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Was macht eigentlich…? - News Ihn brachte nichts aus der Ruhe
Was macht eigentlich…? Was macht eigentlich…? - News Ihn brachte nichts aus der Ruhe
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08:26 27.04.2015
Von Uta Wilke
Martin Kayenburg (75) war in der Großen Koalition Landtagspräsident, davor zu rot-grünen Zeiten Oppositionsführer und damit der Gegenspieler von Ministerpräsidentin Heide Simonis. Quelle: pae

Er ist immer noch vier, fünf Tage die Woche unterwegs. Wenn Martin Kayenburg seine Aktivitäten aufzählt, wird dem Zuhörer etwas blümerant: Kulturring der Unternehmensverbände Nord, Rotary Club, Volksinitiative für den Weiterbau der A 20, Engagement in der katholischen Kirche und für seine Heimatstadt Itzehoe, Mitglied im Medienrat für Hamburg und Schleswig-Holstein... Dort sitzt der frühere Oppositionsführer und spätere Landtagspräsident zusammen mit Ex-SPD-Fraktionschef Lothar Hay, mit dem er schon zu rot-grünen Zeiten unter Heide Simonis so gut gekonnt hat.

 Kayenburg hat sich im Landeshaus den Ruf erworben, manchmal hartnäckig bis zur Sturheit zu sein, und trotzdem Brücken zum politischen Gegner zu schlagen. „Wenn ich immer nur versuche, meine Positionen unnachgiebig durchzusetzen, werde ich scheitern“, sagt der heute 75-Jährige.

 Die Fähigkeit zum Ausgleich ist wohl auch der Grund, warum in seiner letzten Legislaturperiode viele Sozialdemokraten seine Wahl zum Landtagspräsidenten mittragen. In seiner Antrittsrede mahnt er: „Die Zeit, wo wir uns Grabenkämpfe leisten konnten, ist vorbei.“ Jetzt müsse eine Allianz für das Land geschmiedet werden.

 Kurz nach dieser Rede wird ein Erdbeben Schleswig-Holstein erschüttern. Es ist der 17. März 2005. Simonis scheitert im Landtag mit dem Versuch, sich von einer Ein-Stimmen-Mehrheit aus SPD, Grünen und SSW noch einmal zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen – in vier Wahlgängen. Im Plenarsaal bricht die Welt der Genossen zusammen, in den CDU-Reihen wird gefeixt. Kayenburg leitet die Tagung. Er zeigt keine Regung. Er macht seinen Job.

 Im ersten Wahlgang enthalten sich noch zwei Abgeordnete. Manches deutet darauf hin, dass dies lediglich ein kleiner Denkzettel aus beiden Lagern ist – für Simonis und ihren Herausforderer Peter Harry Carstensen. Doch ab dem zweiten Wahlgang wird klar, dass es allein um die langjährige SPD-Ministerpräsidentin geht, dass ein Abweichler sie zu Fall bringt. Die Prozedur wird zur reinen Qual. Dreimal hintereinander verkündet Kayenburg nach den Auszählungen mit monotoner Stimme ein und dasselbe Ergebnis: „Abgegebene Stimmen 69, gültige Stimmen 69. Für den Abgeordneten Carstensen haben gestimmt 34, für die Abgeordnete Simonis 34, Enthaltung eine.“ Um 18 Uhr ist das politische Ende der SPD-Regierungschefin besiegelt. Kurz darauf beginnen die Verhandlungen über die Große Koalition. Was hat Kayenburg in dieser Situation empfunden? „Am Anfang verspürte ich eine gewisse Zufriedenheit, weil ich die Chancen für die CDU sah“, antwortet er. „Doch dann war ich bestürzt, dass jemand so unmenschlich behandelt wird. Zeigen durfte ich natürlich von alldem nichts.“

 Der gelernte Diplom-Kaufmann und längjährige Personalchef des Zementherstellers Alsen in Itzehoe findet erst spät den Weg in die Landespolitik. 1992 bewirbt er sich um ein Mandat, weil „es nicht sein kann, dass eine Partei wegen der Verfehlungen eines Einzelnen (Uwe Barschel) von der Bildfläche verschwindet“. 1997 wird er Chef der CDU-Fraktion und damit in der rot-grünen Ära Oppositionsführer, von 2005 bis 2009 ist er während der Großen Koalition Landtagspräsident. Lange Zeit fährt Kayenburg „zweigleisig“, behält seinen Job in der Wirtschaft. „Das hat mir Unabhängigkeit in der Politik gegeben“.

 Hat er einmal etwas für gut befunden, verfolgt er hartnäckig sein Ziel. So gehört er in der Großen Koalition zu den Verfechtern einer Verwaltungsstruktur- und Kreisreform, weil die bisherige Organisation zu ineffizient und zu teuer sei. Dagegen formiert sich massiver Widerstand. Als Carstensen das Projekt abbläst, kommt es hinter verschlossenen Türen zum Krach. „Er hat dem Druck aus Dithmarschen nachgegeben“, klagt Kayenburg heute. Carstensen habe allzu oft seine Politik von „Emotionen“ bestimmen lassen.

 Nicht locker lässt der Landtagspräsident auch bei der Diätenreform – obwohl er damit in der Bevölkerung keinen Blumentopf gewinnen kann. Unter öffentlichen Protesten erhöhen die Abgeordneten 2006 kräftig ihre Grunddiät, sind aber künftig selbst für ihre Altersversorgung zuständig, streichen Zulagen und Pauschalen.

 Ein langjähriger Mitstreiter, der Kieler CDU-Kreischef, frühere Landtags- und jetzige Bundestagsabgeordnete Thomas Stritzl, bescheinigt ihm: „Er hat als Landtagspräsident bewiesen, dass er auch heiße Eisen anzufassen vermag – so wie bei der Diätenreform. Hier kam auch der gelernte Kaufmann in ihm zum Vorschein.“

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