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Sportmix Zorn: „Vollziehen einen Kulturwandel“
Sport Sportmix Zorn: „Vollziehen einen Kulturwandel“
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08:03 07.03.2019
Von Merle Schaack
Vom Canes-Receiver über den Geschäftsstellen-Mitarbeiter zum Head Coach: Timo Zorn verantwortet seit Dezember den sportlichen Erfolg der Kieler GFL-Footballer. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Erstmals seit 2006 verpassten die Kiel Baltic Hurricanes in der vergangenen Saison die Playoffs. Im Oktober folgte die nächste Hiobsbotschaft: Insolvenz der Betreibergesellschaft. Die finanzielle Schieflage zwang den GFL-Klub, der nun wieder unter der Flagge des ASC Kiel startet, umzudenken. Mit Timo Zorn (33) übernahm erstmals seit mehr als zwölf Jahren ein Deutscher aus den eigenen Reihen das Amt des Head Coaches. Statt Marketing und Spieltagsorganisation verantwortet der ehemalige Canes-Receiver in der neuen Spielzeit den sportlichen Erfolg der Kieler Footballer.

Hätten Sie vor einem Jahr gedacht, dass Sie jetzt als Head Coach die Vorbereitung leiten?

Timo Zorn: Es war schon immer ein Wunsch, irgendwann ins Coaching-Geschäft zu wechseln. Ich habe als Trainer bereits Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen (Zorn coachte bis 2016 die Wide Receiver der Hamburg Junior Devils und leitete in den letzten Jahren das Wintertraining der Canes, d. Red.) und habe in den drei Jahren, in denen ich auf der Geschäftsstelle gearbeitet habe, sehr eng mit den Head Coaches zusammengearbeitet. Aber dass es jetzt so schnell kommt, damit hätte ich letztes Jahr zu diesem Zeitpunkt nicht gerechnet.

Haben Sie gezögert, die Aufgabe zu übernehmen?

Nein. Als Gunnar (GFL-Spartenleiter Gunnar Peter, d. Red.) mich fragte, habe ich nicht eine Minute darüber nachgedacht, sondern gefragt: Wann geht’s los? Ich habe in den vergangenen Jahren intensiv die Philosophie dieses Vereins kennengelernt und mitgestalten dürfen und freue mich darauf, nun noch größeren Einfluss nehmen zu können. Mir zur Seite steht ein toller Trainerstab. Wir alle kennen uns schon viele Jahre, haben schon in unterschiedlichsten Konstellationen zusammengearbeitet. Marico Gregersen zum Beispiel war in der Jugend mein Positionstrainer. Das ganze Trainer-Team hat einen besonderen Zusammenhalt.

Müssen die Fans eine weitere Saison wie die letzte befürchten?

Unsere Fans werden auf jeden Fall eine Mannschaft mit einem ganz neuen Gesicht erleben. Die Spieler wissen, dass uns in der GFL nichts geschenkt wird. Sie ist die stärkste Liga in Europa, und viele Teams haben sich auf dem Papier noch einmal verstärkt. Bei uns ist schon jetzt ist eine ganz andere Einstellung, Zusammenhalt und Euphorie spürbar. Wir vollziehen gerade einen Kulturwandel. Ganze Mannschaftsteile legen außerhalb des Pflichttrainings gemeinsame Sonderschichten ein. Das ist der erste Schritt, um erfolgreicher sein zu können als im Vorjahr und das ist unser Ziel.

Wie soll die Mannschaft namhafte Abgänge, vor allem den von Thiadric Hansen, verkraften?

Vor allem durch einen gestärkten Zusammenhalt. Ein einzelner Spieler macht nur dann einen Unterschied, wenn alle um ihn herum funktionieren. Abgesehen davon öffnet sich jetzt der Raum für andere, die Rolle eines wahren Führungsspielers zu übernehmen. Benedikt Englmann sehe ich da unter anderem ganz vorne. Auch im Recruiting der Amerikaner haben wir einen besonderen Schwerpunkt auf Führungsqualitäten gesetzt. Alle US-Neuzugänge waren bereits Team-Captain ihrer Collegemannschaften.

Wie hat sich die Insolvenz auf die Kaderplanungen für die nächste Saison ausgewirkt?

Das größte Problem war, dass wir durch die Insolvenz bis Mitte Dezember handlungsunfähig waren. Dadurch haben wir einige Leistungsträger verloren und auch einige neue Talente nicht rechtzeitig an uns binden können. Und auch wenn wir insgesamt mit der Kaderplanung spät dran sind, ist es uns gelungen Top-Talente wie Jonas Hagerup nach Kiel zu holen. Wir sind auch noch nicht ganz fertig und stehen noch in Vertragsverhandlungen mit zwei ähnlichen Kalibern für die Offensive- und Defensive-Line.

Es fehlt noch ein amerikanischer Quarterback...

Das ist unsere wohl wichtigste Verpflichtung. Wir wollten da auf keinen Fall einen Schnellschuss landen, sondern jemanden holen, der uns nicht nur spielerisch weiterhilft, sondern vor allem eine Mannschaft anführen kann. Diese Quarterbacks sind aber auch bei den professionellen Ligen in den USA begehrt, vor allem durch die AAF (Alliance of American Football, die neue Football-Liga in den USA, die Anfang Februar nach Ende der NFL-Saison startete, d. Red.). Einige passende Kandidaten haben sich lange alle Optionen offen gehalten. Wir haben jetzt aber einen Top-Quarterback in Aussicht und werden dazu bald etwas vermelden können.

Interview: Merle Schaack

Mehr über die Kiel Baltic Hurricanes lesen Sie hier.

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