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Meyer-Konzern im Ostseeraum Vereinigte Schiffbauer

Vor zwei Jahren kaufte eine Papenburger Werft einen Konkurrenten im finnischen Turku: Der Meyer-Konzern hat seitdem ein Werftenimperium rund um die Ostsee aufgebaut und ist dort ein Beispiel für wirtschaftlich erfolgreiche Zusammenarbeit.

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Im 365 Meter langen und 80 Meter breiten Baudock der Werft Meyer Turku entstehen parallel eine Fähre mit Gasantrieb (Foto) und die „Mein Schiff 6“.

Quelle: Frank Behling

Turku/Papenburg. Zwei Jahre ist es her, da war die Stimmung der Schiffbauer im finnischen Turku auf dem Tiefpunkt. Im Sommer 2014 stand die weltweit bekannte Großwerft an der Mündung des Flusses Aura vor dem Aus. Rettung kam aus Deutschland. Die Meyer Werft übernahm die Mehrheitsanteile der Werft. Gleichzeitig bestellte die deutsche Reederei TUI Cruises vier Kreuzfahrtschiffe. Die Meyer Werft hat sich damit einen internationalen Werftenverbund geschaffen. Einen Ostsee-Ems-Verbund sozusagen. Rund ums Mare Baltikum schweißen inzwischen Schiffbauer für Meyer.

Minna Herrala ist eine von ihnen: „Wir haben viel voneinander lernen können. Wenn wir heute zurückblicken, war die Übernahme durch die Meyer Werft für uns ein Glücksfall“, sagt sie. Die Schweißerin hat in den 15 Jahren auf der Werft viel erlebt. Die Namen am Portalkran wechselten in 40 Jahren mehrfach: Wärtsila, Masa Yards, Aker Kvaerner, Aker Yards und seit 2008 STX. Mitte 2014 drohte den 1500 Schiffbauern in Turku das Aus. Der koreanische Werftenkonzern STX hatte keine Lust mehr auf die Tochter, und der finnische Staat fand im eigenen Land keinen Investor.

"Meyer Turku" prangt auf dem Kran

Jetzt prangt in 80 Metern Höhe „Meyer Turku“ in weißer Schrift auf blauem Grund am Werftkran. Der Papenburger Werftchef Bernard Meyer hat sich den finnischen Ex-Konkurrenten gesichert – nach der Neptun Werft in Rostock ein weiteres Stück im Puzzle auf dem Weg zur Weltspitze im Kreuzfahrtschiffbau. Die Führung der Werft übernahm Jan Meyer, der Sohn. Ihm zur Seite steht ein deutsch-finnisches Führungsteam. Gleichzeitig lässt Meyer jetzt auch in Danzig Sektionen bauen. Das Werftenimperium rund um die Ostsee wird größer.

Die Werft in Turku bietet das, was die Familie Meyer in Deutschland nicht mehr fand. Das 1975 vom Reißbrett entworfene und in die felsige Schärenlandschaft gerammte Areal umfasst 144 Hektar. Damit gehört die Werft zu den flächenmäßig größten Schiffbauunternehmen in Europa. Herzstück ist das große Felsendock. 365 Meter lang, 80 Meter breit und zehn Meter tief. „Als ich hier anfing, haben wir hier gerade die ’Freedom of the Seas’ gebaut. Dieses Schiff war schon groß. Und wir sind hier immer noch nicht an den Grenzen“, sagt Schweißerin Minna.

Finnischer Standort schnell modernisiert

Die Meyers haben schnell erkannt, was in Finnland möglich ist. „Deshalb haben wir ein Modernisierungsprogramm gestartet. Wir investieren 35 Millionen Euro in den Standort“, sagt Meyer. Herzstück ist ein neuer Portalkran, der 1200 Tonnen heben kann. „Je mehr wir in der Halle fertigen können, je weniger Arbeit ist nachher im Dock“, sagt Schweißerin Minna Herrala. Mit dem neuen Kran können doppelt so schwere Sektionen gebaut werden. Bis zu 70 dieser Elemente sind für ein 300 Meter langes Kreuzfahrtschiff erforderlich. Bislang werden Stahlbau sowie Rohre und ein kleiner Teil der Ausrüstung in den Hallen gefertigt. Dann hebt der 600-Tonnen-Kran die Sektionen ins Dock und setzt so den Rumpf zusammen. Bei Sonne wie bei Schnee. Bislang wurde ein Kreuzfahrtriese in Turku pro Jahr gebaut. Jan Meyer hat für die Zukunft die Verdoppelung auf zwei Neubauten geplant.

Der Winter zwischen Dezember und März ist bisweilen eine Herausforderung für den Stahlbau. „Da haben wir viel von den Kollegen hier in Finnland gelernt“, sagt Meyer. Die Art, wie die Finnen Schiffssektionen bei Minus 20 Grad beheizen, schweißen und Zeitpläne auch im Schneesturm einhalten, hat bei Jan Meyer einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Das ist schon wirklich eine Herausforderung, die es so wohl nirgendwo anders gibt“, sagt Meyer.

Minna und ihre 1500 Kolleginnen und Kollegen sind bis 2020 ausgelastet. Drei Kreuzfahrer für TUI, zwei für Costa und eine Fähre stehen in den Auftragsbüchern. Außerdem ist die Werft mit innovativen Antriebskonzepten wie Flüssiggas ganz vorn dabei. Gerade wird die erste Fähre gebaut, die einen Antrieb mit Gasmotoren und auch im Rumpf integrierte LNG-Tanks hat. Im nächsten Jahr ist Kiellegung für die ersten mit Gasantrieb versehenen Kreuzfahrtschiffe für die Reederei Costa. Die Schiffe der sogenannten Helios-Klasse baut Meyer Turku in Zusammenarbeit mit der Meyer Werft in Papenburg. Die Konkurrenz ist hart. Doch der Ostsee-Ems-Verbund – er funktioniert.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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