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Albtraum Einbruch

Erlebnisbericht Albtraum Einbruch

Was Familie L. erlebte, als sie nach Rückkehr von einer Kurzreise ihr Haus von Langfingern durchwühlt vorfand, dürfte typisch sein für die Machenschaften von Dieben und deren Folgen. Verletzte Privatsphäre, verlorene Sicherheit und Verluste von Erinnerungsstücken, die besonders schmerzen.

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Einbrecher gehen nicht zimperlich vor. Gegen Stemmeisen oder große Schraubenzieher helfen nur stabile Türen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Martin und Sabine L. (Namen geändert) leben mit ihren Söhnen Lukas (14) und Arne (11) im Kieler Umland. Die Häuser in ihrer Straße zeugen ebenso wenig von extravaganten Bewohnern wie die Autos vor den Garagen. Martin L. (41) ist leitender Angestellter, seine Frau (38) arbeitet halbtags als Sekretärin. An einem Sonntagabend vor Weihnachten schließt Sabine L. die Haustür auf, sieht im Flur eine offene Schublade, denkt sich aber nichts dabei. Erst als sie das Arbeitszimmer verwüstet vorfindet, erfasst sie, was geschehen ist. Ihr Mann reagiert sofort und bringt die Kinder zu den Nachbarn: „Ich wollte vermeiden, dass sich bei den beiden die Eindrücke verfestigen.“

Danach beginnt die Konfrontation mit dem, was kriminelle Energie anrichtet. Der Rollladen an der Terrassentür ist demoliert, die Tür aufgehebelt, im gesamten Haus stehen Schränke offen, aber zum schockartigen Erlebnis wird vor allem der Blick ins Arbeitszimmer. Auf dem Boden liegt eine Spitzhacke, mit der haben die Einbrecher den 75-Kilo-Tresor aus dem Fußboden gehebelt. Während Sabine L. die Knie zittern, schaltet ihr Mann in den Funktionsmodus. „Ich habe gleich bei der Polizei angerufen und bei einem befreundeten Handwerker, der noch in der Nacht die Terrassentür verriegelte.“ Als die Polizisten erfahren, dass der Schaden im mittleren fünfstelligen Bereich liegen könnte, rücken die Kollegen von der Kripo zur Spurensicherung an. „Es war wie im Film, die haben unsere Möbel mit einem dunklen Puder besprüht, um Fingerabdrücke zu finden“, erzählt Sabine L., die während dieser Stunden „wie geschockt“ durch die Räume lief: „Als die Polizei gegangen war, habe ich meinen Mann angeschrien, dass er die Haustür abschließt. Ich fühlte mich plötzlich extrem unwohl in meinem Haus.“

Aufräumen bis vier Uhr nachts

Bis vier Uhr in der Nacht sorgten die Eltern für Ordnung. „An Schlaf war ohnehin nicht zu denken“, sagt Sabine L. Als die beiden Söhne am Vormittag eintrafen, fanden sie ihre Zimmer schon wieder aufgeräumt vor. Lukas wollte nur wissen, ob die Einbrecher auch bei ihm im Zimmer waren. „Da haben wir das Ganze ein bisschen verharmlost.“ Von den Kindern fehlten eh nur die Rucksäcke. „Ihre Spardosen haben die Einbrecher stehen lassen“, erzählt Martin L. und glaubt, seine Jungs hätten diese Geschichte nur deshalb problemlos wegstecken können, da sie die Schäden nicht gesehen hätten.

In den Tagen danach begann für Martin L. Phase zwei der Arbeit. Er hatte ein paar Monate zuvor auf Empfehlung seines Versicherungsvertreters sämtliche Wertgegenstände fotografiert. Der von der Versicherung beauftragte unabhängige Gutachter wollte dennoch alles genau wissen. Wie groß waren die Perlen in der Kette, wie dick deren Glieder, war der Tresor fachgerecht eingebaut? Martin L.: „Er hat sogar die Löcher für die Zehner-Dübel nachgemessen.“ Insgesamt beläuft sich der Schaden auf 48000 Euro. Was die Versicherung zurückerstatten wird, ist noch offen.

Sicherheitsgefühl kommt nur langsam zurück

Sechs Wochen danach sind neue Reisepässe und Geburtsurkunden beantragt, in eine Alarmanlage mit Sirene, Bewegungs- und Glasbruchmeldern wurden 3000 Euro investiert. Ohne geht es nicht mehr. „Das Sicherheitsgefühl wurde uns genommen, und es stellt sich nur langsam wieder sein“, sagt Sabine L., die nach etlichen Nächten, in denen sie bei jedem kleinen Geräusch hochschreckte, mittlerweile wieder fast normal schlafen kann.

Was bleibt, ist ein gewisses Misstrauen („Wir schauen in jedes unbekannte Auto, das durch unsere Straße fährt“), Unverständnis gegenüber dem Staat („Wenn man liest, dass ein Albaner zwei Wochen nach einem Einbruch in Friedrichsort erneut gefasst wurde, fällt man vom Glauben ab“) und der Schmerz über die unwiderruflich verlorenen Ultraschallbilder der Söhne im Mutterleib. Ein Anruf bei der Frauenärztin ergab: Solche Dateien werden nach zehn Jahren vernichtet.

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