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Erlebnisse von den Rändern des Festivals

Geschichten von Orson Welles und Eva Longoria


war ein verregnetes Festival wie selten in Cannes. Regenschirmverkäufer alle paar Meter. Das geht auf die Nerven der Festivaliers wie der Marktteilnehmer. Nichts ist vorgesehen in den Kinos, Lounges und Foyers für nasse Regenschirme - genauso wenig wie der Regen im Mai. Als endlich nach einer Woche der Himmel aufriss und die Sonne wieder schien, waren sich alle einige: Endlich war Cannes wieder Cannes.
Einfühlsamer Gewinner: Michael Haneke

Einfühlsamer Gewinner: Michael Haneke

© dpa

Aber da war eigentlich schon alles gelaufen. Der Wettbewerb, die Stars von Jane Fonda bis Michel Piccoli, von Brad Pitt bis Nicole Kidman. Und der Filmmarkt, treibende Kraft des Festivals, bricht wegen der hohen Hotelkosten nach einer Woche die Zelte ab. Das Klima hat unweigerlich Einfluss auf die Filmwirtschaft, trifft sich die Branche doch alltäglich zwischen fünf und sieben in den Ständen am Strand zum Gedankenaustausch. Dort werden neue Filme geboren, finden sich Regisseure und Produzenten, werden nebenbei auch echte Geschäfte gemacht. Aber wenn sich die Sonne versteckt und der Strand verregnet ist, drängeln sich alle drinnen auf wenigen Quadratmetern. Gute Diskussionen ergibt das nicht. Dabei sind Kontakte alles im Filmbusiness, wo oft ein Projekt auf ein oder zwei Namen aufgebaut wird.

Brad Pitt machte den Anfang. Ein Interview mit dem Hollywood-Star kostete in Cannes 2500 Dollar. Solche Fälle sind zwar in den USA schon länger bekannt, für Europa aber absolut neu. Und auch sonst ändert sich einiges in Cannes. Die Rolle der Stars übernehmen gern auch mal die Topmodels; und die grossen Marken wie L’Oreal mit seiner Charme-Botschafterin Eva Longoria, die Telekommunikationsfirma Orange oder Nespresso gönnen sich zum Festival ihren eigenen Strand, an dem abends die grossen Feste stattfinden. Gleichzeitig werden die Eintrittskarten für die Kinos immer knapper. Bisher reihten sich die Filmfreunde vor dem Festspielpalais - dieses Jahr zogen sie sich ab dem frühen Morgen bis zu dreihundert Meter weit in die umliegenden Strassen.

Da tut es gut, wenn auch das alte Cannes wieder zu Wort kommt. Etwa in Form des 97-jährigen Norman Lloyd, Schauspieler, Regisseur und Produzent, der mit Orson Welles, Charlie Chaplin und Jean Renoir gearbeitet hat, aber als Bühnenschauspieler auch Hans Eisler, Bertolt Brecht kannte. Eine sprudelnde Quelle ist der Mann: Alles ist da. Man muss nur einen Namen nennen. Zur Ära McCarthy sagte er: „ Ich hatte Glück - als es mit mit dem Kino nicht mehr ging, konnte ich zum Theater zurück.“ Aber auch: „Jedesmal, wenn einer aufstand und sagte, ich brauche diesen Mann, bekam er ihn, obwohl der auf der schwarzen Liste stand. Es war also möglich, gegen das System anzugehen“. Freuen konnte man sich auch über die Verleihung der Carosse d’Or an Nuri Bilge Ceylan. Der türkische Regisseur wurde zur Eröffnung der Quinzaine des Réalisateurs durch den französischen Regisseursverband für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Ceylan bedankte sich, indem er schmunzelnd feststellte, er fühle sich geehrt durch diesen Preis, weil die Regisseure doch anspruchsvolle und schwierige Leute seien. Auch der Geburtstagsfilm zum 65. Festival, „Le Film Anniversaire: Une Journée Particulière“, machte Spaß: Festivalchef Gilles Jacob hatte da bei früheren Festivals preisgekrönte Regisseure versammelt und sie jeweils eine kurze Filmszene drehen lassen. Das ist höchst kurzweilig und zeigt, dass Regisseure auch nur Menschen sind. Der Film wird auf Arte laufen.

Drumherum zeigte sich das Filmprogramm - meist jenseits des Wettbewerbs - diesmal durchaus politisch. Der Hamburger Filmemacher Fatih Akin kehrte in das Dorf seines Grossvaters zurück und filmte eine Müllkippe, die das Dorf vergiftet, und den Protest der Dörfler: „Müll im Garten Eden“. „Trashed“, ebenfalls ausser Wettbewerb, von Candida Brady berichtet von den ungeheuren Müllmengen, die im Ozean liegen und sich bereits in die Fische verbreitet haben - von der Flugasche mit Dioxin, Ergebnis unserer Müllverbrennungsanlagen, von Agent Orange in Vietnam. In San Francisco gibt es seit 2002 das recovery recycling, das zehn mal mehr Jobs schafft als die normale Müllverwertung. Bekannte Fakten, die aber über die sympathische Präsenz von Jeremy Irons, der in „Trashed“ dafür wirbt, dass jeder einzelne seinen Müll reduzieren muss, dürfte den Film auch einem grösseren Publikum zugänglich machen.

Im Wettbewerb zeigte der Neuseeländer „Killing them softly“ - und eine amerikanische Kleinstadt mitten in der Krise 2008, die für so viele stehen könnte. Trostlos grau sind die Bilder, und Brad Pitt spielt darin einen Killer der oberen Klasse, während das urbane Proletariat die schnöderen Aufträge ausführt. Was sollen sie auch anderes tun? Da geht es ihnen ganz ähnlich wie den Menschen im marokkanischen Dokumentarfilm „Les chevaux de Dieu“ (Gottes Pferde)von Nabil Ayouch, wo Einwohner eines Slums in Casablanca zu islamistischen Attentätern werden. Beide Filme zeigen, wie düster die Zukunft aussieht, wenn die Weltgesellschaften die Frage der Armut nicht in den Griff bekommt. Darezhan Omirbayev aus Khasachstan geht in „Student“, einer hervorragenden Adaption von Dostojewskijs „Schuld und Sühne“ einen Schritt weiter: Das Gesetz des Kapitals ist Naturgesetz. Nur die Starken überleben, und dank neuer Technologien braucht es eigentlich nur ein Fünftel des Volkes, um die Produktion aufrecht zu erhalten!

Dahinter blieb das Qualitätsniveau im Wettbewerb einigermaßen zurück. Vor der Preisverleihung (Sonntag, 27. Mai) zirkulieren in Cannes nur einige wenige Namen, die allgemein als Spitzenreiter gehandelt werden: „ Rost und Knochen“ von Jacques Audiard, „Amour“ von Michael Haneke, „Hinter den Hügeln“ von Cristian Mungu.

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