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Segelsport Acht Bewohner, ein Ziel
Sport Segelsport Acht Bewohner, ein Ziel
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16:38 30.04.2016
Von Niklas Schomburg
Theres Dahnke (li.) und Birte Winkel legen an ihren 470er Hand an. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Ihre Losung: „Jeden optimal unterstützen!“ Acht Seglerinnen und Segler wohnen im Schilkseer Internat, fünf von ihnen zogen im August vergangenen Jahres in die Räumlichkeiten im Olympiahafen ein. Die Auswahlkriterien sind hart, neben einer sehr guten sportlichen Perspektive werden die Kandidaten bei einer Probewoche unter die Lupe genommen. In einem Gespräch mit den Anwärtern und ihren Eltern wird eine sportliche und schulische Zielsetzung definiert, gefolgt von sportmedizinischen Untersuchungen. Ein Gremium aus Vertretern des Olympiastützpunktes, des Deutschen Seglerverbandes, des Landessportverbandes Schleswig-Holstein und des Sportinternats Kiel entscheidet, wer kommen darf.

Ab an die Förde

 Theres Dahnke ist eine von ihnen. Die 17-Jährige ist aus Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern an die Förde gezogen, segelt gemeinsam mit Birte Winkel seit etwas mehr als einem halben Jahr im 470er. „Der Umstieg vom 420er lief recht glatt, wir sind direkt danach hergezogen und konnten so viel Wassertraining absolvieren“, sagt Vorschoterin Winkel. Sie studiert an der Christian-Albrechts-Universität Ökotrophologie, wohnt mit ihrem Bruder Malte – mit Matti Cipra Deutschlands Nummer zwei im 470er – zusammen. „Die Trainingsbedingungen sind hier wirklich optimal: die Bootshalle, der Kraftraum, die Förde, Trainingspartner und Trainer – alles ist direkt vor der Tür“, sagt Dahnke.

 Um von den Strukturen zu profitieren, ist aber eine Koordination von Training, Wettkämpfen und Schule/Studium erforderlich. Freistellungen und viel Verständnis von Seiten der Gemeinschaftsschule Friedrichsort, seit 2011 zertifiziert als „Partnerschule des Leistungssports“, ermöglichen den Internatsbewohnern eine perfekte duale Ausbildung: An der Schule bis zum Abitur, im Olympiastützpunkt zum Spitzensportler.

Spagat zwischen Segeln und Studium

 „Etwas jonglieren muss man schon“, sagt Birte Winkel über den Spagat zwischen Studium und Segeln. Weil sie mit Theres Dahnke an der Europameisterschaft auf Mallorca teilnahm, verpasste sie die ersten zwei Wochen des Sommersemesters – das musste mit der Universität abgeklärt werden. In solchen Fällen ist Petra Homeyer da. „Ich bin ja ein bisschen auch Elternersatz“, sagt sie und schmunzelt. „Petra und die anderen haben beim Einstieg hier sehr geholfen“, bestätigt Dahnke.

 Homeyer hat sichtlich Freude an ihrer Rasselbande. „Sie erziehen sich ja auch ein bisschen selbst“, sagt sie. „Sie haben alle ein leistungssportliches Ziel und tun von selbst viel dafür, gehen rechtzeitig ins Bett und so weiter. Es ist eine Art betreute Wohngemeinschaft.“ Die Reaktion: Grinsen und unterdrücktes Lachen aus dem Kreis der Bewohner. Betreutes Wohnen für 16-jährige Spitzensportler? „Jede Gruppe hat ihre eigene Dynamik“, erklärt Homeyer, die seit 2006 insgesamt 30 Athleten unter ihren Fittichen hatte. „Und jede Gruppe ist natürlich immer die beste.“

Zu den Besten gehören

 Zu den Besten gehören wollen Theres Dahnke und Birte Winkel auch – zunächst im Juniorenbereich der 470er. Die nächste große Regatta ist mit den Young Europeans Sailing am Pfingstwochenende ein Heimspiel, gleichzeitig die deutsche Junioren-Meisterschaft. Top Drei lautet das Ziel, „und ein bisschen vergleichen mit den anderen, damit wir sehen, wo wir wirklich stehen“, so Dahnke. Das Saisonhighlight sind die Junioren-Weltmeisterschaften, die im Zuge der Kieler Woche ausgefahren werden. In einem eigenen Feld mit den besten Junioren der Welt wollen Dahnke/Winkel unter die Top Zehn fahren.

 „Sie sind auf einem richtig guten Weg“, sagt Hendrik Ismar, Bundesnachwuchstrainer der 470er. „Es ist deutlich zu sehen, dass sich das viele Wassertraining ausgezahlt hat.“ Er schwärmt von den technischen Verbesserungen der beiden, sieht aber auch noch viel Arbeit auf sie zukommen. „Theres und Birte sind ein sehr leichtes Team. Sie haben daher bei Vorwind klare Vorteile, müssen aber noch an der Athletik arbeiten.“ Um solche Fortschritte zu erreichen, sind individuelle Trainingspläne und intensive Einheiten unumgänglich. „Dafür ist das Internat perfekt“, sagt Ismar.

 „Durch das Zusammenleben im Internat und das intensive Training am Stützpunkt lernen die Schüler sehr viel, sie werden selbstständig, lernen den Umgang mit verschiedenen Schwerpunkten in ihrem Leben“, erklärt Petra Homeyer. Im Sommer feiert das Internat sein zehnjähriges Bestehen – vielleicht mit einer Medaille mehr in der Sammlung der Bewohner.

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