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Integration unter einem Dach

Zisch-Schüler-Artikel Integration unter einem Dach

Nach der gemeinsam zubereiteten Mahlzeit sitzen alle zusammen im Wohnzimmer. Es läuft ein deutscher Film mit türkischen Untertiteln. Wie eine Familie teilen Lars Berwald aus Selent und die Flüchtlinge Fadi Ali und Nesrin Khalef, die bei ihm wohnen, sich das Sofa, und das frisch zubereitete Obst mit Nüssen wird von allen mit Freude verspeist.

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Lars Berwald (von links), Fadi Ali und Nesrin Khalef am Tag ihrer Ankunft.

Quelle: Julia Rosin

Selent. Vor sechs Wochen teilte Berwald dem Amt Selent/Schlesen mit, dass er Flüchtlinge bei sich aufnehmen möchte. Da er sein großes Haus seit zwei Jahren alleine bewohnt und er viel ungenutzten Wohnraum hat, bietet sich das an. Zwei Wochen später ziehen dann auch schon Fadi Ali und Nesrin Khalef, ein junges Ehepaar aus Syrien, bei ihm ein. Die beiden bekommen ein eigenes Schlaf- und ein eigenes Badezimmer. Küche und Wohnzimmer werden gemeinsam genutzt. Nachbarn und Freunde von Berwald reagieren auf die Neuankömmlinge sehr positiv und sie werden mit Spenden überhäuft.

Die beiden zeigen sich von Anfang an sehr dankbar und bemühen sich, sich zu integrieren, obwohl die Kommunikation schwierig ist, da sie kein Wort Deutsch sprechen. Trotz mangelnder Sprachkenntnisse wird Besuch stets freundlich von dem syrischen Paar begrüßt. Die Verständigung zwischen den Bewohnern des Hauses läuft größtenteils über Zeichensprache und mit ein wenig englisch, das Nesrin in der Schule gelernt hat.

Wie der Selenter schildert, brauchen Fadi Ali und Nesrin Khalef viel Hilfe, da sie zum Beispiel beim Einkaufen in einem deutschen Supermarkt kaum ein Produkt erkennen, außer Obst und Gemüse. Daher besuchte er mit ihnen zusammen den Sultanbasar in Kiel. Dort war es laut Berwald genau anders herum und er war derjenige, der kaum ein Lebensmittel kannte: „Die beiden waren total begeistert und haben lauter mir gänzlich unbekannte Lebensmittel eingekauft.“ Diese Erfahrung hat ihm einen guten Eindruck von der Situation der Flüchtlinge verschafft.

Ebenfalls als problematisch erwies sich die Mülltrennung, da die beiden Syrer dies aus ihrer Heimat gar nicht kannten.

Ansonsten helfen die zwei, wo sie können und übernehmen selbstständig Aufgaben im Haus. Nesrin putzt, macht die Wäsche und kocht nach Absprache syrische Speisen für alle oder hilft bei der Zubereitung, wenn Berwald selbst kocht. Ihr Mann Fadi übernimmt viele handwerkliche oder kraftaufwendige Aufgaben und hilft im Garten.

Auf die Frage, ob mehr Bürger Flüchtlinge zu Hause aufnehmen sollten, antwortet Lars Berwald: „Ja, unbedingt! Genau dadurch nämlich erreicht man buchstäblich Integration.“

Ein Artikel von Julia Rosin, 10b, Gymnasium Lütjenburg

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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