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Deutschland vor dem Aus?

Handball-EM Deutschland vor dem Aus?

Deutschlands Handballer stehen bei der Europameisterschaft quasi vor dem Aus. Nach der ersten Turnierniederlage beim 26:25 (9:8) gegen Olympiasieger Dänemark kann der Titelverteidiger den Einzug ins Halbfinale nicht mehr aus eigener Kraft schaffen.

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Deutschlands Torhüter Andreas Wolff (l) in Aktion mit Dänemarks Rasmus Lauge Schmidt (2.v.l.).

Quelle: Monika Skolimowska/dpa

Varazdin. Was für ein Fight! Was für ein unglückliches Ende! Deutschland liefert Olympiasieger Dänemark am Sonntagabend in Varaždin einen erbitterten Kampf. Die Leidenschaft, mit der Rune Dahmke in die Mannschaft zurückkehrt, ist sinnbildlich. Am Ende sind die von Nikolaj Jacobsen trainierten Dänen taktisch eine Spur cleverer, siegen mit 26:25 (9:8), und Deutschland muss nun auf Schützenhilfe der Konkurrenz hoffen und am Mittwoch gegen Spanien gewinnen.

Man kennt sich in der Arena Varaždin: 27 Spieler, die in der Bundesliga ihr Geld verdienen, stehen im Aufgebot der beiden Kontrahenten, bei Anpfiff sind es auf dem Feld alle außer den Pariser Kollegen Uwe Gensheimer und Mikkel Hansen. Apropos Mikkel Hansen: Deutschland steht defensiv sicher, antizipiert, verschiebt, nimmt den Superstar und auch den Ex-Kieler Rasmus Lauge fast vollständig aus dem Spiel. Das ist Schach mit Armen, Beinen, Fäusten, viel Gehirnschmalz, ein defensiver Genuss. Dänemark gelingen nur acht Tore in den ersten 30 Minuten, Andreas Wolff macht ein gutes Spiel. Aber Deutschland trifft auch nur einmal mehr. Bundestrainer Christian Prokop ist weiter gezwungen, im Angriff zu suchen: nach der besten Formation.

Julius Kühn könnte dieser Formation endlich wieder angehören. Seine Nebenleute schaffen es, den Shooter in Position zu bringen. Der farb- und irgendwie auch lustlose Kapitän Uwe Gensheimer gibt sein Ticket für die Mission Titelverteidigung fast freiwillig und folgerichtig an Rune Dahmke ab. Der nachnominierte Kieler kommt nach 20 Minuten. Was er mitbringt: Mut, Spirit, ein Handgelenk, das Spaß macht. Einziges Problem: Das Spiel über die Außen im Team des Deutschen Handballbundes (DHB) verkümmert. Bis zur 24. Minute: Dahmke trifft (6:6), Steffen Weinhold wackelt die Dänen aus, in deren Innenblock dieses fantastische stolze Brüderpaar René und Henrik Toft Hansen eine Wand aus Stahl bilden (7:6).

Deutsch-dänische Achterbahnfahrt

Dahmke bleibt auch nach der Pause auf dem Feld, und jetzt wird es eine deutsch-dänische Achterbahnfahrt. Philipp Weber führt Regie, zeigt sich verbessert, aber noch nicht in Bestform. Daran krankt das deutsche Spiel. Prokops Spieler gleichen das mit Kampf und Leidenschaft aus. Dänemark greift zum siebten Feldspieler, spielt im Angriff ohne Rückraum-Linkshänder, hat mit Hansen, Lauge und Morten Olsen jedoch eine Tempomaschine, die kaum aufzuhalten ist. Kühn findet Patrick Wiencek durch die „Hintertür“ (14:13/37.), zieht selbst ab (15:13/39.), eine weitere Kühn-Bombe zischt in den Winkel (17:16/44.) – Deutschlands letzte Führung. Hier ein Ball, der das leere Tor verfehlt, da ein Kühn-Fehlpass, ein technischer Fehler, ein verschluderter Ball – plötzlich liegt Dänemark mit drei Toren vorn (20:23/54.). „Und selbst da stimmt der Geist dieser Mannschaft, die sich nicht aufgibt“, sagt Prokop. Seine Mannschaft kann Mikkel Hansen nicht mehr halten, geht das Tempo nicht mehr vollumfänglich mit. 21:24 (56.) – ist das schon die Entscheidung?

Jacobsen macht hinten nicht dicht, Andi Wolff trifft das leere Tor zum 23:24 (58.), Rune Dahmke schmeißt sich in die Wurfbahn eines Balles von Casper Mortensen (59.), nimmt Rasmus Lauge in Manndeckung. Das ist ein echtes Dahmke-Spiel, wäre da nicht am Ende das Resultat, das dieses Märchen trübt. Der Kieler Linksaußen trifft noch einmal per Gegenstoß (25:26/60.), Dänemark ist konsterniert, die Schiedsrichter pfeifen Zeitspiel, nur noch drei Sekunden, doch der Bundestrainer nimmt keine Auszeit, das Spiel ist aus. Patrick Wiencek tritt vor Wut gegen die Bank, der Rest sind leere Blicke, Schock. „Das ist so bitter“, sagt Rechtsaußen Tobias Reichmann. Ein Finale um den Einzug ins Halbfinale am Mittwoch gegen Spanien (20.30 Uhr/ZDF) ist trotzdem weiter möglich.

Ein weiterer Wermutstropfen ist der mögliche Ausfall von Paul Drux, der sich am Knie verletzte. Eine MRT-Untersuchung soll am Montag Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben.

Statistik Deutschland – Dänemark 25:26 (9:8)

Deutschland: Wolff (1.-52. und ab 56. Minute/12 Paraden/1 Tor), Heinevetter (bei einem 7m und ab 52./0) – Gensheimer 1, Lemke, Wiencek 3, Reichmann 1/1, Pekeler, Weinhold 5, Weber, Fäth 2, Groetzki n.e., Häfner 2, Dahmke 4, Kühn 6, Kohlbacher, Drux.

Dänemark: N. Landin (1.-53. Minute/9 Paraden), Green (ab 53./0) – M. Landin n.e., Mortensen 3, Lauge 2, Zachariassen, Svan n.e., Lindberg 9/4, R. Toft Hansen 1, Møllgaard n.e., Mensah Larsen, H. Toft Hansen 1, Hansen 5, Olsen 3, Damgaard 2, Balling.

Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien) – Strafminuten: GER 6 (Gensheimer, Kühn, Pekeler), DEN 2 (Mensah Larsen) – Siebenmeter: GER 2/1 (Gensheimer scheitert an Landin), DEN 4/4 – Spielfilm: 0:2, 2:2 (10.), 4:5, 7:6 (25.), 9:7, 9:8 – 11:11, 13:13 (37.), 15:13, 17:17 (46.), 18:20, 20:23 (54.), 21:24, 23:26 (59.), 25:26 – Zuschauer: 3112 in der Arena Varaždin.

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