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Einmal durch alle Ostsee-Anrainerstaaten

Wohnmobil-Reise Einmal durch alle Ostsee-Anrainerstaaten

Am Anfang war die Fotokamera. Dann kam die Route hinzu. Neun Staaten, 9112 Kilometer, 31 Tage. Armin Habermann ist Kommunikationsdesigner und gelernter Fotograf. Warum also nicht mit dem Wohnmobil durch die Ostsee-Anrainerstaaten fahren?

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Traute Idylle in Schweden: Marion Friedrich und Armin Habermann mit ihrem Wohnmobil „Amundsen“ auf dem Rastplatz Hälsingland an der E4 am See Norrbrännigen. Der See mit der imposanten Brücke liegt zwischen den Orten Gävle und Söderhamn.

Quelle: Habermann

Kiel. Diese Reise hat vier Protagonisten: Armin Habermann, Marion Friedrich, Amundsen und Heinrich. Marion Friedrich ist Habermanns Lebengefährtin, sie hat ihren Partner den Großteil der Reise begleitet. Amundsen ist das Wohnmobil, Heinrich das Navigationssystem. Habermann gibt den wichtigen Gegenständen in seinem Leben gern einen Namen.

 Los geht es mit der Überquerung der deutsch-dänischen Grenze. Die erste Erfahrung in Odense: „Nachts und morgens regnet’s.“ – Willkommen in Skandinavien. Wie kam der im hessischen Gründau geborene Habermann eigentlich auf die Idee, um die Ostsee zu fahren – und nicht etwa um das Mittelmeer? „Als Fotograf führte mich einer meiner ersten Aufträge nach Polen, und das hatte mir sehr gut gefallen.“ Die Menschen seien sehr offen: „Ganz ohne Ressentiments, die sie uns Deutschen gegenüber ja durchaus haben könnten.“ Außerdem habe er unbedingt mal das Baltikum sehen wollen. Und seine Lebensgefährtin? Ließ sie sich problemlos für die Tour begeistern? „Ich sagte ihr, ’Komm, wir fahren um die Ostsee’, und sie sagte ’Okay’.“

 Von Dänemark aus geht es nach Schweden. „Nicht so mein Land“, sagt Habermann. Die Entfernungen seien zu groß, zu viele Kilometer müsse man fahren, ohne dabei etwas zu sehen. „Und die Essgewohnheiten werden auch nicht unbedingt besser, je weiter man nach Skandinavien fährt. Eine unheimliche Fast-Food-Dichte.“ Apropos Essen: Habermann hat während seiner Tour ein Tagebuch geführt, in dem es hie und da auch um Essen geht. Ein Eintrag von Dienstag, 7. Juni: „Ein kurzer Einkaufsstopp in Spodsbjerg dient der Zuladung von Lauch und anderen wichtigen Lebensmitteln für die Zubereitung von Weight-Watchers-Mahlzeiten.“

 In Schweden kommt es auch zu den ersten Komplikationen mit dem Navigationssystem. Habermann will an der Küste entlangfahren, „aber das fand das Gerät nicht ökonomisch und nutzte jede Gelegenheit, uns immer wieder in Richtung Autobahn zu dirigieren. Nach einigem zwecklosen Zureden habe ich den Kollegen – wir hatten ihn 'Heinrich’ getauft – mundtot geschaltet.“

 Es geht weiter nach Finnland. In Helsinki will das Paar sich zwei Nächte in ein Hotel einquartieren, doch in der gesamten Stadt ist kein Zimmer frei. Also geht es auf einen Campingplatz mit „besonders versifften Sanitäranlagen“ und Nachbarn aus Osnabrück – ohne, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt. Was dann folgt, ist die wohl schwierigste Passage dieser Reise: die finnisch-russische Grenze. „Für die 390 Kilometer nach St. Petersburg veranschlagte ich fünf Stunden, ich hätte um 14 Uhr ankommen sollen. Das Hotel hatte ich im Voraus gebucht und bezahlt.“ Die Rechnung hatte Habermann aber ohne die russische Grenzkontrolle gemacht. Irgendwann ist er von den gefühlt endlosen Kontrollen so frustriert, dass er die Grenzbeamten bittet, ihn wieder zurück nach Finnland zu lassen. Um 22 Uhr ist Habermann in St. Petersburg – und fährt weiter: „Von Russland war ich bedient.“

Weitere Stationen

 Auf in die drei baltischen Staaten – Estland, Lettland, Litauen. Auffällig: In Lettland ist die russische Besatzungs-Vergangenheit sehr viel deutlicher als in den anderen beiden Staaten. Vilnius gefällt den Reisenden am besten. „Nicht so verspielt und putzig wie Tallinn oder Riga.“

 Nächster Halt: Polen. Erste Assoziation? „Das beste Essen der Tour – und Danzig! Am Ende des Zweiten Weltkriegs zu 90 Prozent zerstört, und nun wieder originalgetreu aufgebaut.“

 Entlang der polnischen Ostsee-Küste erreicht Habermann den Ahlbecker See – Deutschland. Nach Usedom, Stralsund und Rostock heißt die Endstation: Kiel. „Ganz ehrlich, dann hatte ich auch die Nase voll.“ Gelohnt hat es sich: Mit den Reisefotos plant er Ausstellungen unter anderem in Kiel.

 Was wird ihm von dieser Reise besonders in Erinnerung bleiben? „Ich war überrascht, was für ein Abenteuer das am Ende dann doch ist. Und so viele Menschen in so kurzer Zeit lernt man sonst auch nicht kennen – und es waren so unterschiedliche und interessante Persönlichkeiten.“ Menschen der Ostsee eben.

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