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Busunfall in Hamburg

Feuerwehrmann will nicht aussagen


Ein Feuerwehrwagen und ein Linienbus krachen in Hamburg-Tonndorf ineinander. Nun hat der Prozess gegen den Fahrer des Löschfahrzeugs begonnen. Ein Knackpunkt ist: Wann genau schaltete er das Martinshorn ein? Vor Gericht will der Angeklagte nichts sagen.
Einsatzkräfte der Hamburger Polizei und der Hamburger Feuerwehr stehen am 06.07.2011 in Hamburg neben einem Bus, der in einem Vorgarten steht.

Einsatzkräfte der Hamburger Polizei und der Hamburger Feuerwehr stehen am 06.07.2011 in Hamburg neben einem Bus, der in einem Vorgarten steht, und bereiten die Bergung einer Leiche vor, die bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben kam. Vor gut einem Jahr rammte ein Feuerwehrauto in Hamburg-Tonndorf einen Linienbus. Zwei Menschen starben, 23 wurden verletzt. Am Montag (13.08.2012) beginnt der Prozess gegen den Fahrer des Löschfahrzeugs.

© dpa

Hamburg. Auf dem Weg zu einem Brand rammte ein Feuerwehrwagen in Hamburg-Tonndorf einen Bus. Zwei Fahrgäste starben, 23 Menschen wurden verletzt. Gut ein Jahr nach dem Unfall muss sich der Fahrer des Löschfahrzeugs seit Montag vor dem Landgericht verantworten. Zu den Vorwürfen der Anklage will der 28 Jahre alte Feuerwehrmann schweigen.

„Ihn belastet das derart stark, dass ihm eine Aussage nicht empfohlen werden kann“, sagte sein Verteidiger. Außerdem wisse er vieles rund um den Zusammenstoß nicht mehr — möglicherweise, weil er es verdrängt habe. Der 28-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Ihm stehe ein schwieriger, belastender Prozess bevor, erklärte sein Anwalt. „Aber er wird wohl Feuerwehrmann bleiben, das glauben wir.“

Bei dem schlimmsten Busunfall in der Geschichte des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) kamen am 6. Juli 2011 im Stadtteil Tonndorf im Osten der Hansestadt eine 62-jährige Frau und ein 78 Jahre alter Mann ums Leben. 18 Fahrgäste und der Busfahrer sowie vier Feuerwehrmänner in dem Einsatzfahrzeug wurden verletzt. Der Bus war erst im Vorgarten eines pensionierten Feuerwehrmannes zum Stehen gekommen.

Der Fahrer des Löschfahrzeugs war mit Blaulicht unterwegs. Das Martinshorn schaltete er laut Anklage aber erst kurz vor einer Busausfahrt ein — und fuhr dann mit etwa Tempo 50 bei Rot über eine Ampel.

Ein Polizist sagte am Montag als Zeuge, ein Fahrgast des Busses habe ihm erzählt, das Einsatzhorn sei sehr spät eingeschaltet worden: „Eine Tonfolge, und dann muss es geknallt haben.“ Der Fahrer des Feuerwehrwagens sei nach dem Unfall „völlig fertig“ gewesen und habe unter Schock gestanden, berichtete der Polizist. „Er hat gezittert, ganz leise gesprochen.“ Er habe nur kurz die Personalien des Fahrers aufgenommen, „dann hab ich ihn in Ruhe gelassen“.

Auch drei Feuerwehrbeamte brachten als Zeugen keine Klarheit darüber, wann genau das Martinshorn eingeschaltet wurde. Die Männer hatten ebenfalls in dem Löschfahrzeug gesessen. „Man fährt die Strecke so oft, da zweifelt man an sich selber“, sagte etwa ein 43-Jähriger. „War das die Alarmfahrt oder war das eine andere Alarmfahrt?“ Im Einsatzfahrzeug habe er plötzlich einen Kollegen rufen hören: „Vorsicht, der Bus!“ — „und dann hat's geknallt“. Für die Zeit danach habe er einen „Filmriss“.

Der Angeklagte — kurze, dunkelblonde Haare, dunkelblaue Feuerwehruniform — hörte im Gerichtssaal aufmerksam und konzentriert zu. Was in ihm vorging, war nicht zu erkennen. Die Zuschauerreihen waren dicht besetzt, am ersten Verhandlungstag mischten sich zahlreiche Feuerwehrkollegen in Uniform unter das Publikum. In einer Verhandlungspause versorgten sie den 28-Jährigen mit Kaffee.

Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung sahen sich am Montag auch Aufnahmen vom Unfallort auf einem Bildschirm an. Für Zuschauer und Pressevertreter waren die Bilder nicht zu sehen. Der Verteidiger betonte, auf den Aufnahmen sei zu erkennen, dass sein Mandant trotz eigener Verletzungen anderen Verletzten geholfen habe: „Er war zwar verletzt, ist aber trotzdem sofort ausgerückt zur Hilfeleistung.“

Für den Prozess sind neun weitere Termine bis zum 12. September angesetzt. Am nächsten Verhandlungstag an diesem Donnerstag soll unter anderem der Busfahrer als Zeuge befragt werden.

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