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Segelsport Mit der Motte zum Erfolg
Sport Segelsport Mit der Motte zum Erfolg
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07:00 11.01.2018
Von Niklas Schomburg
Justus Schmidt (re.) und Max Boehme werden die ersten Regatten des Jahres anders als bei der EM im Juli 2017 in Kiel nicht gemeinsam segeln können. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Steuermann Schmidt studiert VWL in Kiel, Vorschoter Boehme Medizin in Stettin – gute Voraussetzungen sehen anders aus. „Wir hatten 2017 so wenig Segelzeit wie noch nie“, sagt Schmidt. Lösungen mussten her. Nummer eins: Qualität statt Quantität. Die wenige gemeinsame Zeit auf dem Wasser „konnten wir viel mehr wertschätzen als die Trainings in den Jahren zuvor“, erklärt Schmidt. „Wenn du jeden Tag auf dem Wasser bist, wirst du auch ein bisschen betriebsblind. Es stellen sich Routinen ein, die irgendwann zwar effektiv, aber nicht mehr zielführend sind.“ Durch wenige, aber intensive Einheiten war der Trainingseffekt ein ganz anderer. „Wir haben zum Beispiel viel von den Bewegungsabläufen entschlüsselt, die bei den Neuseeländern zufällig aussehen, es aber absolut nicht sind“, sagt Schmidt.

Lösung Nummer zwei für die von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderten Segler ist 3,35 Meter lang, 30 Kilogramm leicht und bis zu 65 Stundenkilometer schnell. „Ein unglaubliches Geschoss“, sagt Schmidt. „Dass der Landessportverband uns zwei Motten zur Verfügung gestellt haben, hat uns enorm geholfen“, sagt Boehme. „So konnten wir segeln, wenn nur einer von uns Zeit hatte. Und es hat uns extrem geschult.“ Schon der 49er ist im Vergleich zu den anderen olympischen Bootsklassen, den Nacra17-Katamaran ausgenommen, sehr schnell – „nach dem Mottensegeln wirkt er aber deutlich entspannter“, erklärt Boehme lachend. „Was Geschwindigkeit angeht, bist du völlig enthemmt, nachdem du in der Motte unterwegs warst“ Es sei das perfekte Training für Steuerleute wie Vorschoter. „Es ist sehr herausfordernd. Und man bekommt ein Gefühl für die jeweils andere Position.“

Intensivierte Trainingspartnerschaft

Lösung Nummer drei: die weiterhin bestehende und sogar intensivierte Trainingspartnerschaft mit Erik Heil und Thomas Plößel. Steuermann Heil studiert wie Boehme in Stettin, die olympischen Bronzemedaillengewinner von 2016 haben also das gleiche Problem. Und so tauschen beide Crews in näherer Zukunft etwas durch. Zehn bis 14 Tage im Februar trainieren Boehme und Heil gemeinsam auf Mallorca, die Traditionsregatta „Trofeo Princesa Sofía“ segeln dann aber Schmidt und Plößel gemeinsam. „Da wird die Flotte erst mal blöd gucken“, sagt Schmidt grinsend. Vor dem Weltcup in Hyères finden sich Schmidt/Boehme zum ersten gemeinsamen Training des Jahres zusammen – den Weltcup selbst segelt aber wieder die Crew Schmidt/Plößel. Der echte Startschuss für die Olympiakampagne 2020, für die mit der ITT Port Consult GmbH der erste größere Sponsor gefunden ist, wird für Schmidt und Boehme wohl erst kurz vor der EM in La Rochelle im Juli gegeben.

Allerdings nur, wenn es zu Lösung Nummer vier kommt. „Ich habe mich zum Sommersemester an der Uni Kiel beworben“, erzählt Boehme. „Es ist absolut notwendig, dass ich in den kommenden zwei Jahren in Kiel bin. Anders funktioniert eine gemeinsame Olympia-Kampagne nicht.“ Im Wintersemester 17/18 sind 28 Sportler an der CAU eingeschrieben und profitieren von der Initiative „Partnerhochschule des Spitzensports“, darunter auch Justus Schmidt. „Bei mir funktioniert das hervorragend“, sagt der Skipper, der kurz vor seinem Bachelor-Abschluss steht. „Es wäre eine gigantische Unterstützung der Uni, wenn Max in dieses Programm aufgenommen wird.“ Nur wenn Boehme einen Studienplatz in Kiel bekommt, sind die Crew-Ziele zu verwirklichen: Ein Top-Ten-Platz bei der WM in Aarhus im August und die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020. „Wir haben das Gefühl, dass wir noch sehr viel Potenzial im Tank haben, das wir bisher nicht ausgeschöpft haben“, sagt Boehme.

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