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Sportmix von Zitzewitz vertraut dem Bauchgefühl
Sport Sportmix von Zitzewitz vertraut dem Bauchgefühl
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11:15 28.12.2017
Von Sven Hornung
Am Sonntag fliegt Dirk von Zitzewitz zur 40. Auflage nach Südamerika, am Dienstag steigt der erste Funktionstest. Ab dem 6. Januar heißt es dann nur noch: Attacke Quelle: Uwe Paesler

Zunächst raste Dirk von Zitzewitz auf dem Motorrad durch die Wüste, jetzt fährt er als Co-Pilot im Toyota seines Freundes Giniel de Villiers. 2009 hat das Team die Rallye Dakar vor allem dank seiner Navigationskünste gewonnen. Es ist ein Sport am Limit, im Zweifel hängt das Leben der beiden davon ab, dass von Zitzewitz seinem südafrikanischen Piloten jede gefährliche Stelle korrekt ansagt.

„Mental muss ich mich nicht vorbereiten, ich bin Rennfahrer seit meinem zehnten Lebensjahr“, sagt der Karlshofer. Gerade in den ersten Tagen sei die Anspannung sehr groß, auch, weil das Rennen sehr schnell geworden ist. „Natürlich haben wir uns auch mal mit dem Auto überschlagen, aber das ist ein Schreckmoment. Angst verspüre ich nicht.“ von Zitzewitz und Giniel de Villiers bilden seit elf Jahren ein Team, beide haben Familie und Zukunftspläne. „Unser Ziel ist es, Dakar zu gewinnen, aber wichtiger ist es, dass wir wieder gesund nach Hause fliegen. Ich fühle mich bei Giniel gut aufgehoben, muss ihn nicht bremsen, eher mal treten: Lass laufen“, sagt der Co-Pilot.

Dakar ist kompliziert

Der Wüsten-Klassiker führt 2018 über 14 Etappen durch die Länder Peru, Bolivien und Argentinien. Insgesamt nehmen 332 Fahrzeuge an dem Abenteuer in Südamerika teil: 190 Motorräder und Quads, 100 Autos und 42 Trucks. Die größte Gesamtdistanz müssen mit 8.793 Kilometern die Autos absolvieren, die mit 4.329 Kilometern auch die größte Wertungsdistanz fahren. Gestartet wird am 6. Januar in der peruanischen Hauptstadt Lima, der Zieleinlauf erfolgt am 20. Januar im argentinischen Cordoba. Sieben der 14 Etappen finden ausschließlich in Dünen abseits befestigter Straßen statt.

Titelverteidiger Peugeot geht mit dem 3008 DKR Maxi und Rekordsieger Stephane Peterhansel (52, Frankreich) favorisiert ins Rennen. „Die Franzosen haben das schnellste Auto, hervorragende Fahrer und das größte Serviceteam vor Ort. Aber Dakar ist kompliziert, das Gelände manchmal so schwierig zu befahren, dass wir mit einem etwas unterlegenen Fahrzeug auch gewinnen können“, meint Dirk von Zitzewitz. Im November wurde das Fahrwerk seines neuen Toyota Hilux nochmals optimiert. „Wir setzen immer noch auf Allrad, haben mehr als 3000 Kilometer getestet. Die neue Version hat alle guten Eigenschaften des Vorgängermodells und bietet dank des innovativen Designs ein viel besseres Handling und eine bessere Balance. Wir werden definitiv schneller unterwegs sein.“

Pinkelpausen sind tabu

Nach jeder Etappe wird Giniel de Villiers im Camp kurz mit dem Toyota-Ingenieur sprechen, wo es geknallt und geknatscht hat, dann gibt er ein paar Interviews und lässt sich ins Hotel fahren. „Nächsten Tag kommt er ausgeschlafen zurück, steigt ins Auto und fragt mich, was er tun soll“, sagt Dirk von Zitzewitz und lacht. Er wiederum schläft wenige Stunden im Wohnmobil, braucht ein dickes Fell – und Ohropax. Im Biwak wird rund um die Uhr gehämmert, geflext und Schlagschrauberarbeiten durchgeführt. In diesem Tohuwabohu muss er sich und sein Team auf die nächste Etappe mithilfe des so genannten Roadbook vorbereiten, eine Wegbeschreibung mit Skizzen und Entfernungen, die der Veranstalter den Co-Piloten zur Verfügung stellt. Schließlich müssen die Rennfahrer sich ihren Weg durch tausende Kilometer wildes Offroad-Terrain bahnen. Darüber hinaus gibt es noch Kontrollstellen und unbemannte Wegpunkte.

Grundsätzlich dürfte auch Dirk von Zitzewitz das Steuer übernehmen. „Aber irgendwann bist du Fachidiot. Ich kann zwar auch gut fahren, aber Giniel ist etwas besser. Und wenn er navigieren müsste, würde er uns die Bude vollspucken.“ Das Fahrzeug stoppen ist sowieso kein guter Plan. Die Dakar wird manchmal nur mit rund zwei Minuten Unterschied gewonnen. Pinkelpausen sind tabu. Manche Fahrer tragen deshalb Windeln oder favorisieren Katheterlösungen. „Im Auto herrschen 35 bis 40 Grad. Giniel arbeitet körperlich hart am Lenkrad, ich konzentriere mich neben der Navigation aufs Festhalten“, so von Zitzewitz. Er bevorzuge als Snacks Müsliriegel und Nüsse, sein Partner isst gerne Trockenfleisch. Das muss als Tagesration reichen.

Dirk von Zitzewitz steht weniger im Rampenlicht

„Wenn du einmal am Honigpott dran warst, willst du wieder ganz oben stehen. Denn für den Zweiten interessiert sich am Ende keiner“, sagt der Wüstenfuchs. Er, der Flüsterer, stehe nach der Dakar traditionell weniger im Rampenlicht als der Fahrer. Dabei ist die Leistung des Duos 50:50 zu bewerten. Das würde aber selbst sein Kumpel Giniel vor laufenden Kameras niemals zugeben.

Dirk von Zitzewitz startet seit 1997 bei der Rallye Dakar, der wohl gefährlichsten Motorsportserie der Welt. Der 49-Jährige will 2018 den Titel für Toyota holen.
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