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Olympia

Attacke von Duplitzer - Bach: "Geschichte tiefer hängen"


Imke Duplitzer attackiert wieder. Noch nicht auf den olympischen Planchen von London, aber auf sportpolitischer Ebene. Ihr öffentlicher Tadel richtet sich besonders gegen Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und Generaldirektor Michael Vesper.
Imke Duplitzer bekommt für ihre Kritik am Zustand des deutschen Sports viel Zuspruch.

Imke Duplitzer bekommt für ihre Kritik am Zustand des deutschen Sports viel Zuspruch.

© Orietta Scardino

Düsseldorf. "Das, was die erzählen, zählt für 0,5 Prozent der 392 deutschen Olympia-Sportler", ließ die 36-Jährige in der "Bild"-Zeitung wissen. Und: "Die Funktionäre wissen gar nicht mehr, was in der Sporthalle los ist."

Der frühere Florettfechter und Mannschafts-Olympiasieger Bach zeigte sich nicht amüsiert, parierte aber den Angriff diplomatisch. "Da ich Fechter war, weiß ich, dass sie manchmal auch zum Säbel greifen", sagte er im Deutschen Haus von London. "Die Geschichte sollte man tiefer hängen. Wir lassen uns davon nicht beeinträchtigen und die Mannschaft lässt sich davon nicht ablenken."

Chef de Mission Michael Vesper ließ jedoch vier Tage vor dem Olympia-Start durchblicken, nicht glücklich über die Attacke zu sein: "Man weiß nicht, was es für ein Rundumschlag ist und worauf er hinzielte. Er kam zur Unzeit." Sie habe die Sportförderung 20 Jahre intensiv genutzt und davon profitiert. Nach den London-Spielen werde man das Gespräch mit Imke Duplitzer suchen. "Wir hoffen, dass sie nun genauso gut mit dem Degen wie mit Worten ficht", so Vesper.

Die Präsidentin des OFC Bonn bezeichnete das System des deutschen Sports als "völlig daneben", der Zustand des deutschen Leistungssports ist für sie "niederschmetternd". Außerdem prognostizierte sie nach den London-Spielen "ein großes Nachwuchsproblem". Duplitzer: "Wir werden wieder händeringend Talente suchen, die es nicht gibt, weil sie nicht gefördert worden sind."

Ein massives Trainerproblem gebe es jetzt schon: "Wir bluten im Trainernachwuchs massiv ins Ausland aus. Weil die einfach besser zahlen und dort bessere Perspektiven haben. In jeglichen Verbänden", tadelte die Degen-Europameisterin von 1999 und 2010 und Olympia-Zweite mit der deutschen Mannschaft von Athen 2004. "Sogar Singapur zahlt mittlerweile besser als wir", konstatierte Duplitzer, die am Samstag 37 Jahre alt wird.

Kein Verständnis hat Christian Breuer, Vorstand im Aktivenbeirat der Athleten, für die Kritik an Bach und Vesper. "Der DOSB, das sind nicht allein Thomas Bach und Michael Vesper", sagte er der Zeitung "Die Welt". Kritik allein an ihnen beziehungsweise ihrem Verständnis für die Probleme der Basis festzumachen, sei so, "als würde ein Hartz-IV-Empfänger den Bundespräsidenten dafür angreifen, dass die Formulare bei der lokalen Agentur für Arbeit unverständlich sind".

Schon beim Olympia-Medientag der deutschen Fechter am 6. Juli in Hennef hatte Duplitzer ansatzweise zu einem Rundumschlag ausgeholt. "Wir müssen mal wieder ein bisschen mehr Sein als Schein im deutschen Leistungssport generell rüberbringen", lautete einer der Kernsätze der Buchautorin, die möglicherweise noch während Olympia ("Ich habe zwanzigstes Bühnenjubiläum") ihr Werk mit dem Titel "Helden-Haft" der Öffentlichkeit vorstellen wird. Darin wird sie auch eines feststellen: "Dass es im deutschen Leistungssport nicht besser, sondern immer schlimmer wird." Und: "Die Funktionäre sonnen sich im Licht der Medaillengewinner."

Eines postulierte Duplitzer, die sich vor den Peking-Spielen einen öffentlichen Streit mit ihrer Waffenkollegin Britta Heidemann um die Menschenrechte in China lieferte, ganz massiv: "Wir brauchen jetzt kreatives Tun im deutschen Leistungssport, und wir brauchen nicht weniger Risiken, sondern mehr Mut." Soll heißen: Tradiertes Handeln im Hochleistungssektor und besonders in der ihrer Auffassung nach unzureichenden Nachwuchsförderung müsste verschwinden. Andernfalls fürchtet sie "eine Schockstarre in unserem Leistungssport".

Auch das Internationale Olympische Komitee bekommt einen Duplitzer-Verriss: Dem IOC gehe es schon lange nicht mehr um den Athleten. "Olympische Spiele sind eine Verkaufsshow mit angeschlossener Rummelbude", äußerte die Fechterin, die nach ihrer harschen Kritik nach eigenen Angaben großen Zuspruch erhalten hat. "Mir ist fast das Facebook-Profil explodiert und ich hab' jede Menge Mails gekriegt, auch von Trainerkollegen, von Athleten, die gesagt haben: "Super, dass du den Mund aufgemacht hast"", erzählte die 36-Jährige im ZDF-Morgenmagazin.

dpa

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