Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Sportmix Degenkolb verpasst Bronze knapp - WM-Gold für Gilbert
Sport Sportmix Degenkolb verpasst Bronze knapp - WM-Gold für Gilbert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 23.09.2012
Philippe Gilbert gewann in Valkenburg das WM-Straßenrennen . Quelle: Bas Czerwinski

Weltmeister wurde der belgische Topfavorit Philippe Gilbert.

John Degenkolb nahm seine Rennmaschine und schien sie in den Boden rammen zu wollen. Er war stocksauer. "So oft bekommt man nicht die Möglichkeit Weltmeister zu werden oder aufs Podium zu kommen", sagte der 23-jährige Erfurter, der kurz zuvor eine knappe Sekunde an der Bronzemedaille im WM-Rennen von Valkenburg vorbeigefahren war. Zum neuen Straßen-Weltmeister Philippe Gilbert aus Belgien fehlten dem Newcomer aus Thüringen, der die Fachwelt zuletzt mit fünf Vuelta-Etappensiegen verblüfft hatte, im Ziel nach 269 Kilometern am Sonntag fünf Sekunden. "Als Vierter bist du der erste Verlierer", haderte Degenkolb mit dem Schicksal.

Silber holte sich vier Sekunden hinter Gilbert, der erst spät in dieser Saison zu gewohnter Klasse gefunden hatte, der Norweger Edvald Boasson Hagen vor Alejandro Valverde aus Spanien. Von dem Spanier trennten Degenkolb am Schluss der Tortur durch Limburg etwa drei Radlängen. "Aber da hatte ich keine Kraft mehr", sagte der Erfurter, der sein aufopfernd kämpfendes Team "gern mit einer Medaille belohnt" hätte.

Solosieger Gilbert hatte seinen Coup auf der Schlusssteigung auf dem gefürchteten Cauberg eingeleitet und aus einer 48 Fahrer starken Gruppe drei Kilometer vor dem Ziel attackiert. Ihm konnte keiner folgen. Schon 400 Meter vor dem Zielstrich begann der 30 Jahre alte Topfavorit zu jubeln.

Degenkolb brauchte aber nicht lange, um sich emotional wieder einigermaßen zu fangen und versöhnlichere Worte anzuschlagen: "Wir haben bewiesen, dass wir das Rennen mitbestimmen können. Wir sind keine Luschen. Ich freue mich auf die kommenden Jahre." Vorerst bleibt Rudi Altig also auch im 46. Jahr auf dem Thron des letzten deutschen Profi-Weltmeisters. André Greipel hatte im Vorjahr in Kopenhagen WM-Bronze geschafft.

Auf der 108 Kilometer langen Anfahrt durch Limburg zum WM-Rundkurs um den Cauberg hatte sich eine elfköpfige Spitzengruppe gebildet. Sie nahm vor mehreren Hunderttausend Zuschauern, die ein vorweggenommenes Radsport-Oktoberfest feierten, die letzten zehn Runden mit über fünf Minuten Vorsprung in Angriff. Aber das hatte für den Ausgang des Rennens noch keine Bedeutung.

Richtig zur Sache ging es erst fünf Umläufe vor Schluss, als sich eine 29 Fahrer starke Ausreißergruppe gebildet hatte, die von Vuelta-Gewinner Alberto Contador angeführt wurde. Degenkolb fuhr dahinter in einer Verfolgung-Formation und schaffte den Zusammenschluss in der vorletzten Runde. Die Topfahrer rüsteten zum letzten Antritt auf dem bis zu 14 Prozent steilen Cauberg.

"Ich kann das kaum realisieren. Wir haben den Sieg verdient, weil wir als Mannschaft eine super Arbeit geleistet haben. Ich habe die Lücke auf dem Cauberg gesehen und sie ausgenutzt - das ist phänomenal", freute sich Gilbert. Auf ähnlichem Kurs hatte er 2010 und 2011 das Amstel Gold Race gewonnen und sich mit der Silbermedaille im WM-Teamzeitfahren zum WM-Auftakt in Valkenburg auf seinen Triumph vom Sonntag eingestimmt.

120 Kilometer vor dem Ziel war Titelverteidiger Mark Cavendish mit der Startnummer eins auf dem Rücken vom Rad gestiegen. Schon vor dem Start hatte der Brite bekundet, dass der Kurs ihm überhaupt nicht liege, und er sich keinerlei Siegchancen ausrechne. Er sei nur "aus Respekt vor dem Regenbogentrikot" angetreten und verrichtete Helferdienste. Drei Runden später folgten ihm die britischen Tour-Stars Bradley Wiggins und Christopher Froome, die nicht mehr mitkamen.

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) zog eine positive Bilanz der neuntägigen Titelkämpfe. Nach den zwei Goldmedaillen im Zeitfahren durch Judith Arndt, die ihre Karriere am Samstag mit Rang acht im Straßenrennen beendete, und Tony Martin sah der Sportdirektor seine Erwartungen erfüllt. "Zweimal Gold im Zeitfahren: Darauf hatten wir gehofft. Jetzt noch Degenkolb als schöner Abschluss - wir sind sehr zufrieden", sagte Udo Sprenger, der sich außerdem über die Bronzemedaille des Berliner Junioren-Zeitfahrers Maximilian Schachmann freuen konnte.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der VfR Neumünster bleibt in der Fußball-Regionalliga Nord die Top-Mannschaft aus Hamburg und Schleswig-Holstein. Der Aufsteiger gewann am Sonntag das Duell gegen Schlusslicht Victoria Hamburg mit 2:0 und verbesserte sich mit 14 Punkten auf den dritten Rang.

23.09.2012

Deutschlands Handballer sind mit einem Sieg und einer Niederlage gegen Vize-Europameister Serbien in die Vorbereitung auf die EM-Qualifikation gestartet. Das neu formierte Team, dem einige Aktivposten fehlten, steigerte sich im zweiten Duell in Rostock.

23.09.2012

Fans des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli rufen zum Protest auf. Beim nächsten Heimspiel am Dienstag (17.30 Uhr) gegen den Aufsteiger VfR Aalen wollen Fangruppen gegen die Einrichtung einer Polizeiwache im Stadion demonstrieren.

23.09.2012
Anzeige