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Segelsport Selbstbewusst ins Rennen um Olympia
Sport Segelsport Selbstbewusst ins Rennen um Olympia
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20:04 22.06.2015
Von Ralf Abratis
Moderator Andreas Kling (von links) hatte ein Quintett auf dem Podium zu Gast, das in der Bewerbung um Olympia in der vorderen Reihe steht: Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, Hamburgs Innensenator Michael Neumann, SH-Innenminister Stefan Studt, DSV-Präsident Andreas Lochbrunner und der KYC-Vorsitzende Carsten Krage. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Mit deutlichen Worten stimmt sich Hamburgs und Schleswig-Holsteins Polit-Prominenz auf die nächste Etappe in der Bewerbung für Olympia 2024 ein. In der vollbesetzten Audi-Lounge in Schilksee machte Kiels OB deutlich, dass die Kieler Woche das ideale Transportmittel für die Olympia-Idee sei: „Wir haben jetzt noch drei Schuss frei, um mit den Kieler Wochen bis zur IOC-Entscheidung im Sommer 2017 für Deutschland zu werben.“

Schwache Winde um die neun Knoten forderten von den Seglern am dritten Tag der Olympischen Klassen alles ab. Die deutschen Athleten schnitten dabei gut ab: Im Nacra liegen Kohlhoff/Werner weit vorn, im Laser bestätigte Tobias Schadewaldt seine starke Form. Bei den 49ern gewannen Heil/Plößel die neunte Wettfahrt in einem verrückten Finish.

Allerdings geht es für die Hamburger Bewerbung nicht nur darum, international Stimmen zu sammeln, sondern auch den Rückhalt in ganz Deutschland zu gewinnen: „Ich tingele gerade durch die deutschen Landtage, um das Konzept vorzustellen“, berichtete Neumann und bekannte, dass der Segelstandort dafür ein guter Partner sei: „Kiel wird der Hamburger Bewerbung nützen. Das ist eine starke Visitenkarte.“ Einen Vergleich mit den Olympia-Mitbewerberstädten scheut der Hanseat nicht: „Wir sollten nicht über die anderen reden. Wir wissen, was wir wollen und können. Wer Olympia will, muss alle schlagen.“

Am zweiten Wettkampftag der Kieler Woche 2015 hatten die Segler zunächst nichts zu tun - es herrschte Flaute. Am Nachmittag aber fuhren sie doch noch hinaus auf die Förde, um Wettfahrten zu absolvieren.

Was Schleswig-Holstein kann, betonte Minister Studt, der das Land auch als Austragungsort für Golf, Handball oder Fußball ins Spiel brachte. Zudem sieht er einen Vorsprung in Sachen Olympia-Begeisterung in Schleswig-Holstein: „Diese von Kiel nach Hamburg zu tragen, ist das Ziel.“ In den Haushaltsdebatten im Landtag soll im Herbst beraten werden, wie die weitere Unterstützung für die Bewerbung aussehen kann.

Die Hamburger, so Neumann, treibt besonders das Thema um, wie der Segelsport besser sichtbar gemacht und auf Formate runtergebrochen werden kann, die sich auch in Hamburg präsentieren lassen. Events auf der Außenalster in Ergänzung zu Kieler Regatten seien das Ziel. Für die süffisante Bemerkung, dass die Segelfans auf einer fertigen A7 schnell von Ort zu Ort kommen, erntete der Innensenator raunende Zustimmung und legte nach: „In Sachen Infrastruktur darf das Geld nicht immer nach Bayern fließen.“ Auch Studt sieht jetzt den Norden am Zug: „Wir müssen feststellen, dass einige Projekte, die für Olympia 1972 angeschoben wurden, jetzt erst fertig gestellt werden.“

Um 9.30 Uhr wurde die Kieler Woche seglerisch eröffnet. Mit dem Welcome Race starteten die ersten Boote zum Auftakt in Richtung Eckernförde. Mit dabei war auch die Musandam-OmanSail, die einen neuen Rekord für die 27,5 Seemeilen jedoch um sieben Minuten verpasste - trotz fürstlicher Mithilfe am Ruder.

Das nächste große Etappenziel Richtung 2024 ist die Bürgerbefragung am 29. November in beiden Städten. Auf ein Wunschergebnis bei der Bürgerbefragung wollten sich aber weder Neumann noch Kämpfer festlegen lassen: „Dass wir das Risiko eines Referendums eingehen, zeigt, dass wir von der Konzeption überzeugt sind. Auch Demokratien und Rechtsstaaten und nicht nur Peking und Pjöngjang können Olympia“, legte Neumann vor, und Kämpfer schob nach: „Natürlich wollen wir zur Befragung den Arsch nicht nur knapp über die Latte bringen. Aber wir wollen keine Abnick-Politik mit 98 Prozent Zustimmung. Eine reife Olympia-Diskussion mit all der berechtigten Skepsis und Kritik gehört dazu. Am Ende sollte aber die Aussage stehen: Die Region will es!“

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