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Paralympics: Czyz wirft Popow "technisches Doping" vor

Paralympics Paralympics: Czyz wirft Popow "technisches Doping" vor

Wojtek Czyz sagt, er habe eine große Portion "Wut im Bauch" - und der Grund dafür laufe neben ihm auf der Tartanbahn. Ausgerechnet am Tag des 100-Meter-Finales hat der deutsche Sprinter mit einem schweren Vorwurf gegen Teamkollegen Heinrich Popow für einen Eklat gesorgt.

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Wojtek Czyz (l) und Heinrich Popow laufen im Finale über 200 Meter in der Klasse T42.

Quelle: Julian Stratenschulte

London. Dieser betreibe "technisches Doping", klagte Czyz nach seinem Sprint-Vorlauf. Der oberschenkelamputierte Popow habe von seinem Ausrüster Ottobock ein künstliches Kniegelenk erhalten, das anderen Athleten bis kurz vor Beginn der Spiele in London vorenthalten worden sei, sagte Czyz am Freitagvormittag. Ein Sprecher des Prothesen-Bauers wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

Czyz erzählte, er und andere Sportler hätten schon vor Monaten eine Anfrage gestellt, um das Knie-Modell zu kaufen. "Da wurde mir gesagt, dieses Knie ist reserviert für Heinrich Popow", sagte Czyz. "Das ist für mich die Paradedisziplin technisches Doping." Ottobock-Sprecher Rüdiger Herzog bezeichnete die Anschuldigung als "Psychoterror" und betonte: "Wir sind Partner der Paralympics und halten uns an die Regeln. Das Knie ist seit langem erhältlich."

Das ist der entscheidende Punkt in dem Streit: Dass das Gelenk wie vorgeschrieben vor Start der Spiele erhältlich war, räumte selbst Czyz ein. Allerdings sei die Markteinführung so kurz vor den Paralympics erfolgt, dass es für Athleten schlicht unmöglich war, sich rechtzeitig an das Knie zu gewöhnen. Popow, der bei Ottobock unter Vertrag steht, laufe als einziger Athlet in London mit der Prothese und habe damit auch schon lange trainieren können.

Die Vorteile seien eklatant: "Wenn ein Athlet seine 200-Meter-Zeit um sieben Zehntelsekunden verbessert, spricht das Bände", meinte Czyz. Selbst Popows Trainer habe zugegeben, dass solche Bauteile ein Jahr vor den Spielen erhältlich sein müssten. Er wolle seinem Rivalen "nichts Böses, aber die Chancengleichheit muss da sein", forderte der Kaiserslauterer. Im Paralympics-Sprinterfeld sei der Unmut groß.

Popow bezeichnete die Vorwürfe gegenüber der "Bild"-Zeitung als "totalen Humbug" und "ein typisches Psychospielchen von Wojtek." Der Bronzemedaillengewinner über die 200-Meter-Strecke war am Vormittag 100-Meter-Vorlauf-Bestzeit gelaufen und hatte dabei Scott Reardon aus Australien und Czyz distanziert. Das Finale steigt am Abend.

Freude über die drittbeste Zeit wollte bei Czyz nicht aufkommen. Mit einer Schimpftirade in den Katakomben des Olympiastadions rückte er das Thema Fairness bei den Paralympics mal wieder in den Fokus. "Wenn man sich so einen Vorteil verschafft, dann ist das für mich kein paralympischer Sport, sondern einfach eine Materialschlacht. Dann gewinnt nicht mehr der beste Athlet, sondern der mit dem besten Material. Wenn das der Fall ist, dann gute Nacht."

Im Team reagierte man mit Befremden auf den Auftritt von Czyz. Der deutsche Chef de Mission Karl Quade sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Das ist schade. Aber ich kann das nicht verhindern. Die Athleten sind erwachsen und kriegen auch keinen Maulkorb." Er wollte Czyz und dessen Trainer nun zu einem klärenden Gespräch einbestellen.

dpa

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