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Unser Meer: Die Ostsee Meer der Erholung
Unser Meer: Die Ostsee Meer der Erholung
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08:04 25.07.2016
Von Ulrich Metschies
Durchatmen beim Sonnenuntergang am Strand. Die Ostsee lockt immer mehr Urlauber, die auch aktiv sein wollen – wie dieser Kitesurfer auf Fehmarn. Quelle: OliverFranke.de

Reize, die Erholungssuchende heute anlocken wie noch nie: „Die Anziehungskraft der Ostseeregion ist groß, aber das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Der das sagt, ist selbst leidenschaftlicher Ostseeurlauber. Zuletzt war der Kieler Tourismusforscher Ulf Sonntag (41) zu Besuch in Stockholm. „Es ist faszinierend, wie schnell man mit dem Schiff zwischen urbaner Welt und Natur pur pendeln kann.“ Erst noch im Zentrum der schwedischen Hauptstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, der Altstadt, dem königlichen Palast und den zahllosen Geschäften und Restaurants. Und wenig später schon gleitet man durch den Stockholmer Schärengarten mit seinen 30000 Inseln, Schären und Felsen.

 Ob Stockholm, Kopenhagen, Lübeck, Danzig oder Riga: Wie kaum irgendwo sonst am Meer liegen touristische Hotspots und beeindruckende Natur so dicht zusammen wie an der Ostsee. „Und genau das ist es, was die Ostsee so verlockend macht“, sagt Sonntag, Leiter Marktforschung am NIT Institut für Tourismus und Bäderforschung in Nordeuropa mit Sitz in Kiel. Seit 25 Jahren erforscht das NIT – Gesellschafter sind unter anderem Tourismusverbände und IHKs – Vorlieben und Reiseverhalten europäischer Urlauber. Dabei zeigt auch die jüngste Untersuchung: Der Ostseetourismus wächst – und es gibt noch reichlich Luft nach oben.

 Allein im vergangenen Jahr haben die Deutschen, wie aus der NIT-Reiseanalyse 2016 hervorgeht, mehr als zehn Millionen Urlaubsreisen in einem der Ostseeanrainerstaaten (ohne Russland) verbracht. Wichtigstes Ziel mit 6,2 Millionen Reisen war Deutschland selbst, wobei sich Mecklenburg-Vorpommern mit 3,6 Millionen Reisen das größere Stück des Kuchens sichern konnte. Sieht man einmal von Polen ab, weil hier die Statistik von den Heimaturlauben der in Deutschland lebenden Polen verzerrt wird, führt Dänemark die Favoritenliste an, gefolgt von Norwegen, Schweden, Finnland und dem Baltikum.

 Ein Reiz der Ostseeregion liegt in den geringen Entfernungen touristischer Anziehungspunkte. „Man kann in kurzer Zeit unglaublich viel erleben“, sagt Sonntag. Dieser Vorteil zeigt sich auch in den seit Jahren zweistelligen Passagier-Wachstumsraten bei Ostseekreuzfahrten. Und diese Dynamik dürfte noch deutlich zunehmen, denn angesichts der fragilen Sicherheitslage im Mittelmeer entscheiden sich immer mehr Kreuzfahrturlauber für eine Entdeckungsreise durch die Ostseeregion. Inzwischen haben alle namhaften Reedereien die Ostsee als lukratives Reiseziel entdeckt. Zu den großen Gewinnern gehört auch der Kieler Hafen, der in diesem Jahr rund 150 mal von den schwimmenden Hotels angelaufen wird. Und die Umwelt? Sie ist natürlich tangiert, denn die Schiffe werden immer größer. Andererseits: Auf der Ostsee setzen die Reedereien ihre jüngsten Schiffe ein, die in Sachen Umweltschutz bereits strengeren Standards genügen.

 Der Ostsee-Tourismus ist für die gesamte Region ein gigantischer Wirtschaftsfaktor. Nach Berechnungen des Instituts für Management und Tourismus an der Fachhochschule Westküste beschert der Tourismus der schleswig-holsteinischen Ostsee-Küste und der Holsteinischen Schweiz eine jährliche Wertschöpfung von mehr als 1,5 Milliarden Euro – das entspricht fast zehn Prozent des Primäreinkommens der Haushalte in der Region.

 Nachdem der Fall des Eisernen Vorhanges Schleswig-Holstein über Jahre erheblich Marktanteile gekostet hatte, macht der „Echte Norden“ im Wettbewerb mit dem Rivalen Mecklenburg Vorpommern inzwischen wieder Boden gut. Und die Aussichten sind rosig: Jeder dritte deutsche Urlauber, so das Ergebnis der NIT-Reiseanalyse, kann sich vorstellen, in den kommenden drei Jahren Schleswig-Holstein zu besuchen. Und knapp jeder Zehnte ist sich dessen schon ziemlich sicher. Sonntag: „Unter allen Destinationen an der Ostsee hat Schleswig-Holstein das höchste Potenzial.“

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