2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Die Rückkehr der Wölfe

Zisch-Schüler-Artikel Die Rückkehr der Wölfe

Im Jahr 2007 wurde nach über 100 Jahren der erste Wolf in Schleswig-Holstein in freier Wildbahn gesichtet. Seitdem kommt es immer wieder zur Beobachtung von Wölfen. Zurzeit halten sich wieder einige der Raubtiere in Schleswig-Holstein auf, und es werden immer mehr.

Voriger Artikel
Zu Gast bei Fußballprofis
Nächster Artikel
„Wir wurden beschimpft und bestohlen“

Bei der täglichen Fütterung im Wolfsinformationszentrum im Wildpark Eekholt lassen sich die dortigen, an Menschen gewöhnten Wölfe aus der Nähe betrachten.

Quelle: Jan Köster

Lammershagen. Einst war der Wolf aufgrund seiner hohen Anpassungsfähigkeit das am weitesten verbreitete Landsäugetier der Erde. Durch die Ausbreitung von Land- und Herdenwirtschaft wurde der Wolf immer weiter verdrängt. In Deutschland wurde er über viele Jahre verfolgt und gilt seit 1904 als ausgerottet.

Erst seitdem er seit 1979 in Europa streng geschützt ist und es in vielen Ländern große Bemühungen zur Arterhaltung gibt, breitet sich der Wolf langsam wieder aus. Im Jahre 2000 wurden die ersten freilebenden Wolfswelpen in Deutschland in der Lausitz geboren. Zurzeit leben wieder zwischen 12000 und 20000 Wölfe in Europa und davon etwa 300 in Deutschland. Die Zahlen steigen stetig.

Die meisten in Deutschland lebenden Wölfe kommen aus Polen nach Ostdeutschland. Auch in Schleswig-Holstein werden immer wieder Wölfe gesichtet. Die meisten von ihnen ziehen allerdings nur durch Schleswig-Holstein hindurch nach Dänemark. „Derzeit gibt es noch kein dauerhaft in Schleswig-Holstein lebendes Wolfsrudel. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis dies der Fall ist, da der Lebensraum hier den Anforderungen der Wölfe entspricht. Die in Schleswig-Holstein vorkommenden Einzelwölfe sind im Vergleich zu einem ganzen Wolfsrudel nur sehr schwer zu lokalisieren“, verrät Hauke Drews von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Die einwandernden Wölfe stellen eine völlig neue Situation für die in ländlichen Gebieten lebenden Menschen dar und bringen einige Probleme mit sich. Immer wieder nähern sich die Tiere dem Menschen. Gründe dafür können das Anfüttern durch Menschen oder Neugierde sein. Die dadurch entstehende Angst vieler Menschen vor dem „bösen Wolf“ ist laut des Wolfsexperten Dr. Hartmut Müller größtenteils unberechtigt: „Der Wolf ist von Natur aus ein Fluchttier und wird daher nie eine große Gefahr für den Menschen darstellen.“

Eine Gefahr könne jedoch von sogenannten Wolfshybriden, einer Kreuzung aus Hund und Wolf, ausgehen. Diese hätten nämlich keine natürliche Scheu vor dem Menschen. Auch Hauke Drews bestätigt: „In den letzten Jahren gab es europaweit kaum Angriffe von Wölfen auf Menschen.“ Jedoch: „Wenn man einem Wolf in freier Wildbahn begegnet, sollte man ihn in Ruhe lassen und keinesfalls bedrängen!“ Notfalls kann man einen aufdringlichen Wolf auch durch lautes Rufen vergrämen.

Allerdings ist die Angst des Menschen vor dem Wolf zumindest hinsichtlich gefährdeter Haustiere und Weidetiere berechtigt. Risse an Weidevieh wie Schafen und Ziegen machen den Wolf äußerst unbeliebt bei Nutztierhaltern. Meist werden nur die Tiere gerissen, deren Gehege schlecht gesichert waren. So müssen in Zukunft die Nutztierhalter ihre Herden besser sichern, um sie vor Wolfsangriffen zu bewahren. Hauke Drews sagt: „Dies kann man gut durch den Einsatz von Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden machen. Oder man pfercht die Tiere über Nacht in Elektrozaunnetzen auf engem Raum zusammen“. Zudem werden in Schleswig-Holstein 80 Prozent der Kosten für geeignete Schutzmaßnahmen in ausgewiesenen Wolfsgebieten sowie durch Wolfsrisse entstandene Verluste am Weidevieh vom Land ersetzt.

Aufgrund seiner Hauptnahrung, die aus Rehen, Wildschweinen, Dam-, und Rotwild besteht, ist der Wolf eine große Konkurrenz für jeden Jäger. Außerdem beeinflusst er die Lebensweise der Wildtiere, da diese durch die Anwesenheit des Wolfes viel scheuer werden. Man sollte sich aber vor Augen führen, dass ein Jagdrevier etwa ein bis 20 Quadratkilometer groß ist. Das Jagdgebiet eines Wolfsrudels ist hingegen zwischen 150 und 350 Quadratkilometer groß und erstreckt sich somit über viele Jagdreviere. So muss sich kein Jäger Gedanken darüber machen, dass die Wölfe ihm das gesamte Wild wegfressen könnten. Außerdem erfüllt der Wolf durchaus eine wichtige Rolle für das Ökosystem, indem er vor allem krankes und schwaches Wild frisst.

Der Wolf bringt noch jede Menge weiterer Probleme mit sich, wie zum Beispiel vermehrte Wildunfälle, das Eintragen von Krankheiten wie Tollwut oder die lokale Gefährdung bestimmter Tierarten, wie zum Beispiel das Muffelwild im Flachland. Laut Dr. Hartmut Müller seien die meisten Probleme allerdings kaum von Bedeutung: „Es werden zwar vereinzelt Weidetiere gerissen, doch das nur in so geringen Maßen, dass es die Existenz eines Nutztierhalters nicht gefährden kann. Außerdem wird sich auch die Zahl der Wildunfälle kaum merkbar verändern, da diese ohnehin schon sehr hoch ist.“

Wie viele Wölfe werden in der Zukunft noch nach Deutschland kommen? „Ich denke, es werden nicht mehr viele Wölfe kommen, schließlich ist die Reviergröße eines Wolfsrudels riesengroß und so die Menge an Wölfen klar begrenzt. Außerdem ist auch nicht der Lebensraum jeder Region Deutschlands für den Wolf geeignet“, so Müller.

Ein Artikel von Alexander Timpe, Gymnasium Lütjeburg, Klasse 10b

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Zisch - Zeitung in der Schule

Hier erhalten Sie nähere Informationen zu dem Projekt "Zisch 2015" der Kieler Nachrichten und Kieler Volksbank. mehr

Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

Mehr aus ZiSch 2015 2/3