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THW Kiel besiegt ThSV Eisenach deutlich

Handball-Bundesliga THW Kiel besiegt ThSV Eisenach deutlich

Handball-Rekordmeister THW Kiel hat sich in Eisenach den Frust vom verpassten Champions-League-Finale beim Final Four in Köln von der Seele geworfen. Mit einem zuweilen deklassierenden 31:19 (16:7) schickten die Zebras den ThSV Eisenach auf direktem Wege zurück in die Zweite Bundesliga.

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Linksaußen Rune Dahmke gehörte zu den erfolgreichsten Schützen des THW Kiel in Eisenach.

Quelle: Uwe Paesler (Archivbild)

Eisenach. Der THW sicherte sich zugleich Platz drei in der Bundesliga, der am Ende wohl auch das erneute Startrecht in der Königsklasse bedeutet – per Wild Card.

Am Vormittag auf dem Hinweg dürfen sich müde Zebras zunächst fühlen wie Könige. Ein Sponsor, der auch sonst Flügel verleiht, hat sie eingeladen, vom Militärflughafen Hohn aus in einer chromglänzenden Douglas DC-6B auf direktem Weg Eisenach anzusteuern. 1958 gebaut, war der fliegende Oldtimer mit der imposanten Spannweite jahrelang Luxusjet für den jugoslawischen Staatschef Tito und seine prominenten Gäste, ehe der den schönen Stahlkoloss 1975 an Sambias ersten Präsidenten Kenneth Kaunda verkaufte. So weich sitzen die Kieler THW-Profis selten – Balsam für geschundene Kieler Seelen nach dem traurigen Final-Four-Wochenende in Köln.

Kieler wirken alles andere als müde

Sportlich ist indes am Fuße der Wartburg von Müdigkeit zunächst wenig zu spüren. Im Gegenteil, sind es doch die Thüringer, deren offensives Positionsspiel beim Zusammenprall mit der kompakten Kieler 6:0-Deckung platzt wie die Wurst auf dem Grillrost. ThSV-Coach Gennadij Chalepo lässt im Rückraum schon nach wenigen Minuten rotieren – ohne durchschlagenden Erfolg. Auch eine Manndeckung, bei der Marcel Schliedermann und Olafur Ragnarsson wechselweise Geburtstagskind Domagoj Duvnjak (28) in Sonderbewachung nehmen, bleibt wirkungslos. Stattdessen treffen zwischen dem 2:2 (6.) und 2:9 (19.) nur die Gäste – ein Kieler 7:0-Lauf, bei dem sich Christian Dissinger schon mal in Olympia-Laune spielt. Rune Dahmke tut es ihm mit einem Treffer-Triple gleich (14:5; 24.), Niklas Landin pariert fantastische elf Bälle, und Duvnjak schüttelt seine Bewacher auch fünfmal ab. 16:7 zur Pause – Spiel entschieden. Da saß auch das ThSV-Maskottchen – der Drache Schorsch – nur noch bedröppelt in der Ecke.

Klein und Katsigiannis wie entfesselt

Eine Führung, ein Luxus. Alfred Gislason („Ich bin heute sehr zufrieden, die Abwehr und Landin dahinter waren super vor der Pause. Jetzt gehe ich davon aus, dass wir in der kommenden Saison wieder in der Champions League spielen“) nutzt diesen Luxus für ausgiebige Wechsel. Ilija Brozovic und Erlend Mamelund stellen jetzt den Mittelblock, im Angriff zieht Dominik Klein in der Rückraum-Mitte die Fäden, Mamelund und Dener Jaanimaa auf den Halbpositionen links und rechts neben sich. „Heute haben wir es dem THW einfach zu leicht gemacht. Aus dem Rückraum kam gar nichts. Ich habe mir das alles anders vorgestellt“, sagte ein enttäuschter Gennadij Chalepo auch angesichts des Wiederabstiegs. Kopfschüttelnd musste er eine einzigartig furiose Dreier-Parade des entfesselten Nikolas Katsigiannis mitansehen (52.), sah außerdem immer wieder Traum-Anspiele von Marko Vujin an den Kreis, wovon in der Schlussphase Igor Anic zu profitieren wusste. Und das „Sahnehäubchen“ auf einer Dienstreise an die Wartburg? Weltklasse-Pass Mamelund, Kempa-Tor Dominik Klein zum 31:18. Ende einer Demontage.

ThSV Eisenach – THW Kiel 19:31 (7:16)

ThSV Eisenach: Verkic (1.-19. und 31.-37. Minute/5 Paraden), Redwitz (19.-30. und ab 37./5) – Wöhler 1, Luther 1, Celica, Ragnarsson, Schliedermann 3, Hansen, Urban 5/2, Holzner 3/2, Heinemann, Koloper 4, Valiullin 2, Criciotoiu.

THW Kiel: Landin (1.-40. Minute/14 Paraden), Katsigiannis (ab 40./7) – Duvnjak 5, Mamelund 1, Dissinger 2, Wiencek 2, Ekberg 5/4, Anic 3, Cañellas n.e., Dahmke 5, Jaanimaa 1, Klein 3, Brozovic, Vujin 4/1.

Schiedsrichter: Kilp/Maier (Oberursel/Steinbach) – Strafminuten: ThSV 8 (Celica, Holzner, Koloper, Hansen), THW 12 (Dissinger, 3x Brozovic, Dahmke, Anic) – Disqualifikation: Brozovic (54.) – Siebenmeter: ThSV 4/3 (Katsigiannis pariert gegen Holzner), THW 5/4 (Vujin scheitert an Redwitz) – Spielfilm: 0:1, 2:2 (6.), 2:9 (19.), 5:12, 5:14 (24.), 7:14, 7:16 – 9:17, 11:19 (35.), 11:23 (37.), 13:26 (44.), 16:26, 17:30 (58.), 19:31 – Zuschauer: 2206 in der Werner-Aßmann-Halle in Eisenach.

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Ein Artikel von
Tamo Schwarz
Sportredaktion

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THW Kiel
Foto: Im Hinspiel gegen Eisenach hatte Igor Anic am Kreis gegen Azat Valiullin (li.) und Daniel Luther Schwerstarbeit zu leisten.

Nur drei Tage nach dem Champions-League-Final-Four, diesen zwei physisch und psychisch aufreibenden Spielen innerhalb von 21 Stunden, muss der THW Kiel wieder in der Bundesliga ran. Um 20.45 Uhr treffen die Zebras auf den ThSV Eisenach.

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