Neumünster. Wenn ein Neuer kommt, zumal mit Paul Schockemöhle nicht irgendeiner, sondern der erfolgreichste, wenn auch nicht unbedingt diplomatischste Pferde(geschäfts)mann Europas, sind die Unkenrufe zunächst oftmals laut. Nach vier Jahren VR Classics unter der Regie des Machers aus dem niedersächsischen Mühlen müssen die Skeptiker zugeben, dass sich zwar einiges gedreht hat, der Gewinner des Großen Preis von Neumünster im Jahr 1972 aber nicht alles auf links gekehrt hat. Ausstellerhallen kamen hinzu, der Abreitebereich wurde zum „Public Viewing-Erlebnis“. Dort trifft man sich, dort wird geguckt, geshoppt und das eine oder andere Geschäft abgeschlossen. „Wir sind glücklich, das Konzept kommt gut an“, bilanzierte die für die Logistik verantwortliche Bettina Schockemöhle.
An den Prüfungen hat sich nur so viel verändert, dass das Angebot der für die Weltrangliste zählenden Springen sogar noch erweitert wurde. Am Start waren diesmal wieder Weltklassereiter, und die brachten etliche Top-Pferde mit. Die FEI-Weltcup-Dressur mit 15 Reitern aus zehn Nationen, das wohl wichtigste Erbe Horns, ist trotz der beengten Verhältnisse in der alten Halle dank des Schockemöhle-Einfluss’ erhalten geblieben. Chefrichterin Mariette Withages-Dieltjens aus Belgien attestierte Neumünster, eine „ganz besondere Erfahrung“ zu sein: „Du fühlst den Atem der Zuschauer im Nacken.“ Einen „Oscar“ würde sie vergeben für das „fachkundige Publikum“. Da ist es kein Wunder, dass der Hauptsponsor, die Volksbanken und Raiffeisenbanken, nach der gelungenen 62. Auflage des Klassikers die Zusammenarbeit um weitere drei Jahre verlängerte.
Zudem ist Neumünster immer wieder für eine Überraschung gut, wie Mannschafts-Weltmeister Carsten-Otto Nagel (Norderstedt) es nannte. In diesem Jahr war das der just dem Junge-Reiter-Alter entwachsene Andreas Kreuzer (21), der im Sattel von Chacco-Blue als jüngster Sieger in die Geschichte des Holstenhallen-Turniers einging.