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JVA Lübeck

Versuchte Geiselnahme im Gottesdienst

Von Bastian Modrow

Schwerer Zwischenfall in der Justizvollzugsanstalt Lübeck: Bei einem Gottesdienst hat ein Sexualstraftäter versucht, eine junge Wärterin zu überwältigen. Nur durch einen Biss in die Hand des Angreifers gelang es der Frau, sich zu befreien. Derweil übt die Gewerkschaft der Polizei schwere Kritik an der Personalausstattung in Gefängnissen.
Foto: Der Sicherungsverwahrte habe versucht, die Frau zu überwältigen, als sie ihm während eines Gottesdienstes für einen Toilettengang die Türen aufschloss (Symbolbild).

 Der Sicherungsverwahrte habe versucht, die Frau zu überwältigen, als sie ihm während eines Gottesdienstes für einen Toilettengang die Türen aufschloss (Symbolbild).

© dpa

Lübeck.  Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) übt schwere Kritik an der Personalausstattung der Justiz in dem Gefängnis. Der Strafgefangene hatte die letztlich doch noch vereitelte Geiselnahme offenkundig von langer Hand aus geplant. Beim Adventsgottesdienst am Sonnabend schlug er zu. Gemeinsam mit knapp 90 anderen Insassen der JVA Lübeck, in der landesweit alle Schwerstkriminellen und Sicherungsverwahrten untergebracht sind, war er der Einladung zur Andacht in einem der Gemeinschaftsräume gefolgt. „Während des Gottesdienstes verließ er unter dem Vorwand, auf die Toilette zu müssen, den Raum, sodass ihm die Mitarbeiterin aus Sicherheitsgründen folgen musste“, berichtet Thorsten Schwarzstock, Landesvorsitzender der GdP-Justizgruppe. Der einschlägig vorbestrafte Sex-Täter nutzte die Situation systematisch aus: „In dem Augenblick, als die Kollegin die Tür im Gang hinter sich abschließen wollte und sich kurz umdrehte, trat er von hinten an sie heran und hielt ihr den Mund zu“, berichtet der Gewerkschafter.

Nach Informationen unserer Zeitung war der Inhaftierte im Besitz eines geknüpften Seils, um sein Opfer zu fesseln, und eines scharfen Messers. Er soll der Justizangestellten gedroht haben: „Wenn du schreist, bist du tot.“ Dennoch gelang es der Beamtin, sich mit einem kräftigen Biss in die Hand des Angreifers aus der Umklammerung zu befreien und per Funk Alarm auszulösen. Mitgefangenen und JVA-Angestellten gelang es, den Täter zu überwältigen.

Die Gewerkschaft fühlt sich durch den Vorfall bestätigt. Sie beklagt seit Längerem, dass es in der Justizvollzugsanstalt zu wenig Personal gibt. „Speziell an den Wochenenden sieht es prekär aus, dort wird mit Minimalbesetzung gearbeitet“, sagt Schwarzstock. Bisweilen müsse sogar „unter Soll“ gearbeitet werden. Der schwere Zwischenfall ist umso alarmierender, als dass der Gefangene bereits mehrfach auffällig geworden ist. Der End-Vierziger befindet sich seit fünf Jahren in Sicherungsverwahrung, zuvor hatte er eine Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren wegen sexueller Nötigung abgebüßt. Seine Vita ist gespickt mit schweren Straftaten. Auch in der JVA ist der Mann kein „unbeschriebenes Blatt“. Der Versuch einer Therapie scheiterte. Nach Informationen unserer Zeitung wurden detaillierte Aufzeichnungen in seiner Zelle gefunden, in denen er über das Verhalten weiblicher Justizbeamtinnen Tagebuch geführt hatte. Bei Mitarbeitern sei bekannt, dass sich der Gefangene sexuell zu „Frauen in Uniform“ hingezogen fühle.

Nach dem Überfall hat die Lübecker Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Die JVA-Mitarbeiterin, die Anfang 30 sein soll, ist traumatisiert und nach dem Angriff vorsorglich zur Beobachtung in die Lübecker Uni-Klinik gebracht worden.

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