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Die Sozialpolitik bleibt sein Feld

Ehemaligentreffen: Torsten Geerdts Die Sozialpolitik bleibt sein Feld

Sie haben in den vergangenen 20 Jahren die Politik in Schleswig-Holstein geprägt, waren Abgeordnete, Fraktionschefs, Landtagspräsidenten, Minister, Parteivorsitzende. Wir treffen die „Ehemaligen“. Was trieb sie in der Politik an? Was waren die Höhepunkte und die Tiefpunkte ihrer Karriere? Und was machen sie heute? Zum Beispiel: Torsten Geerdts (CDU).

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Torsten Geerdts (52) wurde in Neumünster geboren und lebt dort auch heute. Der ehemalige Fraktionsmanager der CDU und spätere Landtagspräsident war von 1997 bis 2010 Vorsitzender des Kreisverbandes in Neumünster, dann noch einmal von 2012 bis 2013. Bei der Landtagswahl 2009 hatte er als Abgeordneter seinen Wahlkreis Neumünster direkt gewonnen, 2012 musste er ihn an die SPD abgeben: Geerdts war draußen, weil die Liste nicht zog.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Er hat nie so recht in das Schema der ländlich geprägten Nord-CDU gepasst: als Sozialpolitiker und überzeugter Städter. Trotzdem macht Torsten Geerdts Karriere. Aus dem „einfachen“ Abgeordneten aus Neumünster wird zunächst während der Großen Koalition der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, später in der schwarz-gelben Ära der Landtagspräsident.

 Über sich selbst sagt der mittlerweile 52-Jährige: „Ich bin ein Liberal-Konservativer.“ In seiner Laufbahn macht er immer wieder vor, dass Politik auch Spaß bringen kann. Als Landtagspräsident setzt sich Geerdts zum Ziel, die Parlamentsabläufe zu reformieren – vor allem, um eine lebendigere Debattenkultur zu erreichen. Dabei ignoriert er bewusst die „Kleiderordnung“, wendet sich nicht wie eigentlich üblich an die Fraktionschefs, sondern stellt sich ein Team aus jungen Abgeordneten mit frischen Ideen zusammen.

 Der gelernte Industriekaufmann zieht 1992 in den Landtag ein und gehört ihm bis 2012 an. In dieser Zeit steht er auch sieben Jahre lang an der Landesspitze der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft. Von Januar 2008 bis zum Herbst 2009 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion, dann Landtagspräsident.

 Geerdts gehört jetzt zum Führungskreis in seiner Partei. Zur Landtagswahl 2012 wird er auf den hervorragenden Listenplatz zwei gesetzt. Doch wieder – wie schon 2009 – kommen nur CDU-Leute mit einem Direktmandat in den Landtag. Sein Wahlkreis in Neumünster geht an die SPD. Seitdem ist kein Christdemokrat aus den kreisfreien Städten mehr im Parlament vertreten.

 Heute ist Torsten Geerdts Landesgeschäftsführer und Vorstandssprecher des Deutschen Roten Kreuzes in Kiel, die politischen Wunden scheinen verheilt. Doch aus seinen Worten wird deutlich, wie schwer ihm der Übergang gefallen sein muss: „Jeder, der behauptet, Politik habe kein Suchtpotenzial, macht sich etwas vor.“ Nach der Landtagswahl sei er erst einmal in Urlaub gefahren, erzählt Geerdts. „Und dann habe ich mir eine Schutzformulierung zurechtgelegt. ,Alles hat seine Zeit’ habe ich auf die wiederkehrenden Fragen nach meinem neuen Leben ohne Politik geantwortet.“

 Der Ex-Präsident ist unter den Christdemokraten nicht das einzige „Opfer“ der Wählerentscheidung, auch Spitzenkandidat Jost de Jager schafft es 2012 nicht in den Landtag. In der Partei wird damals die Forderung laut, dass Abgeordnete für die beiden Top-Leute ihr Mandat aufgeben, den Platz räumen müssten. Doch keiner rührt sich, und Geerdts möchte das auch gar nicht. „Ich hätte es als unwürdig empfunden, wenn ein anderer für mich ausgeschieden wäre.“

 CDU-Fraktionschef Daniel Günther, ein Wegbegleiter von Geerdts, spricht immer noch von einem „schweren Verlust“ für den Landtag. „Insbesondere uns als CDU fehlt er mit seiner humorvollen, unaufgeregten und den Menschen zugewandten Art.“

 Im Herbst 2012, nach dem Sieg von Rot-Grün-Blau bei der Landtagswahl, hat der Sozialpolitiker immer noch einen Parteijob. Er ist Vorsitzender der „Kommission 2017“, die Perspektiven für die Nord-CDU entwickeln soll.

 Die „Abschiedsrede“ auf einem Parteitag wird zur Abrechnung mit der Politik der CDU in den Städten. In den ganz großen Städten sei sie ohnehin schwach. Aber auch unter den 55 Städten um die 10000 Einwohner habe sie nur in 20 Fällen mit Erst- und Zweitstimme bei der vorigen Landtagswahl gewinnen können. Lediglich in zwei Städten mit mehr als 30000 Einwohnern habe die Nord-CDU das Rennen gemacht, zählt er im Stakkato auf. Auch stünden viel zu wenige Frauen und viel zu wenige junge Menschen in der Partei in Verantwortung. So viel Klartext haben die Delegierten auf einem Parteitag selten gehört. „Einen Neuanfang kann es nicht ohne ehrliche Analyse geben“, sagt Geerdts.

 Jetzt sitzt er in seinem Kieler DRK-Büro – und macht einen aufgeräumten Eindruck. Mit der Materie beim DRK ist er schon durch seine Tätigkeit als Sozialpolitiker bestens vertraut gewesen. Und organisatorisch funktioniere das Ganze nicht viel anders als die Landtagsverwaltung, erklärt der Ex-Präsident, der Chef von rund 100 Mitarbeitern in der Geschäftsstelle und 1900 Beschäftigten des Landesverbandes ist. Fragen nach einem möglichen politischen Comeback beantwortet er eher ausweichend. „Ich bin hier nicht auf der Durchreise“, sagt Geerdts nur. Das lässt durchaus Raum für Spekulationen.

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Ein Artikel von
Uta Wilke
Redaktion Lokales Kiel/SH

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