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Von Männern, groß wie Dattelbäume

Serie: Mein Meer. Die Ostsee. Von Männern, groß wie Dattelbäume

Kampflustig und furchteinflößend, Bootsbauer und Handwerker, Abenteurer und Eroberer. Die Wikinger sorgten vom 8. bis 11. Jahrhundert für Angst und Schrecken. Mit ihren wendigen Schiffen gelangten sie über die Ostsee ins Baltikum, nach Polen und Russland. Doch wer waren diese Skandinavier wirklich?

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Wikinger faszinieren die Menschen bis heute.

Quelle: Hans-Jürgen Schekahn

Kiel. Über Flüsse bis ins Schwarze Meer. Von der Nordsee stachen sie in See und drangen bis nach Nordamerika vor.

 „Den Begriff Wikinger sollte man mit Vorsicht benutzen“, sagt Prof. Ulrich Müller (52) vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Kieler Uni. „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass ein Herbstregen fällt und die Wikinger plötzlich wie Pilze aus dem Boden schießen. Damals gab es viele kleine Herrschaften. Man hatte ähnliche Dialekte, ähnliche Glaubensvorstellungen. Aber das Wort Wikinger war nie eine ethnische Bezeichnung.“ In England wurden die räuberischen Angreifer aus dem hohen Norden „Nordmanni“ genannt, in Russland „Waräger“. Im deutschen Sprachraum wurde der Ausdruck „Wikinger“ erst im 19. Jahrhundert zu einem Allgemeinbegriff für nordische Seefahrer.

 Immer aber ist die Rede von den Bewohnern des germanischen Skandinaviens. Und deren Ruf verbreitet sich wie ein Donnerhall in der ganzen Welt. Ein arabischer Diplomat notierte voller Ehrfurcht, die schrecklichen Zeitgenossen seien „groß wie Dattelbäume, blond und rot“. In den Fuldaer Annalen ist zu lesen, Menschen wie sie habe man „nie zuvor im Volke der Franken gesehen, an Schönheit nämlich und Körpergröße“. Und in den Annales Bertiniani zum Jahr 841 heißt es: „Inzwischen überfielen dänische Seeräuber von der Nordsee aus durch den Kanal fahrend Rouen, wüteten mit Raub, Schwert und Feuer, schickten die Stadt, die Mönche und das übrige Volk in den Tod oder in Gefangenschaft, verheerten alle Klöster, sowie alle Orte am Ufer der Seine oder ließen sie, nachdem sie sich viel Geld hatten geben lassen, in Schrecken zurück.“

 Die unerschrockenen Männer aus dem Norden überraschten auf ihren Raubzügen vor allem durch Schnelligkeit und eine gute Navigation. „Ihre schlanken, langen Boote, die nur mit einem Rahsegel ausgerüstet waren, waren äußerst robust und seetauglich“, so der Ur- und Frühgeschichtler Müller. „Die Konstruktion erlaubte es ihnen, weite Strecken zu fahren, schnell vor Küsten aufzutauchen, zu rauben und zu morden und ebenso rasch nach den Beutezügen wieder zu verschwinden.“ Kleinere Schiffe konnten zügig auf rollende Baumstämme gehievt und zu nahen Flüssen gebracht werden, um auch das Binnenland zu erobern.

 „Sie waren aber nicht nur geniale Seefahrer“, so Prof. Müller, „sondern auch Kolonisatoren. Sie haben Grönland, die Shetland-Inseln, die Färöer-Inseln urbar gemacht. Zudem waren sie unglaublich kluge Händler.“ Aber auch die Frauen der Wikinger dürfe man nicht außer Acht lassen. „Als Priesterinnen und Schamaninnen hatten sie einen großen Einfluss“, so Müller. Über die Jahre sorgen vor allem die Beziehungen zu anderen Ländern und Königreichen für eine Veränderung der Dorfstrukturen. Kleine Einheiten wachsen nach und nach zusammen und werden nun von einem Herrscher regiert. Zwei Jahrhunderte Kontakt mit den Völkern Europas und das Vordringen des Christentums hinterlassen ihre Spuren. Dichtung spielt plötzlich eine große Rolle. Höfisches Leben wird kopiert. Das bisherige Zahlungsmittel Hacksilber, zerstückeltes Silber aller Art, wird durch Münzen abgelöst.

 „Am besten lässt sich die Entwicklung an einem Brettspiel ablesen“, sagt Prof. Ulrich Müller schmunzelnd. „Bei den Wikingern war das Spiel Hnefatafl beliebt. Ein Brettspiel, bei dem König Hnefi besiegt werden muss. Mit den anderen Spielfiguren zieht man vorwärts und haut drauf. Im späten 11. Jahrhundert spielte man Schach. Winkelzüge sind möglich, die Figuren spiegeln eine feine ausdifferenzierte Gesellschaft wider. Das wikingerzeitliche Denken hat sich verändert.“ Der wilde Nordmann ist in der Neuzeit angekommen.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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