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Ur-Ur-Großvater aus Stockelsdorf

Mitt Romney hat Holsteiner Blut

Von Karin Jordt

Dass Mitt Romney gern amerikanischer Präsident werden möchte, wird in Ostholstein besonders aufmerksam beobachtet. Denn hier hat der Bewerber, der für die Republikaner gegen US-Präsident Obama antreten möchte, jede Menge entfernte Verwandte.
Mitt Romney (65) ist genauso alt wie sein entfernter Cousin Gerd in Germany, strebt aber beruflich eine andere Karriere an …

Mitt Romney (65) ist genauso alt wie sein entfernter Cousin Gerd in Germany, strebt aber beruflich eine andere Karriere an …

© Foto dpa

Bad Schwartau. Romneys Ur-Ur-Großvater Carl Heinrich Wilcken (1831 bis 1914) stammte aus Eckhorst bei Stockelsdorf und wanderte als junger Mann nach Amerika aus. „Dass wir Verwandte in den USA haben, wussten wir“, erzählt Gerd Wilcken aus Bad Schwartau-Rensefeld, dessen Ur-Ur-Großvater ein bodenständiger Bruder des Auswanderers war. Dass Multimillionär Mitt Romney sein gleichaltriger Cousin um drei Ecken ist, habe er aber erst vor Kurzem erfahren. „Wir sind Holsteiner Jungs, progressiv konservativ und zielstrebig“, stellt der Landwirt fest, doch damit enden die Gemeinsamkeiten mit Romney auch schon. Dass die Kandidaten sich im US-Wahlkampf gegenseitig schlecht machen, gefällt dem 65-Jährigen gar nicht. „Wir schwenken hier auch keine amerikanischen Flaggen“, meint seine Frau Ute, „aber interessant und spannend ist die Geschichte schon.“

 Zumal die Nachkommen, sowohl in den USA wie auch in Ostholstein, Familienforschung betreiben und inzwischen eine lange Ahnentafel zusammengetragen haben. Ein Mann auf der Liste ist Carl Heinrich Wilcken, der im Frühjahr 1857 seine Frau Eliza Christina Carolina Reiche Wilcken (1830-1906) und seine beiden kleinen Kinder zurückließ, um in Südamerika eine neue Existenz aufzubauen. Schon einer seiner älteren Brüder war zuvor dorthin ausgewandert. Doch Carl Heinrich, der sich später Charles Henry nannte, stieg in Liverpool auf das falsche Schiff und landete einige Wochen später in New York – arm wie eine Kirchenmaus und ohne Perspektive.

 „Meine Erwartungen wurden enttäuscht“, schreibt Wilcken in seinen Erinnerungen, „ich verstand die Sprache nicht und fand keine Arbeit.“ Schließlich ließ er sich für die Armee von General Albert Sidney Johnston anwerben, um im Westen eine rebellische Gruppe von Mormonen niederzuschlagen. „Das war meine Chance, etwas zu tun“, berichtet er. Doch wenige Monate später desertierte Wilcken, lief zu den Mormonen über und siedelte sich in Salt Lake City an. Zunächst arbeitete er in einer Mühle, dann als Missionar und in verschiedenen Diensten – als „Arbeiter-Biene im Bienenstock von Zion“, so Zeitzeugen. Unter anderem sorgte er als „Watermaster“ (Wasserbeauftragter) dafür, die Bewässerung des Landes und die Versorgung mit Trinkwasser für die wachsende Bevölkerung zu sichern.

 1860 kam seine Frau Eliza mit den beiden Kindern Anna Johanna Dorothea, genannt Dora, und Carl junior nach. 1873 trafen auch seine verwitwete Mutter Annie, sein Bruder August und drei Nichten, Töchter der älteren Schwester Anna Catharina Christine Dahmke, in den USA ein. Wilckens Enkelin, Anna Amelia Pratt (1876 bis 1926), Tochter von Dora Wilcken (1854 bis 1929), heiratete Gaskell Romney (1871 bis 1955). Ein Sohn aus dieser Verbindung ist George Wilcken Romney, der Vater von Mitt Romney, der den alten deutschen Familiennamen sogar als zweiten Vornamen bekommen hat. So schließt sich der Kreis.

 Carl Heinrich Wilcken hatte, wie damals bei den Mormonen verbreitet, mehr als eine Frau, so Biografen. Neben Eliza, die er 1853 noch in Deutschland geheiratet hatte, soll er ab 1861 noch weitere drei Frauen und insgesamt 15 Kinder gehabt haben. Die Polygamie wurde bei den Mormonen durch ein Manifest ab 1890 offiziell abgeschafft, doch der Beziehungswirrwarr der Vorfahren wird Mitt Romney, selbst auch Mormone, in der Schlammschlacht des Wahlkampfs bis heute vorgeworfen.

 Präsident zu werden war auch schon vor Jahren ein Ziel von Vater George. Wenn Mitt es ebenfalls nicht schafft, tritt vielleicht die nächste Generation an. Immerhin haben Ann und Mitt Romney fünf Söhne und 16 Enkelkinder. Und wenn sie mal nett Urlaub in good old Germany machen möchten, werden auf dem Ferienhof Wilcken in Rensefeld für sie die schönsten Zimmer reserviert. dt

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