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Fußball VfR verliert erst in der Verlängerung
Sport Fußball VfR verliert erst in der Verlängerung
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00:18 07.08.2013
Von Jörg Lühn
Jubel bei den Spielern von Hertha BSC, hängende Köpfe beim VfR Neumünster: Am Ende reichte es nicht für die tapfer kämpfenden Veilchen. Quelle: dpa
Neumünster

Die Berliner wischten sich den Schweiß von der Stirn. Nahezu jeder wusste um den Glücksfaktor des Sieges. Sami Allagui traf mit einem Strafstoß zum entscheidenden 3:2. VfR-Torhüter Marcus Hesse streckte sich so lang er konnte, hatte den Ball auch an der Hand – nur abwehren konnte er ihn nicht mehr. „Leider mussten wir über 120 Minuten ran, der VfR hat eine gute Leistung abgeliefert, doch für uns zählt nur das Weiterkommen“, sagte Allagui.

Der VfR Neumünster traf in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Hertha BSC.

Zuvor hatte Finn-Lasse Thomas den zweifachen Berliner Torschützen Änis Ben-Hatira an den Hacken zu Fall gebracht. Schiedsrichter Benjamin Cortus (TSV Burgfarnbach) kannte kein Erbarmen und zeigte auf den Punkt. „Ich denke, es war ein bisschen Ermüdung bei dem Spieler, Änis wollte doch zur Ecke laufen“, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay. Er zollte dem VfR einen Riesenrespekt. „Ich glaube, mein Trainerkollege fühlt sich jetzt so wie ich vor einem Jahr in Worms“, ergänzte Luhukay und erinnerte an das 1:2 der Berliner. Thomas gab einen Körperkontakt mit dem Herthaner zu, glaubte aber auch, dass der Tunesier sich geschickt fallen ließ. „Erste Liga – und keiner weiß warum“ sangen die VfR-Anhänger in Richtung der Berliner.

Zuvor hatte der VfR bereits einmal mit dem Unparteiischen gehadert. Unmittelbar vor Ablauf der regulären Spielzeit zeigte Cortus dem VfR-Ausgleichstorschützen Christopher Kramer die Gelb-Rote Karte. „Ich finde den Platzverweis überbewertet. Mein Gegenspieler hakt sich bei mir im Oberschenkel ein“, sagte Kramer.

Dabei begann die Partie für die Veilchen wie im Traum. Mit einem direkt verwandelten Freistoß sorgte VfR-Neuling Michél Harrer für das 1:0. Hertha-Torhüter Thomas Kraft, dessen Anweisungen Stimmenbruch-Charakter hatten, sah hier ganz alt aus. „Wir hatten schon einen Plan, auch wenn die Führung so sicher nicht geplant war“, sagte VfR-Trainer Ervin Lamce. „Respekt und Kompliment an meine Mannschaft.“

Die Berliner kamen jedoch schnell zurück. „Leider kriegen wir zwei Tore, die wir durch individuelle Fehler selbst verschulden“, sagte Patrick Nagel. Vor dem Ausgleichstreffer ließ er sich von Allagui austanzen. Hesse verließ das Tor und Ben-Hatira hatte keine Mühe, den Ball zum 1:1 (16.) über die Linie zu drücken. Beim 2:1 (30.) der Gäste war es der eigentlich überragende Yannik Jakubowski, dem in der Spieleröffnung nur dieser eine Fehlpass unterlief. Thomas kam nicht mehr hinterher, Ben-Hatira traf per Linksschuss.

Das Spiel hatte nun seinen erwarteten Verlauf genommen. Aber das VfR-Team füllte in der Pause nicht nur seinen Wasserhaushalt auf, sondern tankte auch frischen Mut. Die Grümmi-Arena wurde zum Tollhaus, als Kramer per Kopf das 2:2 (58.) erzielte. Die anfangs sehr lautstarken Hertha-Fans verstummten zusehends. Angesichts der hohen Temperaturen war klar, dass das nächste Tor die Entscheidung bringen würde.

Der VfR hatte durch Thomas (81.), einer Rave-Vorarbeit (82.) und einer Jakubowski-Flanke (88.), die beide Kramer zum Ziel hatten, gute Gelegenheiten auf den K.o. Von den Berlinern war im zweiten Spielabschnitt kaum noch etwas zu sehen. „Wir haben es in der zweiten Halbzeit schleifen lassen“, sagte der neue Hertha-Kapitän Fabian Lustenberger.

In der Verlängerung trotzten die Neumünsteraner trotz Unterzahl weiter dem übermächtigen Kontrahenten. Bei einem Pfostenschuss von Allagui (94.) sowie einem Kopfball des besten Berliners, den Hesse sensationell entschärfte (116.), hatten die Gastgeber das nötige Quäntchen Glück. Ein Pfiff von Schiedsrichter Cortus ließ den VfR-Traum von der nächsten Pokalrunde brutal platzen.

VfR: Hesse – Thomas, Schäfke, Jakubowski, Nagel (115. M. Schultz) – K. Schulz, Rave –Zekjiri (82. Olthoff), Harrer, Moslehe (64. Bönigk) – Kramer.

Hertha BSC: Kraft – Ndjeng, Langkamp, Brooks, van den Bergh – Lustenberger, Kluge (112. Hosogai) – Allagui, Baumjohann (80. Mukhtar), Ben-Hatira – Ramos (64. Wagner).

Schiedsrichter: Cortus (TSV Burgfarnbach) – Tore: 1:0 Harrer (5.), 1:1 Ben-Hatira (16.), 1:2 Ben-Hatira (30.), 2:2 Kramer (58.), 2:3 Allagui (120.+1, FE) – Zuschauer: 5446 – Gelb-Rote Karte: Kramer (90., wiederholtes Foulspiel).

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