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Preetz

Abi-Betrug: Schule setzt Peilsender ein

Von Ulf B. Christen

Das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Preetz hat die Handy-Schummelei bei Klassenarbeiten auf ungewöhnliche Weise gestoppt. Das Gymnasium setzt als wohl einzige Schule in Schleswig-Holstein spezielle Peilsender ein, die aktive Handys orten und Alarm schlagen.
Foto: Die "Erinnerungshilfe", der spezielle Peilsender, hat sich am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Preetz bewährt, sagen Informatiklehrer Torsten Röhl und Schulleiterin Anja Grabowski.

Die "Erinnerungshilfe", der spezielle Peilsender, hat sich am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Preetz bewährt, sagen Informatiklehrer Torsten Röhl und Schulleiterin Anja Grabowski.

© Paar

Preetz. „Ich habe das Konzept vor Kurzem im Schulleiter-Arbeitskreis vorgestellt“, erzählt die Leiterin des Friedrich-Schiller-Gymnasiums (FSG), Anja Grabowsky. Die Kollegen aus Kiel und dem Umland seien sehr interessiert gewesen, weil es auch bei ihnen Debatten über den Umgang mit Handys, Smart- und iPhones im Schulalltag gebe. Ein besonderes Problem sind die Klassenarbeiten und insbesondere die Abi-Klausuren.

 „Wir haben uns am FSG etwas Besonderes einfallen lassen“, so Informatiklehrer Torsten Röhl. Die Schüler müssen ihre Mobilfunkgeräte nicht nur wie in anderen Gymnasien vor Klausuren abschalten und auf einem Sammeltisch deponieren. Im Klausurraum und dem dazugehörigen Toilettentrakt werden zwei mobile Peilsender aufgestellt. Die buchgroßen Geräte schlagen an, wenn ein Handy in Kontakt zu einem Funkmast tritt. Dann leuchtet eine kleine, rote Warnlampe. Zudem gibt das Gerät Alarm, mit einem ohrenbetäubenden Sinuston. Im Ernstfall müssten alle Schüler ihre Stifte so lange beiseite legen, bis das Handy gefunden sei, berichtet Grabowsky. „In den meisten Fällen hatten Schüler einfach nur vergessen, ihr Handy abzuschalten“, sagt Röhl. „Wir sehen die Sender deshalb als Erinnerungshilfe.“

 Aufgestellt werden die Sender vor allem in der Oberstufe, bei den Abi-Arbeiten und den Vor-Klausuren. Zum Einsatz kam die Schummelkontrolle aber auch schon bei jüngeren Schülern, und zwar „immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass in einer Klasse häufiger gemogelt wird“, so Grabowsky.

 Sorgen, dass Schüler die Technik austricksen, hat Röhl nicht. Das System sei sicher. Zudem hätten einige Schüler sogar selbst auf mehr Kontrolle gedrungen. Sie hätten es unfair gefunden, dass Mitschüler sich mit Hilfe des Handys einen Vorteil und bessere Noten verschaffen würden. „Einige Schüler haben noch ganz andere Ideen gehabt“, sagt Röhl. Sie hätten am liebsten den gesamten Internetverkehr in der Schule kontrolliert, berichtet der Lehrer. Spionagesender lehne er daher ab. „Wir sind doch keine Überwachungsschule.“

 Entwickelt wurde der Peilsender schon im Jahr 2007 in einer Schule in Stuttgart. Im Norden zog nun das Friedrich-Schiller-Gymnasium nach. Das Hightech-Gerät, das selbst keine Strahlung aussendet, kostet um die 100 Euro, im Selbstbau etwa die Hälfte. Seite 10

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