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Holstein Kiel Unruhen sind Schlag gegen den Sport
Sport Holstein Kiel Unruhen sind Schlag gegen den Sport
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11:36 17.07.2015
Von Jörg Lühn
SHFV-Lotto-Pokalfinale zwischen den VfB Lübeck und Holstein Kiel: Auch auf der Tribüne zündelten die Fans. Quelle: Jörg Lühn
Lübeck

Die Fußballer des VfB Lübeck siegten dank eines Treffers von Christopher Kramer 1:0 (17.) und sind mit 13 Titeln nun Landesrekordpokalsieger.

 Für viel mehr Gesprächsstoff sorgten die gezündeten Farbtöpfe, die den Austragungsort Lohmühle schwer in Verruf brachten. 38 Minuten Verzögerung vor Beginn der Partie, dazu eine fünfminütige Unterbrechung nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit demonstrierten das gesamte Chaos. „Für mich ist das ein deutlicher Schlag gegen unseren Sport“, sagte SHFV-Präsident Hans-Ludwig Meyer.

 Die Unruhe begann, als die Polizei rund 17 Minuten vor dem geplanten Anpfiff auf den Sturm der VfB-Fans aus der sogenannten Pappelkurve Richtung Sitzplatz-Tribüne reagierte. Der Stadionsprecher kündigte eine Durchsuchung der zum Teil vermummten Anhänger, die sich 40 Minuten zuvor mit Leitern und bepackten Rucksäcken Zugang zum Block G6 verschafft hatten, an: „Bitte haben Sie Verständnis für die Maßnahme zur Gefahrenabwehr.“ Aus dem Lautsprecher erklang derweil der Beatles-Klassiker Let it be (Lass es geschehen). Viel mehr Ironie geht kaum.

 Derweil wurden schnell noch schwarze und grüne Nebeltöpfe gezündet. Die Rauchschwaden zogen unter das Dach der Sitzplatztribüne und hüllten alles in Nebel. Fünf Hundeführer gingen auf dem Spielfeld in Position. „Uns ist es gelungen, mit der Polizei, den Sicherheitskräften, dem Fanprojekt Lübeck, dem Verein und uns als Verband die Situation soweit zu deeskalieren, dass nichts passiert ist“, sagte Tim Cassel, Abteilungsleiter Soziales im SHFV.

 Dennoch erinnerte Vieles an das Endspiel auf der Lohmühle 2011, als neutrale Zuschauer ebenfalls um ihre Sicherheit fürchten mussten. Auch damals gab eine Spiel-Verzögerung und später sogar noch bei der Siegerehrung. Die Auseinandersetzungen vor vier Jahren begannen bereits Stunden zuvor außerhalb des Stadions, ehe später noch Jagdszenen der rivalisierenden Fangruppen auf dem Spielfeld folgten.

 Am Mittwoch wurden die sogenannten Fans ohne vollständige Visitation wieder in die Pappelkurve zurückgeleitet. Das Zündeln und der Spott gegen den SHFV hörten nicht auf. Auch die Kieler Anhänger hatten sich mit ihren Farben präpariert. Es flogen verbale Giftpfeile und Hasstriaden hin und her. „Wir werden die Abläufe analysieren und unsere Schlüsse aus der Sache ziehen“, sagte Cassel. Meyer ergänzte, dass die Spieler trotz der Rivalität immer die Grenzen erkannt hätten. Die Fans könnten sich daran ein Beispiel nehmen. Beim Abpfiff der Begegnung atmete Hans-Ludwig Meyer jedoch erleichtert auf und sagte: „Die Horrorstunden des schleswig-holsteinischen Fußballs sind überstanden.“

 Sportlich hatte die Partie kaum Nährwert. Lediglich Kramer zeigte sich als glücklicher Mann am Abend. Der 25-Jährige war mit dem VfR Neumünster im Halbfinale an Holstein Kiel (0:2) gescheitert und markierte nun das Siegtor im grünen VfB-Dress. „Ein besserer Einstand hätte mir gar nicht gelingen können“, sagte Kramer. Allerdings nervten ihn auch die lange Verzögerungen. „Ich war heiß wie ein Tiger und wollte unbedingt raus.“

 Holstein-Trainer Karsten Neitzel hob sogleich mahnend den Zeigefinger. „Für das, was vor 14 Tagen war, kann man sich nichts mehr kaufen. Alles muss sich neu erarbeitet werden.“ Sein Team hätte diesen Standard, dem Kramer-Tor ging ein Freistoß von Marcello Meyer voraus, verteidigen müssen. Ebenfalls sei es nicht gelungen, sich wie gewünscht im Lübecker Strafraum festzusetzen. „Wir dürfen keine Ausreden suchen, sondern müssen die Dinge analysieren. Schließlich haben wir ja Bilder von dem Spiel“, sagte Neitzel.

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KN-online (Kieler Nachrichten) 15.07.2015
Holstein Kiel VfB Lübeck - Holstein Kiel - 10000 Euro stehen auf dem Spiel

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Andreas Geidel 15.07.2015