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Unser Meer: Die Ostsee Gemeinsam gegen die Tristesse
Unser Meer: Die Ostsee Gemeinsam gegen die Tristesse
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12:00 06.11.2017
Von Heike Stüben
Keine Frage: Das Leben auf dem Land hat seinen Reiz. Doch weite Wege und dürftiges Infrastruktur-Angebot sind ein Problem – nicht nur für ältere Menschen. Quelle: imago/team picture Hiddensee

Im Projekt Sempre wird jetzt länderübergreifend nach Lösungen gesucht – damit der ländliche Raum auch für sozial benachteiligte Menschen Lebensqualität bietet.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob man auf einem Einzelhof in Nordfinnland lebt, in einem Dorf in Litauen oder in einer Streusiedlung in Dithmarschen. „Doch die demographische Entwicklung und ihre Folgen sind in allen ländlichen Regionen rund um die Ostsee ähnlich“, sagt Doris Scheer. „Oft fehlen Angebote in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Mobilität. Das trifft besonders sozial benachteiligte Gruppen: Sie fühlen sich zunehmend abgehängt.“

4,8 Mio. Euro für Angebote, die das Landleben erleichtern

Scheer vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein koordiniert von Rendsburg aus das gesamte Interreg-Projekt Sempre. Das Besondere: Mit dem Geld der EU – immerhin 4,8 Millionen Euro – sollen keine Modelle finanziert werden, die am grünen Tisch ausgedacht und nach den drei Projekt-Jahren wieder eingestampft werden. Stattdessen sollen die Menschen unterstützt werden, damit sie selbst Angebote entwickeln, die ihnen das Leben auf dem Land auf Dauer erleichtern.

Wie das konkret aussieht, erzählt Tanja Haas. Die Erzieherin lebt mit ihrem Sohn in Dithmarschen und stößt auf dem Land als Alleinerziehende mit Teilzeit-Arbeit immer wieder an Grenzen. „Das sind finanzielle Grenzen, aber auch Grenzen durch eine mangelhafte Infrastruktur und die Barrieren in den Köpfen. Alleinerziehend zu sein, das ist immer noch mit Scham behaftet, und man erlebt auch noch, dass Kinder von Alleinerziehenden ausgegrenzt werden.“ Für Haas war das Anlass, bei Sempre mitzumachen. Mit anderen Alleinerziehenden wurde ein monatlicher Koch-Treff ins Leben gerufen. „So erleben wir nicht nur alle einen großen Tisch wie in einer großen Familie, sondern können uns auch austauschen.“

Denn, so stellten sie schnell fest, sie alle vermissen auf dem Land Informationen und einen Treffpunkt. Ihre Lösung: Sie entwickeln eine Internetplattform für Alleinerziehende auf dem Land. „Wie viele Kinderkrankheitstage stehen mir zu? Wie beantrage ich Wohngeld? Wo gibt es ein kostenloses Freizeitangebot fürs Wochenende? All das muss dann nicht mehr jeder mühsam zusammen suchen. Das spart Zeit und auf dem Land auch Wege“, sagt Haas, „allein würden wir das finanziell und vom Know-how her nicht schaffen. Zusammen mit dem Diakonischen Werk können wir das Internetportal so umsetzen, wie es unseren Bedürfnissen entspricht.“

In Schleswig-Holstein haben Langzeitarbeitslose im Kreis Plön mit dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt einen Treffpunkt initiiert, und im Kreis Nordfriesland gründen Migranten und Flüchtlinge mit der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein eine Übungsfirma.

Projekte sind noch am Entstehen

„Vieles bei den Projekten ist jetzt zur Halbzeit noch im Entstehen. Aber man merkt, dass alle umdenken müssen: Die, die sich bisher als Hilfe-Empfänger fühlen, müssen aktiv werden. Und wir Sozialdienste müssen andere mitbestimmen lassen. Das ist ein langer Weg“, sagt Doris Scheer.

Am Ende könnten aber soziale Dienstleistungen stehen, die passgenau und nachhaltig sind. „So etwas wie unsere Internetplattform für Alleinerziehende auf den Weg zu bringen – das macht einen schon stolz“, sagt Haas, „es gibt das schöne Gefühl, selbst etwas bewirken zu können.“

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