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Sportmix 230 Teilnehmer beim LSV-Sportdialog
Sport Sportmix 230 Teilnehmer beim LSV-Sportdialog
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07:00 09.03.2019
Von Tamo Schwarz
Zwei Tage lang geht es in Damp um die Zukunftsentwicklung der Vereine, von links: Ernst Holzmann (Hochschuldozent), Jens Flatau (CAU Kiel), Hans- Jakob Tiessen (LSV-Präsident), Thomas Niggemann (LSV-Geschäftsführer) und Olaf Bastian (Vorsitzender LSV-Breitensportausschuss). Quelle: Ulf Dahl
Damp

Wie sieht er eigentlich aus, der Verein von morgen? Wie muss er sich aufstellen? Und vor allem: Wie gewinnt er (künftig) seine Kunden – die Mitglieder? Beim Kieler TB zündeten weder Zumba-Zehnerkarten noch kursbezogene Yoga-Mitgliedschaften. „Darum sind wir zu normalen Vollmitgliedschaften mit einem Fitness-Sonderbeitrag zurückgekehrt“, sagt Martina Bach, geschäftsführender Vorstand im KTB. Auch beim TSV Klausdorf habe man, so der langjährige Vorsitzende Jürgen Müller, „lange gegrübelt“. Kurse? Kurzmitgliedschaften? „Die Resonanz war gering“, sagt Müller. Kein Wunder, im Ortsteil von Schwentinental sei der Sportverein ohnehin ein Magnet. Beim TuS Holtenau denke man indes laut Holger Schwarzenberg über Kurzmitgliedschaften nach. Der Verein betreibt ein eigenes Fitness-Studio, da bietet sich das Modell an.

Mitgliedschaftsmodelle: 358 Vereine haben an Studie teilgenommen

In den Vereinen wird gegrübelt, Professor Dr. Jens Flatau hat alle für eine umfangreiche Studie zu genau diesem Thema befragt. „Menschen haben heute andere Bedürfnisse. Sie wollen wie eh und je Sport treiben. Aber sie wollen den Sport in flexible Lebensformen einpassen, und da passt die klassische Vereinsmitgliedschaft nicht mehr so hinein. Große Vereine haben das schon lange erkannt“, sagt der Professor für Sportökonomie und Sportsoziologie am Institut für Sportwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 358 der insgesamt 2574 Vereine zwischen Nord- und Ostsee haben sich an der am Freitag vorgestellten Studie beteiligt, repräsentieren damit 22 Prozent, also rund 170.000 der insgesamt etwa 775.000 Mitglieder in den im LSV organisierten Klubs.

Knapp 20.000 Schüler und Kita-Kinder nehmen ohne Mitgliedschaft an Angeboten von Sportvereinen teil

Seine Zahlen bilden eine Grundlage für den zweitägigen Dialog der Teilnehmer im Ostsee Resort Damp. Die wichtigsten Zahlen: Dem jährlichen Mitgliederschwund in Höhe von mindestens einem Prozent und rund 100.000 Austritten stehen 40.000 Kurzzeit- (besonders beliebt bei Senioren) und Kursmitgliedschaften (beliebt bei Erwachsenen zwischen 27 und 40 Jahren) gegenüber. Und: Knapp 20.000 Schüler und Kita-Kinder nehmen ohne Mitgliedschaft an Angeboten von Sportvereinen teil. „Wir bewegen mehr Menschen, als wir Mitglieder haben. Da geht es um Senioren, um Kitas. Das ist eine viel breitere Basis, als wir sie vorher hatten. Da haben die Vereine eine große gesellschaftliche Verantwortung“, sagt Thomas Niggemann (LSV-Geschäftsführer Vereins-/Verbandsentwicklung).

Insgesamt kommt Flatau auf eine beeindruckende Zahl von 951.000 Menschen, die der Sport im Land bewegt – wesentlich mehr also als nur die 775.000 Vereinsmitglieder. Ein Pfund, mit dem der LSV gegenüber der Politik wuchern kann. Denn jede Schul-AG, jeder Kita-Bewegungsparcours von Vereins-Übungsleitern oder FSJlern will bezahlt sein, sorgt aber längst nicht immer für Mitgliederzuwachs. Die Finanzierungsfrage konnte in Damp noch nicht beantwortet werden.

LSV-Präsident hofft auf Impulse

Dennoch hofft LSV-Präsident Hans-Jakob Tiessen auf „viele Impulse, mit denen wir uns in den Ausschüssen beschäftigen können“. Hochschuldozent Ernst Holzmann richtete den Blick besonders auf die 27- bis 40-Jährigen im „mittleren Alter, wo Beruf, Ehe, Hausbau eine Rolle spielen“. „Viele wollen den Verein als Sportdienstleister, bekommen die Gemeinschaft woanders. Sie segmentieren ihr Leben mehr und mehr.“ Vereine müssen, sagt Holzmann, „spezifische Angebote bieten, die Fitness-Center nicht bieten“, müssen gezielt auch das familiäre Umfeld von Kindern einbinden. „Darum sind attraktive Sportanlagen, sanitäre Anlagen wichtig. Warum gibt es eigentlich so selten einen Spielplatz neben dem Fußballplatz?“

Beim TSV Klausdorf werde man das Kursangebot weiter für Nichtmitglieder öffnen. Beim Kieler TB sind Kurzzeitmitgliedschaften für Spinning-Kurse oder andere bei 20- bis 40-Jährigen beliebte Angebote geplant. Es scheint: Große und besonders hauptamtlich geführte Vereine sind im Vorteil, die Frage der Finanzierung schwebt über allem. Der „LSV-Sportdialog“ als starkes Instrument ist an diesem Wochenende ausgebucht.

Zwei Tage lang geht es in Damp um die Zukunftsentwicklung der Vereine. 230 Teilnehmer aus Vereinen, Fachverbänden und allen Kreissportverbänden suchen beim vierten „Schleswig-Holsteinischen Sportdialog“ des Landessportverbandes (LSV) nach Antworten.
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