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Der Großstadt-Christdemokrat

Ehemaligentreffen: Frank Sauter Der Großstadt-Christdemokrat

Sie haben in den vergangenen 20 Jahren die Politik in Schleswig-Holstein mit geprägt, waren Abgeordnete, Fraktionschefs, Landtagspräsidenten, Minister, Parteivorsitzende. Die Kieler Nachrichten treffen die „Ehemaligen“. Was trieb sie in der Politik an? Was waren die Höhe- und die Tiefpunkte ihrer Karriere? Und was machen sie heute? Zum Beispiel: Frank Sauter (CDU).

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Als Lübecker Abgeordneter war Frank Sauter (56) einer der wenigen CDU-Großstadtpolitiker im Landtag. 2009 wurde er als möglicher Fraktionschef hoch gehandelt. Doch der Finanzexperte verfehlte den Wiedereinzug in den Landtag. Sauter wurde in Kassel geboren und lebt heute in Potsdam. Der Steuerberater ist verheiratet und hat drei Kinder. In die Politik will er nicht zurückkehren.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Er ist energiegeladen wie eh und je, sprüht vor Ideen und hört sich noch gern den jüngsten Tratsch aus Kiel an. Trotzdem, Frank Sauter lässt keinen Zweifel aufkommen: „Eine Rückkehr schließe ich kategorisch aus.“ Der ehemalige Abgeordnete, Finanzexperte und frühere CDU-Kreisvorsitzende von Lübeck gilt als konservativ und unkonventionell zugleich, als unabhängiger Geist. Vielleicht liegt das auch daran, dass er seinen Beruf als Steuerberater nie aufgegeben, sich nie ganz der Politik ausgeliefert hat.

 In Wahlkämpfen tritt der Fan von Jazz und Blues gern mit einer Band als Sänger auf. Seine Meinung äußert er meist unverblümt. Als die schwarz-gelbe Koalition 2010 die Medizinerausbildung in Lübeck abschaffen will, legt er sich öffentlich mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen an. Dies sei ein „großer politischer Irrweg“, schimpft der Finanzexperte. Sparen nur um des Sparens willen mache keinen Sinn.

 Zum Zeitpunkt dieser – später ad acta gelegten – Kürzungspläne ist der Steuerberater schon nicht mehr im Landtag, aber als Kreisvorsitzender hat er immer noch politisches Gewicht.

 Sauter ist von 1992 bis 1996 Abgeordneter, zieht 2005 als Nachrücker von der Landesliste erneut ins Parlament ein, dem er bis zum Ende der Großen Koalition 2009 angehört. In zwei Phasen verläuft auch seine „Karriere“ als Lübecker CDU-Chef: von 1988 bis 1996, dann wieder von 2002 bis 2010.

 Die schwarz-rote Ära ist nicht nur geprägt von Streit zwischen CDU und SPD. Es ist auch die Zeit der Finanzkrise, die aus Sauters Sicht das gemeinsame Handeln der beiden großen Parteien erfordert. „Damals endeten viele Illusionen über die Stabilität unseres Bankensystems. Allen wurde klar, dass selbst das kleine Schleswig-Holstein von der Entwicklung des Weltmarkts abhängig ist“, sagt der heute 56-Jährige. „Ich war froh, dass es die Große Koalition gab.“

 Nach monatelangen Debatten steht die Rettungsaktion für die ins Taumeln geratene HSH Nordbank: Schleswig-Holstein und Hamburg geben eine Bürgschaft von zehn und eine Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro. Wegen der damit verbundenen Risiken für die Haushalte sorgt die Entscheidung bis heute für Zündstoff.

 Die Finanzpolitiker von CDU und SPD hätten immer gut zusammengearbeitet, berichtet Sauter. Vielleicht liege das auch auch daran, dass man sich auf einer „sachorientierten Ebene“ begegne, wenn es um Zahlen gehe. Angesichts von Haushaltsnot und Finanzkrise setzt er damals beim Sparen noch einen drauf und schlägt vor, die Pensionierungswelle für die Streichung von 5000 bis 6000 Stellen – rund zehn Prozent des Landesdienstes – zu nutzen. Heute besteht darüber weitgehend Konsens, gehört der Personalabbau zum Sparprogramm jeder Landesregierung. 2007 klingt die Idee noch unerhört – nicht nur für den Koalitionspartner SPD. „Auch bei den eigenen Leuten, selbst bei Carstensen, war Überzeugungsarbeit nötig“, sagt Sauter.

 In einer anderen Frage muss er noch dickere Bretter bohren. Die Partei sei nach wie vor ländlich strukturiert, klagt der CDU-Mann. Dies sei nicht nur ein programmatisches Problem. „Gesichter müssen her, die Leute müssen sich mit Repräsentanten aus den beiden größten Städten des Landes identifizieren können.“ Sauters Ziel: Kieler und Lübecker müssten weit oben auf der CDU-Liste abgesichert werden, da sie in den beiden SPD-Hochburgen kaum die Chance hätten, ein Direktmandat zu holen. Vor der Landtagswahl 2009 scheint er den innerparteilichen Kampf gewonnen zu haben und kommt auf den aussichtsreichen Listenplatz fünf. Doch die Wähler machen ihm einen Strich durch die Rechnung. Die CDU gewinnt so viele Mandate direkt, dass die Liste nicht zieht. Der Abgeordnete, schon gehandelt als künftiger Fraktionschef, ist raus aus dem Landtag – wie auch sein Kieler Kollege Thomas Stritzl.

 Ein Wegbegleiter, der Landtagsabgeordnete und ehemalige Lübecker SPD-Kreisvorsitzende Wolfgang Baasch, lobt Sauter als „einen der wenigen städtisch geprägten CDU-Politiker, deshalb hätte man ihn in der Landespolitik halten sollen. Das hätte der CDU auch in den Städten Renommee gebracht.“

 Sauter hadert jedoch nicht lange mit seinem Schicksal. Als Teilhaber eines Steuerberatungsunternehmens mit 500 Mitarbeitern, das im Osten und Norden der Republik tätig ist, ist er heute zwischen Potsdam, Lübeck und Kiel unterwegs. Und er hat mehr Zeit für seine drei Kinder.

 Missen möchte der CDU-Mann die Zeit im Landtag nicht. „Es ist ein echtes Privileg, als politisch denkender Mensch diese Bühne zu haben“, sagt er. „Aber ich war an meinem Limit.“

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Ein Artikel von
Uta Wilke
Redaktion Lokales Kiel/SH

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