neuber, „die Räumlichkeiten am Lorentzendamm wurden uns von der Kunsthochschule kostenlos zur Verfügung gestellt“. Das Problem: Die Nutzungsdauer ist auf Ende Juli beschränkt und kann nur einmal verlängert werden. „Wir suchen daher langfristig eine neue Bleibe und würden uns sehr über Anregungen freuen“, so Neuber.

 Ziel des Werkstatt-Projektes ist es, die Wegwerf-Mentalität einzudämmen: „Mit unserem Werkstattbetrieb und den dazugehörigen Workshops wollen wir die Leute weg von dem Gedanken bringen, einfach Sachen zu kaufen und wieder wegzuschmeißen“, sagt Irina Bartmann, die gerade einen Holzblumenkasten aus alten Balken für ihren Balkon gebaut hat.

 Zudem ist die Werkstatt ein Treffpunkt: „Bei uns sind alle willkommen – egal ob Student, Angestellter oder Rentner“, erläutert Bartmann. Auch wer keine eigene Idee hat oder bisher noch nicht mit Holz gearbeitet hat, kann jederzeit am Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr zur offenen Werkstattstunde vorbeikommen. „Bei uns gibt es immer etwas zu tun“, so die 24-Jährige. „Darüber hinaus sind wir immer auf der Suche nach handwerklich begabten Ruheständlern, die Lust haben, ihr Fachwissen weiterzugeben.“

 Das Holz für ihre Arbeit bekommen die sechs Tüftler ausschließlich gespendet: „Da keiner von uns ein Auto besitzt, haben wir eigens für den Abtransport einen Holzanhänger gebaut“, erklärt Neuber. „Jeder Kieler, der also altes Massivholz oder defekte Holzmöbel hat, kann diese an uns spenden. Auch über altes Werkzeug freuen wir uns sehr.“

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Ein Artikel von
Jana Ohlhoff
Lokaldesk

27. Dezember 2017 - Maline Kotetzki in Campus

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