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Sportmix Die Tops und Flops der Nordischen Ski-WM in Lahti
Sport Sportmix Die Tops und Flops der Nordischen Ski-WM in Lahti
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19:18 05.03.2017
Die deutschen Skispringer um Andreas Wellinger (l.) holten so viele Medaillen wie noch nie – trotz eines enttäuschenden vierten Platzes im Teamfinale. Quelle: dpa
Lahti

Als das prachtvolle Schlussfeuerwerk am Himmel über Lahti explodierte, flossen bei Stephan Leyhe die Tränen. Sein Absturz bei 103,5 Metern im finnischen Wirbelwind hatte den deutschen Skispringern die sicher geglaubte Medaille im finalen Teamwettbewerb der nordischen Ski-Weltmeisterschaften gekostet. Platz vier hinter dem erstmaligen Weltmeister Polen, Norwegen und Österreich war zweifellos eine bittere Enttäuschung, die jedoch die Erfolgsbilanz der Fliegersparte nicht schmälern konnte. Nach einem wahren Medaillen-Feuerwerk mit insgesamt fünfmal Edelmetall machten sich die Adler am Sonntag mit der besten WM-Bilanz der Geschichte auf den Heimweg.

„Speziell Andreas Wellinger hat hier eine unglaubliche Erfolgsstory geschrieben“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Team-Olympiasieger Wellinger erlebte in Lahti den „vorläufigen Höhepunkt“ seiner Karriere. In beiden Einzelwettbewerben holte er Silber. Dazu gab es Gold im Mixed-Wettbewerb mit dem überraschenden Normalschanzen-Bronzegewinner Markus Eisenbichler, Svenja Würth und Carina Vogt.

Vogt hatte schon zuvor ihren Einzel-Titel verteidigt und ist nun als viermalige Weltmeisterin die erfolgreichste Skispringerin. „Unglaublich, wie sie gesprungen ist. Carina ist bei Weltmeisterschaften einfach eine wilde Sau“, sagte Eisenbichler anerkennend. Mit insgesamt fünf Medaillen für das deutsche Team wurde der bisherige WM-Medaillenrekord übertroffen. 1974 in Falun sowie 1978 und 2001 jeweils in Lahti hatte es vier Podestplätze für die deutschen Skispringer gegeben.

Aber nicht nur die deutschen Flieger sorgten für Furore. Ein Blick auf deutsche Sieger, große und kleine WM-Helden.

Der König der WM – Johannes Rydzek: Vier Goldmedaillen bei vier Starts – der Oberstdorfer „Dominierer“ Johannes Rydzek brach bei diesen Titelkämpfen alle Rekorde. Als erster Kombinierer gewann er vier Titel bei einer WM, mit insgesamt sechsmal WM-Gold ist er nun der erfolgreichste Sportler seiner Zunft. Bundestrainer Hermann Weinbuch bezeichnete ihn daraufhin als „Lichtgestalt“. Rydzek ist taktisch cool, läuferisch unwiderstehlich und hat einen ganz speziellen Glücksbringer: Bei jedem Wettbewerb trägt er ein „Super-Richie“-Shirt unter dem Skianzug. „Da ist etwas Historisches gelungen, was so schnell nicht wiederholbar ist“, sagte die Sportdirektorin des deutschen Skiverbandes, Karin Orgeldinger, anerkennend. Und Rydzek? Der bleibt bescheiden. „Ich bleibe der Gleiche, der ich vorher war, und werde es auch bleiben“, sagte er zum Abschluss.

Der Pechvogel der WM – Sebastian Eisenlauer: Die deutschen Skilangläufer gewannen keine Medaille bei dieser WM und hatten den größten Pechvogel in ihren Reihen. Sebastian Eisenlauer verlor mitten in der Schlussrunde des Teamsprints einen Ski: „Ich habe keine Ahnung, wie es genau passiert ist, aber plötzlich war er weg.“ Zudem war Eisenlauer in dem Wettbewerb zuvor gestürzt, hatte sich die Schulter ausgekugelt, fuhr anschließend vorzeitig nach Hause. Auch die medaillenlosen Frauen sind nun seit acht Jahren ohne WM-Edelmetall.

Die Mama der WM – Marit Björgen: Nur 14 Monate nach der Geburt ihres Sohnes Marius gewann die norwegische Skilangläuferin Marit Björgen viermal Gold in Lahti. Mit unglaublichen 18 WM-Titeln ist die bald 37-Jährige die erfolgreichste Skisportlerin der Geschichte. Der sportliche Leiter des deutschen Langlaufs, Andreas Schlütter, bezeichnet sie wegen ihrer „Trainingshärte, emotionalen Intelligenz und sozialen Kompetenz als Inspiration“.

Der Depp und Held der WM – Iivo Niskanen: Erst war er der Depp der Nation, dann der große finnische WM-Held. Iivo Niskanen schien im Teamsprint auf dem Weg zu Gold, doch dann kollidierte er zum Entsetzen von 20 000 Fans im Zielsprint mit dem Norweger Emil Iversen. Als lachender Dritter gewann der Russe Sergej Ustjugow Gold. Drei Tage später holte Niskanen über 15 Kilometer doch noch den ersehnten WM-Titel für die Gastgeber und wurde von Tausenden mit „Iivo“-Sprechchören gefeiert. „Ich bin der glücklichste Mensch der Welt“, sagte er.

Der Anfänger der WM – Adrian Solano: Im Zielraum in Lahti klapperten Adrian Solano wegen der ungewohnten Kälte die Zähne. Der Mann aus Venezuela sah bei der WM zum ersten Mal Schnee und übte sich in schneckenhaften Zeitlupentempo erstmals im Skilanglauf. Er stürzte bei seinen zwei Starts ständig – und war dennoch happy: „Die fünf Tage im Knast in Paris waren definitiv schlimmer als der Skilanglauf hier.“ Bei einer Zwischenlandung war Solano fünf Tage von der französischen Polizei festgehalten und als Terrorist und Drogenschmuggler verdächtigt worden. Doch am Ende stand er doch noch nicht meisterlich, aber glücklich auf Skiern.

Von Lars Becker

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