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Ein Leben auf der Spitze

Ballett Kiel Ein Leben auf der Spitze

Taisia Muratore steht vor dem Fenster eines Ballettstudios und sieht ihre Schwester fröhlich in einem rosafarbenen Ballettanzug tanzen. Die damals Sechsjährige war begeistert von dem Outfit. So einen Anzug wollte sie auch unbedingt tragen, deshalb begann sie mit dem Ballett.

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Taisia Muraore (rechts) tanzt seit ihrem sechsten Lebensjahr Ballett. Hier zeigt sie dem neuen Nachwuchs beim Vortanz die richtigen Schritte.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Es ist zwanzig vor zehn Uhr und die Tänzer vom Ballett Kiel, das zum Theater Kiel gehört, strömen in den Ballettsaal des Opernhauses. Vorm Trainingsbeginn dehnen sie sich. Nebenbei machen sie sich die Haare, lachen viel und hören laut Musik. Punkt zehn Uhr betritt der Trainer den Saal, und die Tänzer stellen sich an die Stange. Das Training beginnt – auf Englisch. Der Trainer macht die Übungen vor, und die Tänzer markieren die Schrittfolge zuerst mit den Händen und tanzen sie dann zur Musik des Pianisten aus. Es herrscht volle Konzentration.

Taisia taucht während des Tanzens in eine andere Welt ein: „Das ist neben der Möglichkeit, sich mit dem Tanzen auszudrücken, der Grund, warum ich das Ballett so liebe.“ Diese Liebe zum Tanzen zeigte sich schon früh, als sie nach sechseinhalb Jahren im Alter von zwölf Jahren von Italien in das Ballettinternat nach Hamburg zog. Nach fünfeinhalb Jahren tanzte sie von 2008 bis 2013 im Corps de Ballett in Hamburg. Danach kam sie ins Ballett Kiel, wo die heute 25-Jährige immer noch tanzt.

Nach einer Dreiviertelstunde Training an der Stange gehen die Tänzer in die Mitte. Einige ziehen ihre Spitzenschuhe an. Taisia erklärt, manche zögen sie nicht an, damit sie nicht zu weich würden und die Tänzer die Schuhe vor dem Auftritt noch nähen müssten. Je nachdem, welches Stück gerade getanzt wird, verbrauche man ein bis fünf Paar Spitzenschuhe pro Woche. Bei der Übungsstunde deutet der Trainer nacheinander verschiedene Schrittfolgen an, die die Tänzer in Gruppen nachtanzen: erst Drehungen, dann Sprünge. Wenn Pannen passieren, wird darüber gelacht.

Nach insgesamt 90 Minuten Training gibt es eine Pause. Taisia nutzt diese meistens, um frische Luft zu schnappen. Anschließend haben die Tänzer wieder zwei Stunden Training, in denen sie Szenen üben oder einstudieren. Danach gibt es eine Stunde Mittagspause, in der die meisten in der Kantine des Opernhauses essen. Es folgt ein weiteres Training bis 18 Uhr. Montags haben die Tänzerinnen frei. Sonntags auch, wenn keine Vorstellungen sind. Wenn es am Abend eine Vorstellung gibt, enden die Proben um zwei Uhr.

Vor den Auftritten gibt es ein halbstündiges Aufwärmtraining, an dem Taisia immer teilnimmt, sie fühlt sich sonst nicht bereit, auf die Bühne zu gehen. Außerdem bereite sie ihre Spitzenschuhe mit Kolophonium vor, um nicht auf der Bühne auszurutschen. Vielleicht tut sie das, um ihr Lampenfieber zu lindern. Aber Taisia meint: „Mit Lampenfieber ist man aufmerksamer und dann geschehen nicht so viele Fehler.“ Während der Vorstellung verfliege das Lampenfieber und man konzentriere sich ganz auf den Tanz.

Nach der Vorstellung ertönt tosender Applaus, die Tänzer seien aber nie mit sich zufrieden. „Man wird keine Profitänzerin, wenn man sich als perfekt empfindet.“ Außerdem bräuchte man, um eine perfekte Ballerina zu werden, Geduld, da das Tanzen nicht einfach sei. Das ist ein Grund, warum die Tänzer an sich zweifeln. Trotzdem ist das Ballett Taisias Traumberuf. Sie wisse nicht, was sie sonst geworden wäre, schließlich habe sie sich ihr Leben lang nur auf das Ballett konzentriert. Nach ihrer Tanzkarriere würde sie gerne als Ballettmeisterin in einer Kompanie arbeiten.

Von Birka Willerich (14) und Jette Lipke (14)

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