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VDV: Bei Pezzoni "Grenzen überschritten"

Fußball VDV: Bei Pezzoni "Grenzen überschritten"

Die Spielergewerkschaft VDV schlägt wegen der Causa des Kölner Fußballprofis Kevin Pezzoni Alarm. Und auch dessen ehemaliger Mitspieler Sebastian Freis berichtet von besorgniserregenden Auswüchsen.

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Kevin Pezzoni hat die Konsequenzen aus den Fan-Attacken gezogen.

Quelle: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf. "Es darf nicht sein, dass Spieler durch kriminelle Machenschaften so eingeschüchtert werden, dass sie Reißaus nehmen müssen. Und es kann nicht sein, dass Gewalttäter quasi die Kader der Vereine bestimmen", sagte VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag.

Mittelfeldspieler Pezzoni war von mutmaßlichen Hooligans massiv bedroht worden und hatte daraufhin seinen Vertrag mit dem Zweitligisten 1. FC Köln gelöst. "Wir verfolgen den Fall mit Schrecken", äußerte Baranowsky auch in der "Bild"-Zeitungseine Besorgnis. Wenn das so weitergehe, "haben wir bald Verhältnisse wie in Mexiko, wo Spieler schon zu Tode gejagt wurden".

Im aktuellen Fall seien nicht zuletzt durch Ligapräsident Reinhard Rauball klare Zeichen gesetzt worden. Auch der 1. FC Köln habe durch das Einschalten der Polizei nach den Facebook-Aufrufen gegen Pezzoni gut reagiert, findet Baranowsky. Positiv bewertet er zudem, dass die Probleme offen kommuniziert worden seien und nun öffentlich diskutiert würden. "Die Grenzen müssen spätestens dort klar aufgezeigt werden, wo kriminelle Machenschaften im Spiel sind. Wenn Vermummte vor der Haustür warten - spätestens hier sind die Grenzen überschritten."

Wie die VDV sieht Freis auch den Arbeitgeber in der Verantwortung. "Der Verein sollte überlegen, wie er seine Spieler schützen kann", sagte der Stürmer des Bundesligisten SC Freiburg in einem Interview auf der Clubhomepage. Er selbst habe solche Dinge in Köln "zum Glück nie hautnah miterlebt, persönliche Angriffe und Beleidigungen sind mir erspart geblieben".

Freis spielte von Sommer 2009 bis Dezember 2011 bei den "Geißböcken". Durch bestehende Kontakte zu den früheren Kollegen habe er von "gewissen Geschichten" gehört, so Freis. "Das hat sich schrittweise aufgebaut, bis hin zu einer Eskalationsphase, als die Spieler nach Niederlagen von einer Gruppe Vermummter am Parkplatz des Vereinsheims erwartet wurden."

Laut VDV handelt es sich "leider nicht" um Einzelaktionen. "Autos werden zerkratzt, einem Spieler wurde das Wadenbein gebrochen, einem anderen nach einem Discobesuch die Nase." In Dresden seien als Drohung elf Gräber ausgehoben worden, nannte VDV-Mann Baranowsky ein weiteres Negativbeispiel. "Die Hemmschwelle wird immer niedriger, die Hysterie größer. Dieses Thema müssen wir auf allen Ebenen ernst nehmen. Wenn Schläger vor der Haustür von Spielern stehen, wenn Autos zerkratzt oder Angehörige bedroht werden, ist das eine sehr gravierende Sache."

Es seien auch nicht nur Profis der Top-Ligen betroffen, erklärte Baranowsky, sondern viel mehr auch Spieler aus der dritten, vierten oder fünften Liga. "Und wir spüren in den Gesprächen, dass diese Spieler bemängeln, zu wenig Unterstützung von ihren Vereinen zu bekommen."

Freis kann Pezzonis Flucht aus Köln zwar verstehen, doch eine Lösung sei es nicht. "Aus seiner Sicht kann man das natürlich nachvollziehen, dass er dort nicht mehr spielen will. Andererseits haben die Chaoten damit eigentlich ihr Ziel erreicht. Und das ist sicher ein falsches Signal."

Fanexperte Harald Lange geht davon aus, dass der Fall Pezzoni kein Einzelfall bleiben wird. "Das wird Schule machen, das macht Schule," sagte der Professor des Instituts für Fankultur an der Universität Würzburg der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Zwar geht Lange von Einzeltätern aus, doch sieht er einen Trend: "Seit zwei, drei Jahren gibt es immer mehr solche sonderbaren Fälle." Die "klassische" Blockade der Fans nach schlechten Spielen vor dem Stadiontor verlagere sich immer mehr in den privaten Bereich der Spieler.

dpa

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