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Unser Meer: Die Ostsee Kleinst-Krebse als Klimasünder in der Ostsee
Unser Meer: Die Ostsee Kleinst-Krebse als Klimasünder in der Ostsee
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11:05 27.02.2017
Von Ulrich Metschies
Der Ruderfußkrebs „Temora longicornis“ ist gewöhnlich ein bis 1,5 Millimeter groß, könnte für den Klimawandel jedoch eine Rolle spielen. Quelle: hfr

Gut vier Jahre ist es her, dass Wissenschaftler vor der schwedischen Insel Gotland eine ungewöhnlich hohe Methan-Konzentration gemessen haben. Viel, viel höher als normal. Und das ist bedeutend, weil das Gas ein Klimakiller ist – um ein Vielfaches schädlicher als beispielsweise Kohlenstoffdioxid. Nun ist Methan im Meer durchaus normal, allerdings nur in sauerstoffarmen Tiefen. Doch die auffällig hohen Konzentrationen, die die Wissenschaftler des Instituts für Ostseeforschung (IOW) aus Rostock-Warnemünde 2012 entdeckten, befanden sich in sauerstoffreichem Wasser, relativ dicht an der Meeresoberfläche. Wie kommt das Klimagas dahin? Welche Auswirkungen hat die rätselhafte Methan-Anomalie auf das Klima? Forschungen dazu laufen auf Hochtouren.

 Schon damals hatten die Forscher einen Verdacht: Das Methan könnte von winzigen Ruderfußkrebsen der Art „Temora longicornis“ stammen, die wenige Meter unter der Wasseroberfläche leben und das Gas beim Verdauen ausscheiden – ähnlich wie Kühe an Land. Im Sommer 2016 gingen die Experten dem Phänomen auf einer dreiwöchigen Fahrt mit dem Forschungsschiff „FS Alkor“ genauer auf den Grund. Erstmals überhaupt sollte systematisch untersucht werden, unter welchen Bedingungen bestimmte, mitunter sehr häufig auftretende Zooplanktonkrebse und ihre mikrobielle Darmflora einen substanziellen Beitrag zur atmosphärisch wirksamen Methanproduktion leisten. Die Forscher nahmen jede Menge Wasserproben und gaben den Krebschen im Labor nahrhafte Algen-Cocktails zu fressen. Resultat: Der Verdauungstrakt der winzigen Tiere produziert Methan. Und zwar ganz schön viel für Lebewesen, die man mit bloßem Auge gerade noch erkennen kann.

 Fahrtleiter der Expedition war Oliver Schmale (44). In seiner Arbeit am IOW hat er sich der Geologe auf Methankreisläufe im Meer und Austauschprozesse an der Grenzschicht Ozean-Atmosphäre spezialisiert. Methan kommt zwar nur in Spuren in der Atmosphäre vor, ist als Klimagas aber 25 mal wirksamer als CO2. Das Gas wird durch spezielle Mikroorganismen in sauerstofffreier Umgebung erzeugt, in der Regel beim Abbau von Biomasse. Etwa die Hälfte des weltweit produzierten Methans stammt aus Fäulnisprozessen in Sümpfen und Mooren, die damit die größte bekannte Methanquelle sind. Aber auch mikrobielle Prozesse im Darm pflanzenfressender Tiere haben einen wesentlichen Anteil: So tragen Wiederkäuer, insbesondere Rinder und Schafe aus menschlicher Tierhaltung sowie Termiten knapp ein Drittel zur globalen Gesamtproduktion von jährlich 500 bis 600 Milliarden Kilogramm bei.

 Aber kann es wirklich so schlimm sein, wenn derart winzigen Tiere klimaschädliche Darmgase produzieren? Fakt ist: Die Masse macht’s. Die Gruppe der Ruderfußkrebse stellt den größten Anteil an marinem Zooplankton und hat, trotz ihrer geringen Körpergröße von meist weniger als einem Millimeter, weltweit etwa doppelt so viel Biomasse, wie Termiten. „Es lohnt sich also, die Minikrebse als substanzielle Methanproduzenten genau unter die Lupe zu nehmen, zumal sie dafür sorgen, dass Methan in verhältnismäßig geringen Wassertiefen freigesetzt wird, von wo es durchaus klimawirksam in die Atmosphäre gelangen kann“, sagt Schmale.

 Die „Alkor“-Expedition ist Teil des auf drei Jahre angelegten Projektes „Zooplankton assoziierte Methanproduktion“, das im Dezember 2015 an den Start ging und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Um genau zu ermessen, warum und wie stark Temora longicornis zum Klimawandel beiträgt, werden Schmale und sein Team noch häufiger auf Fahrt gehen. Wichtige Informationen liefern inzwischen aber auch speziell ausgerüstete Ostseefähren, die auf ihren Touren sozusagen im Vorbeifahren Daten zur Methankonzentration im Mare Balticum liefern.

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