Neumünster. Herr Becker, sind die Koffer für Neumünster schon gepackt?
Nein, ich bin auf dem Weg nach Aachen. Dort gibt‘s eine Beiratssitzung vom Aachen-Laurensberger Rennverein. Wir sprechen über die Turnierausschreibung des CHIO. Ab Freitag bin ich dann in Neumünster.
Sie haben früher selbst in Neumünster gesattelt. Was macht das Flair hier aus?
Es ist ein Topturnier mit Topbedingungen und einem Super-Publikum – auch nach dem Wechsel des Veranstalters. Die Halle ist immer voll, es herrscht eine knisternde Atmosphäre mit Pferdeleuten. Das spürt man einfach.
Ist das Debakel bei den Olympischen Spielen von Hongkong wirklich schon Geschichte?
Die Vorbereitungen laufen nach vorne und nicht nach hinten. Das ist ja nun auch schon fast vier Jahre her.
Wo lagen die Defizite im deutschen Springsport?
Das ist für mich Schnee von gestern. Wir haben mit Olympia in London eine Riesenaufgabe vor uns, auf die wir uns freuen können. Wir müssen alle Kräfte bündeln und einfach einen guten Job machen.
Führen Sie elektronische Datenbanken oder sammeln Sie Ihre Erkenntnisse noch auf dem Notizblock?
Was ich mir notieren will, das notiere ich schon. Die Ergebnisse etc. sind ja auch überall abrufbar. Es ist eine Mischung aus neuen Medien und auch dem alten Notizzettel.
Werfen Sie bei den VR Classics in Neumünster ein besonderes Auge auf die Holsteiner Welt- und Europameister mit der Mannschaft, Janne-Friederike Meyer und Carsten-Otto Nagel?
Ja und Nein. Die in Frage kommenden Pferde Corradina (mit Nagel, d. Red) und Lambrasco (mit Meyer, d. Red.) werden da ja nicht gehen. Natürlich stehe ich in engem Kontakt, werde anschauen, wie sie drauf sind. Es ist ein Stück weit Routine.
Sind Hallenturniere ein gutes Warm-up vor der grünen Saison oder wird nur das Futter für den Winter verdient?
Die Hallensaison ist mit sieben Monaten ja fast länger als die Außensaison. Der Terminkalender ist sehr voll. Insofern muss man da sehr gut planen, wann man speziell die Spitzenpferde einsetzt und wann sie Pausen bekommen. Gerade in Richtung Olympia spüre ich bei den Reitern, dass sie sehr sorgfältig planen, um ihre Pferde im Sommer fit zu haben.
Als gelernter Winzer müssten Sie es doch wissen: Wie hoch hängen die Gold-Trauben für die deutsche Equipe bei Olympia 2012?
Die Trauben hängen sehr, sehr hoch. Das haben wir die letzten Jahre schon gesehen. Die Welt ist zusammengerückt. In einer Woche sind acht bis zehn Mannschaften in der Lage, eine Medaille zu gewinnen. Wir gehören dazu, aber dazu müssen Pferde und Reiter gesund bleiben.