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Sportmix Löw sehnt sich nach Normalität
Sport Sportmix Löw sehnt sich nach Normalität
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13:27 11.09.2012
Bundestrainer Joachim Löw beobachtet in Wien die DFB-Spieler beim Abschlusstraining. Quelle: Peter Steffen

"Zwei Iniesta würde ich auch aufstellen", scherzte der Bundestrainer in der lockeren Debatte um sein defensives Mittelfeld. Toni Kroos oder doch Lars Bender? "Das spielt keine Rolle. Bei Spanien fragt auch niemand, wer Iniesta absichert", meinte Löw, der sich auch in der spontanen kleinen Gesprächsrunde jeden Satz wohl überlegt.

Der wichtigste Fußball-Lehrer des Landes war in diesen Tagen des WM-Qualifikationsstarts auf der Suche nach Unaufgeregtheit. Der Hype um seine Person während der EM-Tage in Polen und der Ukraine und der anschließende Absturz gegen Italien wirken nach, auch wenn Löw eigentlich nur noch nach vorn blicken will. "Die Enttäuschung war enorm, weil die Erwartungshaltung riesengroß war. Die Fallhöhe war enorm groß, weil wir 15 Pflichtspiele nicht verloren hatte. Emotional waren wir kurz in einem Loch", blickte der 52 Jahre alte Freiburger in Wien doch nochmal zurück, bevor er mit seinem Team im zweiten WM-Qualifikationsspiel für 2014 gegen Österreich antrat.

Während sich Löw vor dem Saisonauftakt gegen Argentinien (1:3) noch vehement gegen seiner Meinung nach unverhältnismäßige Kritik über die EM-Enttäuschung gewehrt und eine 25 Minuten lange Brandrede gehalten hatte, stellte er nun zum Auftakt einer neuen Mission die Normalität in den Vordergrund. Der Bundestrainer sehnt sich nach dieser Normalität. Das zeigen nicht nur seine öffentlichen Auftritte.

Im DFB-Hotel will er vor allem Ruhe, nur keine Aufgeregtheiten, nur keinen neuen Ansatz von Hype um seine Person und seine Spieler. Auf dem Trainingsplatz aber lässt er alle Emotionen raus, wenn einige Spieler seine Vorstellungen nicht kapieren. Mit einem dunkelblauen Trainingsanzug im Retrostil demonstrierte Löw auch: Ich will arbeiten, ich bin noch immer ein Fußball-Lehrer. Das macht mir Spaß. Mit einem Schnitt von 2,20 Punkten ist Löw weiter der beste von bisher zehn Bundestrainern, doch mehr Gewicht hat der fehlende Titel.

Die Situation nach dem 28. Juni diesen Jahres, als in Warschau auch durch seine Fehler die EM-Titelmission mit einem 1:2 gegen Italien scheiterte, war für den Bundestrainer Löw völlig neu. "Ich hatte ja sechs Jahre lang im Grunde null Kritik", gab er in einem Interview mit der österreichischen Zeitung "Kurier" zu. "Davon habe ich mich nicht blenden lassen und ich bin auch nicht abgehoben", glaubt Löw, dessen Vertrag mit dem DFB bis 2014 läuft.

Doch der Bohei um den "Magier", dem anscheinend alles gelang in der anspruchsvollen Vorrunde gegen Portugal, Holland, Dänemark und dann im Viertelfinale gegen Griechenland, zeigte auch bei ihm Wirkung. Ein Absturz schien auch ihm unvorstellbar. Gegen Italien und später im EM-Finale wollte Löw seinen Masterplan vollenden. Es ging schief und es schmerzte so sehr, dass er zunächst sogar dem TV-Konsum des EM-Finals Spanien kontra Italien entsagte: "Als ich im Radio das Halbzeit-Ergebnis mitbekommen habe, habe ich dann doch den Fernseher aufgedreht." Löw tauchte erst einmal ab.

Die Aufarbeitung war und ist schwierig, geholfen hat Zuspruch. "Es sind nach der Europameisterschaft auch viele Leute zu mir gekommen, die gesagt haben: 'Danke, Ihr habt uns viel Freude bereitet bei der EM'", berichtete Löw jetzt. "Ich kann jedenfalls nicht bemerken, dass Sympathie in Antipathie umgeschlagen wäre." Eins aber ist ihm nach der Erfahrung von Warschau jetzt besonders klar: "Wenn du ein, zwei Spiele hintereinander verlierst, dann kippt die Stimmung."

Löw scheint seine vielleicht letzte Amtszeit als Bundestrainer bei aller Konsequenz mit noch mehr Vorsicht anzugehen. Ein Lächeln sieht man in seinem Gesicht seltener als in den sechs Jahren zuvor, aber ab und an taucht es schon wieder auf. "Ich lasse mir nicht den Boden unter den Füßen wegziehen", unterstrich Löw in Wien.

"Kleine Nuancen" will er an der Ausrichtung und am Stil seines Teams verändern. Um Nuancen scheint auch der Chefcoach seinen Stil wieder zu korrigieren. Konsequenz und Seriosität bleiben seine wichtigsten Worte und damit sein Credo. "Nach wie vor, herrscht die Motivation und Leidenschaft, die es braucht", hat Löw bei seinen Spielern und auch bei sich festgestellt. Von einem Finale Deutschland gegen Spanien - diesmal bei der WM 2014 in Brasilien - will der Bundestrainer nicht mehr sprechen. Vom Weg dahin schon.

dpa

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